PILSEN Wochenende: Brauerei & 5 Tipps für die Stadt des Biers

Was man an einem Wochenende in Pilsen tun kann: die Brauerei besuchen, bei einem Stadtspaziergang die alt-österreichische Geschichte erforschen – und natürlich Pilsner trinken


Unser Wochenende in Pilsen war mehr auf den Mann an meiner Seite als auf mich gemünzt: denn die tschechische Stadt hat sich auf der ganzen Welt aufgrund ihres Bieres einen Namen gemacht .

Aber Pilsen hat mehr als nur sein Bier und seine Brauerei zu bieten. Wir haben eine kleine feine Altstadt vorgefunden, die sich gerade auch im Winter für einen schönen Tages- oder Wochenendausflug anbietet.

Plzeň: wo Pilsner Bier und Škoda zu Hause sind

Von Pilsen haben wir nicht viel gewusst. Dass Pilsen – oder besser gesagt das heutige unaussprechliche Plzeň – die viertgrößte Stadt in Tschechien ist, bemerken wir an den vielen Fabrikschloten, die das Stadtbild außerhalb der Altstadt dominieren.

Doch die industrielle Bedeutung von Pilsen ist nicht wichtig für uns: Alles, was wir sehen wollen, befindet sich in der kleinen feinen Altstadt. Die noch in den 80er Jahren recht verfallene Innenstadt hat sich 2015 als Europäische Kulturhauptstadt herausgeputzt und ist definitiv einen Besuch wert – nicht nur um das Pilsner Bier zu kosten!

Mit dem Pilsner Weihnachtsmarkt dürfen wir auch gleich perfekte neblige Adventsstimmung genießen. Und die Brauerei liegt direkt neben der historischen Altstadt. Perfekt also für ein bieriges Wochenende!

Wie eng die Sehenswürdigkeiten in Pilsen beieinander liegen, zeigt folgende Karte.

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Wo liegt Pilsen?

Pilsens zentrale Lage hat die Bedeutung der Stadt schon seit dem Mittelalter bestimmt. Nur 80 Kilometer südwestlich von Prag entfernt liegt die Stadt in der Ebene des Pilsner Beckens. Die alten Stadttore führten nach Prag, Sachsen, Nürnberg/Regensburg sowie ins Habsburger Reich.

Und auch heute müssen die Bayern auf dem Weg nach Prag an Pilsen vorbei. Die Nähe zu Deutschland bemerken wir auch bei der Brauereiführung – neben den bayrischen Biertrinkern kosten auch viele Sachsen das berühmte tschechische Bier.

Bereits die Anreise durch Böhmen genießen wir – noch lange nach Budweis lässt uns das Waldviertel-Feeling nicht los. Entlang der Straße finden sich viele Schilder mit der Aufschrift „Pivovar“ – der nächsten Brauerei.


Was kann man nun an einem Wochenende in Pilsen tun?

1. das Wichtigste zuerst: der Pilsner Brauerei einen Besuch abstatten

In Pilsen sind wir mitten im Land des Biers: 144 Liter pro Jahr trinken die Tschechen (Stand 2014). Versteht sich von selbst, dass man da mit einem Seiterl nicht weit kommt – das bestellt sich aber hier auch niemand…

Die Plzeňský PrazdrojBrauerei ist die größte Brauerei in Tschechien. Das Besondere hier: seit 1842 wird hier das „Pilsner Urquell“ gebraut – ein helles, untergäriges Lager aus weichem böhmischem Wasser mit langer Gärungszeit.

Ursprünglich waren nicht wenige Pilsner Bürger brauberechtigt. Da deren Bier aber nicht zu trinken war (sodass es auf dem Hauptplatz ausgeschüttet wurde), wurde ein bayrischer Braumeister nach Pilsen geholt. Josef Groll revolutionierte den Brauvorgang und das „Pilsner“ trat seinen Siegeszug um die ganze Welt an.

Heute werde weltweit zwei Drittel der Biere als „Pilsner“ gebraut. Nach mehreren Eigentümerwechseln gehört das vormals staatliche Eigentum nun der japanischen Gruppe Asahi.


„Na Zdravi“ im Bierkeller mit unfiltriertem Pilsner aus dem Holzfass

Der Weg zur Brauerei führt vom Hauptplatz über den Gartenring. Wo früher Stadtmauern standen, kann heute gechillt werden. Direkt nach der Überquerung der Radbuza, einem der beiden Flüsschen, die Pilsen in die Zange nehmen, wartet schon das imposante Jubiläumstor der Brauerei, das auch auf den Bierflaschen verewigt ist.


Was man bei der Brauereiführung zu sehen bekommt

  • die Abfüllanlage: ein durchgängiges Flaschenklirren und Scheppern
  • die für das Pilsner verwendeten Zutaten Gerste, Malz und Hopfen (dürfen verkostet werden)
  • den größten Personenlift Europas…
  • die Gärbottiche im alten Sudhaus
  • und natürlich die alten Bierkeller, in denen das ganz frische Pilsner (unfiltriert und unpasteurisiert) direkt aus Eichenfässern verkostet werden darf; ein herrliches Ambiente wie wir es im Weinviertel von den Weinkellern kennen (modrig, feucht)
  • und nicht zuletzt: einen alten Gärkeller: in dem wir tschechische Schmankerln speisen und Pilsner trinken (siehe Tipp 6)
  • Pilsner Brauerei Besichtigung
  • Pilsner Brauerei Besichtigung
  • Pilsner Brauerei Besichtigung
  • Pilsner Brauerei Besichtigung
  • Pilsner Brauerei Besichtigung
  • Pilsner Brauerei Führung
  • Pilsner Brauerei Führung
  • Pilsner Brauerei Führung

Die Brauereibesichtigung ist sehr professionell aufgezogen und dauert etwa 90 Minuten. Führungen werden auch auf Deutsch angeboten – am Besten hier voranmelden.

2. auf einen großen Platz in der kleinen Altstadt blicken

Der Hauptplatz von Pilsen ist nicht nur einer der größten Plätze in Tschechien, sondern gleich ganz Europas. Auf dem quadratischen „Platz der Republik“ erhebt sich auf 30.000 Quadratmetern der höchste Kirchturm von Tschechien: der Turm der Bartholomäus-Kathedrale.

  • Pilsen Hauptplatz
  • Pilsen Hauptplatz
  • Pilsen Hauptplatz

Von der Aussichtsplattform am Turm blickt man über die Grenzen des 139×193 Meter großen Platzes hinaus auf die riesigen Ausläufer der Industriestadt – die Fabrikschlote winken aus dem Hintergrund.

Von unten bezaubern die herrlichen Fassaden sowie die Sgraffito-Verzierung des Rathauses.

Die drei goldenen Brunnen am Platz sind bei unserem Aufenthalt unter den Standeln des Weihnachtsmarkts etwas untergegangen.

  • Pilsen Weihnachtsmarkt
  • Pilsen Weihnachtsmarkt
  • Pilsen Adventsmarkt

Die Tourismusinfo befindet sich im Rathaus. Auch wenn die Kathedrale für einen Besuch nicht offen stand – über den Turm konnten wir zur Aussichtsplattform hochsteigen. Der Adventsmarkt hat uns vor allem durch seine von den allerkleinsten Besuchern frequentierten „Wunschglocke“ bezaubert.
Auch wenn wir das Pilsner Bier nur im historischen Umfeld (ältestes Bierlokal, größte Schank im Gärkeller) getrunken haben – für einen Cappuccino haben wir uns dann doch in ein modernes Lokal am Hauptplatz von Pilsen gesetzt. Für jeden Geschmack also etwas dabei.

3. einen historischen Stadtspaziergang nachlegen

Die Altstadt soll in den 80er Jahren kein schöner Anblick gewesen sein. Was wir bei unserem Pilsen Wochenende gottseidank nicht mehr bemängeln müssen. Die Fassaden wurden wieder auf hübsch getrimmt und somit steht einem netten Spaziergang nichts im Wege.

  • Pilsen Wochenende
  • Pilsen Wochenende
  • Pilsen Wochenende
  • Pilsen Wochenende
  • Pilsen Wochenende
  • Pilsen Wochenende

Vom Hauptplatz marschieren wir in südlicher Richtung an Synagoge und Jugendstil-Theater vorbei.

Die Synagoge im maurisch/neoromanischen Stil (die drittgrößte der Welt) sticht aus dem Stadtbild heraus – was wir auch schon beim Blick von oben bemerkt haben.

Das J.K.Tyl-Theater im Neorenaissance-Stil ist ein weiterer Hingucker. Jugendstil-Elemente wurden auch bei der Einrichtung des Hauses verwendet.

J.K.Tyl-Theater

Über den Smetana Park und ein Stück österreichischer Geschichte (siehe Tipp 4) geht’s retour zum Hauptplatz. Etwas weiter nördlich sowie südlich kann man auch amerikanische Geschichte in Tschechien erforschen (siehe Tipp 5).

4. alt-österreichische Geschichte erforschen

Die Geschichte Pilsens ist untrennbar mit den deutschen Einwohnern des alten Habsburger-Reichs verbunden.


„Katholisch und immer Treu“ – bis zum Krieg

Pilsen wurde oftmals besetzt, hat jedoch dem katholischen Habsburger-Kaiser immer die Treue gehalten.

Selbst unter Belagerung der (tschechischen) protestantischen Stände im Dreißigjährigen Krieg blieb die Stadt ihrem kaiserlichen Oberhaupt treu. Friedrich Schiller hat Pilsen dementsprechend in seiner Wallenstein-Trilogie als Schauplatz verewigt.

Rund 20 Jahre davor war Pilsen auch kurz zur Residenzstadt des Heiligen Römischen Reiches geworden. Rudolf II. zog mit seinem Hof 1599 aufgrund der Pest kurzerhand nach Pilsen. Das „Kaiserhaus“ am Hauptplatz (links neben dem Rathaus) wurde für ihn errichtet.


Und in der Monarchie?

Zu Kaiser Franz Josef gibt’s neben dem Hotel im Smetana-Park, in dem er abgestiegen war, zwei schöne Anekdötchen: Das Gambrinus-Bier, das ihm so wohl gemundet hatte, hieß noch bis 1919 „Pilsner Kaiserquell“. Und von der Tatsache, dass er in allen Völkern des Reichs zu Hause war, kann man sich in der Pilsner Brauerei bei einem ausgestellten Autogramm selbst überzeugen: Aus dem deutschen „Franz“ wurde noch ein schnell überschriebenes „František“.

Das ehemalige „U Císaře Rakouského“ (herrlich die Bezeichnung des „österreichischen Cäsars“) beherbergt heute als Hotel Slovan seine Gäste.


Anfang des 20. Jahrhunderts, war Pilsen dann auch zehntgrößte Stadt der Monarchie. Die Škoda-Werke hatten sich in den 50 Jahren ihres Bestehens zum größten Rüstungswerk im Reich entwickelt.

Und wie stands um den Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung? Von 290 Vereinen waren in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts 50 deutsch. Ende des 19. Jahrhunderts gab es mit 18% noch knapp ein Fünftel Deutsche in Pilsen. 1930 waren nur mehr 6% ansässig.

Doch wie ging es danach weiter für die Stadt?

5. Interessantes zum geschichtlichen „Kapitel danach“ herausfinden

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war Pilsen Grenzstadt. Das angrenzende Litice gehörte nach dem Münchner Abkommen bereits zum Deutschen Reich. Ab März 1939 war dann Schluss und Pilsen wurde Teil des deutschen Protektorats Böhmen und Mähren. Der Krieg brachte zahlreiche Luftangriffe, die gegen die Rüstungswerke gerichtet waren.


Mythos Befreiung

„Die Tschechoslowakei wurde von den Russen befreit“ – das ist der gängige Mythos. Tatsache ist aber, dass Pilsen Demarkationslinie war und es am 6. Mai 1945 somit daher die Amerikaner waren, die Pilsen von der nationalsozialistischen Herrschaft befreiten. Lange wurde diese Tatsache verleugnet.


Pilsen erinnert sich

Heute gedenkt Pilsen jeden Mai als einzige große Stadt in Tschechien der Eroberung der Stadt. Zum Pilsner Befreiungsfestival sind amerikanische und belgische Veteranen geladen.

Das „Diky Ameriko“-Denkmal bedankt sich heute noch bei Amerika, zwei Brücken über den Fluss Mies wurden nach Präsident Roosevelt und General Patton benannt. Und für Patton gibt’s sogar ein eigenes Memorial (Museum).

Die restlichen Jahre des 20. Jahrhunderts waren rein der industriellen Produktion in den nun umbenannten „Lenin-Werken“ gewidmet.

Wobei, wie gesagt: Heute weist Pilsen eine nette Altstadt vor, und auch beim Hineinfahren haben wir neben den vielen Fabrikschloten nicht nur Plattenbau-Siedlungen, sondern vor allem auch schöne Wohnbezirke gesehen.

6. den Tag mit einem echt frischen Pilsner beschließen

Und zwar im größten Bierkeller Tschechiens: direkt bei der Brauerei wurde ein alter Gärkeller zum Restaurant „Na Spilce“ umgestaltet. 550 Personen finden in den alten Hallen Platz.

In den alten Gemäuern kann man sich nochmal an tschechischer Hausmannskost und dem original „Plzeňský Prazdroj“ (natürlich unpasteurisiert) sowie weiteren fünf Biersorten vom Fass laben.

Wer sich so richtig in die tschechische Küche eingraben möchte, hat hier die Möglichkeit eines „All-you-can-eat“: für € 21,- kann drei Stunden lang nach Herzenslust gegessen und Pilsner getrunken werden (ohne Beilagen; mind. 4 Personen und mit einem Tag Vorbestellung, Details siehe hier).


U Salzmannú

Das unpasteurisierte Pilsner haben wir auch noch im „U Salzmannú“ im Zentrum getrunken – dem ältesten Bierlokal Pilsens.

Im U Salzmannú kann auch übernachtet werden.

was man noch in Pilsen tun kann

  • das Brauereimuseum besuchen: die Welt des Bieres inkl. Verkostung, Infos hier
  • die unterirdischen Stadtkeller erforschen: die drei- bis vierstöckigen, 20 Kilometer langen Gänge unter dem Stadtzentrum haben wir zeitlich leider nicht mehr untergebracht; Zugang über das Biermuseum, Führung mit deutschen Audioguide & Biergutschein
  • die Loos-Häuser ansehen: vier der von Adolf Loos in den 30er Jahren gestalteten Wohnungseinrichtungen wurden renoviert und sind zugänglich
  • eine von der UNESCO ausgezeichnete tschechische Tradition ansehen: das Puppenmuseum Pilsen

gut zu wissen: meine Tipps für einen Ausflug nach Pilsen

  • Anreise: es ist keine Vignette nötig, wenn man von Budweis aus anreist (da zwar eine Europastraße, aber keine Autobahn benutzt wird)
  • nettes Service: in der Tourismusinfo im Rathaus liegt eine Broschüre über „freundliche WCs“ auf – also Lokale in die man „gehen“ darf
  • wo parken in Pilsen: am Besten rund um den Hauptplatz; div. Zonen sowie Parkhäuser hier