Was man in der kleinsten Stadt der Welt zu sehen bekommt: HUM in Kroatien
Die Sehenswürdigkeiten in Hum sind schnell aufgezählt. Trotzdem zahlt sich der Abstecher in die kleinste Stadt der Welt mehr als aus.
Schon einmal von Hum in Kroatien gehört? Ohne das Etikett der „kleinsten Stadt der Welt“ würde sich wohl kaum jemand in diesen winzigen Ort verirren, der irgendwo im stillen Hinterland der istrischen Halbinsel liegt. Und das ist auch genau der Grund, warum Hum längst kein Geheimtipp mehr ist.
Zahlt es sich aus, Hum einen Besuch abzustatten? Die ehrliche Antwort: Es kommt ganz darauf an, was man erwartet. Wer eine große Sehenswürdigkeit sucht, wird in Hum nicht fündig. Wer jedoch ohnehin im Norden Istriens unterwegs ist – etwa von Opatija in Richtung Westküste – kann den kleinen Abstecher ruhig auf die Route setzen.
Denn Hum hat seinen ganz eigenen Reiz. Zwei schmale Gassen, alte Steinhäuser, eine ruhige, entschleunigte Atmosphäre – Hum ist einer jener Orte, an denen die sprichwörtliche Zeit stehengeblieben zu sein scheint.
Also: Auf nach Hum zu einer kleinen Sehenswürdigkeiten-Tour, die tatsächlich so schnell vorbei ist, wie sie begonnen hat!
2. Die Sehenswürdigkeiten in Hum: Spaziergang durch die kleinste Stadt der Welt
3. Ein kurioses Highlight: die Stadtloggia mit Gemeindetisch
4. Das kulturelle Erbe Hums: die glagolitische Schrift
Meine Tipps für Hum: wo parken und wo übernachten
Hum: was es mit der Zuschreibung der „kleinsten Stadt der Welt“ auf sich hat
Bei der „kleinsten Stadt der Welt“ stellt sich fast automatisch die Frage: Warum eigentlich? Und wie viele Menschen leben dort überhaupt?
Tatsächlich zählt Hum heute gerade einmal rund 21 Einwohner. Früher waren es ein paar mehr – mal 23, zeitweise sogar bis zu 30. Und genau mit dieser überschaubaren Bevölkerungszahl hat es der kleine Ort ins Guinness Buch der Rekorde geschafft. Doch wie wird ein Weiler mit nur zwei Gassen und drei Häuserreihen überhaupt zur „Stadt“?



Der Grund liegt in seiner Geschichte: Hum geht auf das 11. Jahrhundert zurück und hat bis heute die typischen Strukturen einer mittelalterlichen Stadt bewahrt. Durch ein Stadttor tritt man in die ummauerte Siedlung ein, innerhalb der Mauern befindet sich eine Kirche, während der Friedhof – ganz klassisch – außerhalb liegt, ergänzt durch eine kleine Friedhofskirche. Sogar ein Restaurant gibt es vor Ort.
Dennoch: Man muss es erst einmal finden – und noch dazu den richtigen Weg nach Hum einschlagen. Dazu kommt die Frage, ob Hum an sich überhaupt sehenswert ist.
Ein Besuch beginnt oft schon mit der Anfahrt. Je nach gewählter Strecke kann diese durchaus ein kleines Abenteuer sein. Und ja, Hum hat sich längst vom Geheimtipp zum kleinen Touristenmagneten entwickelt. Mit etwas Pech stehen gleich mehrere Reisebusse vor den Toren, und natürlich sind auch andere Besucher da, die ebenfalls entdecken möchte, was sich hinter dem Etikett der „kleinsten Stadt der Welt“ verbirgt.

Trotzdem: Der Zauber des Ortes bleibt. Es ist einfach ungemein nett, durch die Gassen zu schlendern. Auch, wenn man recht schnell wieder durch ist.
Was Hum besonders macht, sind die vielen liebevollen Details: alte Steinhäuser mit efeubewachsenen Fassaden, bunt geschmückte Eingänge, Holzfensterläden, Blumentöpfe und kleine Dekorationen, die den Ort lebendig wie ein Postkartenmotiv lassen.



Hier ein altes Holzrad, dort ein blau gestrichenes, mit Blumen verziertes Zierelement – fast wirkt alles wie ein wenig wie aus der Zeit gefallen.
Dazu kommen die weiten Ausblicke auf die umliegende Landschaft Istriens, die sich hier im Herzen der Halbinsel von einer traumhaft grünen Seite zeigt.

Unterm Strich: Hum ist vielleicht kein Ort, an dem man Stunden verbringt – aber definitiv ein Ort, den man gesehen haben sollte. Ein kleiner, besonderer Fleck, der bei einem Istrien-Urlaub einfach dazu gehört. Bleibt nur noch eine Frage offen: Wie kommt man am besten hin?
1. Tipps für die Anreise: (nicht) alle Wege in Istrien führen nach Hum
Die Frage nach der Anreise kommt bei Hum nicht von ungefähr. Denn wer nicht die „klassische“ Route wählt, wird sich früher oder später wundern, wo genau man hier – mitten in Istrien – eigentlich gelandet ist.
Ich habe den Ausflug nach Hum bei meiner Fahrt von Opatija nach Motovun in Angriff genommen. Statt bei Roč von der Straße abzuzweigen, ging es schon früher in Richtung Süden – mit dem Ziel, mich Hum von Osten her über den kleinen Weiler Kras zu nähern.

Das klingt zunächst nach der idyllischeren Variante – und das ist sie auch. Allerdings ist sie nicht unbedingt für jedes Fahrzeug geeignet. Schon bald weisen Schilder darauf hin, dass Vehikel über 8 Tonnen hier besser nicht weiterfahren sollten. Und irgendwann stellt sich tatsächlich das Gefühl ein, eher auf einem Wanderweg als auf einer Straße unterwegs zu sein. Sollte hier wirklich irgendwo eine „Stadt“ sein?
Nach einigem Geruckel über den Schotterweg folgte dann die Überraschung: Mitten im Nirgendwo taucht plötzlich – wie aus dem Nichts – ein Reisebus aus Niederösterreich auf. Ein kurzer Moment der Irritation, bis klar wird: Dieser war ganz entspannt über die reguläre Straße von Roč angereist. Über die von mir gewählte Route wäre das wohl kaum möglich gewesen.

Spätestens beim Parkplatz wurde mir klar: Hum ist längst kein verlassener Geheimtipp mehr. Die kleinste Stadt der Welt hat sich zu einer fixen Sehenswürdigkeit in Istrien entwickelt.
2. Die Sehenswürdigkeiten in Hum: Spaziergang durch die kleinste Stadt der Welt
Die kleinste Stadt der Welt macht ihrem Namen alle Ehre: Betritt man Hum, ist man auch fast schon wieder durch. Gerade einmal rund 100 Meter misst der Ort, zwei schmale Gassen ziehen sich durch die kleine, von Mauern umgebene Siedlung. Mehr braucht es hier nicht für einen gemütlichen Spaziergang.
Dabei blickt Hum auf eine lange Geschichte zurück. Bereits im 11. Jahrhundert entstand hier eine Festung, die den Grundstein für das heutige Erscheinungsbild legte. Die Stadtmauern wurden später, während der Herrschaft von Venedig, im 16. und 17. Jahrhundert erneuert.


Trotz ihrer Winzigkeit hat die Stadt aber einiges zu bieten. Schon beim Eintreten durch das Stadttor wird man mit einem besonderen Detail konfrontiert – 12 glagolitische Schriftzeichen zieren das Portal. Gemeinsam mit Roč und Buzet war Hum einst eines der wichtigsten Verbreitungszentren dieser alten slawischen Schrift (mehr dazu unter Punkt 4).

Hinter dem Tor öffnet sich dann ein kleiner Platz, flankiert von der Kirche auf der einen, vom kleinen Stadtmuseum auf der anderen Seite. Die Maria-Himmelfahrts-Kirche, ein markanter Bau mit einem markanten Glockenturm aus dem 16. Jahrhundert, der ursprünglich als Wehrturm diente, prägt eindeutig das Bild. Sie wurde erst Anfang des 19. Jahrhunderts anstelle eines älteren Gotteshauses aus dem 13. Jahrhundert errichtet.

Und sonst? Geht es kulinarisch in Hum natürlich typisch istrisch zu. In der Konoba Humska – dem einzigen Lokal der Stadt – stehen regionale Spezialitäten auf der Karte: Trüffel, Wein und die berühmte Biska, ein Mistelschnaps, mit dem in Hum ebenso Touristen angelockt werden wie mit der Tatsache, dass es sich als kleinste Stadt der Welt rühmen darf.




Aber auch auf der Terrasse des Souvenirshops Colmo findet man ein nettes Plätzchen für ein Schluckerl eines edlen Tropfens. Von hier aus lässt sich die umliegende Landschaft wunderbar einfangen.


Und ganz am Ende des Ortes wartet noch ein kleiner Aussichtspunkt ins Tal, wo er Blick weit über das hier so frische, satte Grün Istrien schweift.
3. Ein kurioses Highlight: die Stadtloggia mit Gemeindetisch
Die kleinste Stadt der Welt wartet auch mit einem kultigen Brauch auf. Denn wie es sich für eine „richtige“ Stadt gehört, gibt es hier auch eine Art Stadtrat – in Istrien „Županija“ bzw. Gespanschaft genannt. Und dieser tagt tatsächlich in Hum, und zwar noch immer so wie im 16. Jahrhundert, zur Zeit der venezianischen Herrschaft.
Einmal im Jahr wird diese Tradition wieder lebendig: Seit 1977 findet am alten Gemeindetisch in der Stadtloggia erneut die Bürgermeisterwahl statt, und die läuft hier alles andere als gewöhnlich ab.

Statt mit Stift und Papier wird hier ganz ursprünglich mit dem Schnitzmesser abgestimmt: Jeder Wähler ritzt eine Kerbe in eine Holztafel, am Ende zählt man die Einschnitte – und wer auf seinem Abschnitt die meisten Kerben vorweisen kann, hat im wahrsten Sinne des Wortes „etwas auf dem Kerbholz“. Für ein Jahr übernimmt er das Amt des Bürgermeisters, des sogenannten Gespans.
Eine kultige Tradition, die perfekt zu diesem besonderen Ort passt. Und ganz nebenbei: Es hat schon seinen Reiz, selbst einmal an diesem historischen Tisch Platz zu nehmen und sich vorzustellen, wie hier seit Jahrhunderten Entscheidungen getroffen werden.
4. Das kulturelle Erbe Hums: die glagolitische Schrift
In der kleinsten Stadt der Welt findet man aber noch eine weitere Besonderheit in Form der glagolitischen Schrift.

Die älteste slawische Schrift geht zurück ins 9. Jahrhundert, als die byzantinische Bischöfe Kyrill und Method die Slawen zum Christentum bekehrten und dafür die Bibel ins Altslawische übersetzten. Da es damals noch keine einheitliche Schrift für die Sprache gab, erfanden sie die glagolitische Schrift – die erste slawische Schrift mit Elementen orientalischer, slawischer und griechischer Ursprünge.
Glagolitisch wurde neben der kyrillischen Schrift vor allem in der katholischen Kirche Kroatiens genutzt und noch bis ins 20. Jahrhundert in der Liturgie eingesetzt. Man findet die Buchstabenfolge „HR“ (für Kroatien) in glagolitischer Schrift übrigens auch auf den kroatischen 1-, 2- und 5-Cent-Münzen.


Wer über Roč nach Hum fährt, kommt auch an der „Glagoliter-Allee“ vorbei, elf Denkmälern entlang des Weges, die die Bedeutung der Schrift für den Ort und die Region markieren. Mit dem Eintritt in die Stadt am Stadttor ist man gleichzeitig am letzten Punkt des Themenwegs angelangt.
Gut zu wissen: meine Tipps für Hum in Kroatien
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Wo parken in Hum
Am Eingang zum Parkplatz wartet ein kleines Häuschen, an dem ein Eintritt von rund 3 Euro pro Person eingehoben wird. Hier nochmal der nicht ganz unwichtige Tipp: Für eine entspannte Anreise, vor allem dann, wenn man mit größerem Fahrzeug oder Wohnwagen unterwegs ist, unbedingt die Route über Roč wählen. -
Wo übernachten
Übernachten in der kleinsten Stadt der Welt ist grundsätzlich möglich, auch wenn die Stadt selbst durch den Touristenandrang nicht unbedingt die entspannteste Wahl ist. Dennoch gibt es einige charmante Apartments direkt in Hum*.
Ich kann selbst zwei schöne Orte in Istrien empfehlen, die sich perfekt als Ausgangsbasis für eine Erkundung der Halbinsel eignen: Rovinj* und Umag*. Beide von mir genutzten Unterkünfte kann ich definitiv weiterempfehlen. Meine Erfahrungen dazu gibt es im ausführlichen Beitrag über Istrien nachzulesen.



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