In den Norden Schwedens mit der INLANDSBANAN: 750 Kilometer Natur pur

Lappland – wo Schweden am Schönsten ist: eine traumhafte Zugfahrt mit der Inlandsbanan ins Land der Rentiere über dem Polarkreis


Ich habe den Interrail-Trip mit meiner Tochter auch für einen Trip in den hohen Norden genutzt. Schöner als mit der Inlandsbanan in Schweden geht das gar nicht – eine wunderbare Erfahrung!

Wir durften einen traumhaften Tag erleben: vorbei an Birkenwäldern, Seen und Mooren bis über den Polarkreis nach Lappland. Da, wo die Nächte kurz sind, statt Menschen Rentiere leben – und die stinkenden alten Ami-Schlitten ihren Lebensabend verbringen dürfen.

Ausgeflogen mit der Inlandsbanan nach Schweden: die Stops in Richtung Lappland

Was ist die Inlandsbanan?

Der Ruckelzug, der für Touristen nur zur Sommersaison belebt wird, schlägt sich von Östersund auf 746 Kilometern eine Schneise bis in den hohen Norden nach Gällivare. Über dreizehn Stunden Naturerlebnis pur!

Inlandsbanan Schweden

Eigentlich ist die Strecke sogar länger: Wer den „Limes norrlandicus“, die Grenze zwischen Mitteleuropa und der Subarktis, überschreiten möchte, fährt ab Kristinehamn am Vänernsee. Von Värmland bis nach Lappland – oder von Laub- über Nadelwald bis in die moorreichen Regionen im Norden – legt man dabei 1.300 Kilometer zurück.

Inlandsbanan Strecke

die Strecke und Stationen der Inlandsbanan in Schweden

Die Route lehnt sich an die E45 an: den „Europaväg“, der sich genauso wie die Inlandsbahn eine Schneise durch die zahllosen Birkenwälder schlägt. In Anlehnung zur Bahn wird gern auch vom „Inlandsvägen“ (oder im hohen Norden auch von der „Via Lappia“) gesprochen.

Inlandsbanan Schweden Straße

Bis auf die größeren fixen Stops sind die Stationen Bedarfshalte für Wanderer – oder Elche, die kurz mal auf den Schienen Rast machen. Zu jeder Station erfährt man Geschichtliches vom Zugbegleiter, der neben seiner Funktion als Reiseleiter auch für das „Catering“ (kleine Snacks & Kaffee) zuständig ist.

Inlandsbanan Schweden Stationen

eine echte Museumsbahn?

Ja und nein. Einerseits ist sie nur 10 Wochen im Sommer und mit Sonderzügen im Winter unterwegs. Allerdings nur für Touristen. Denn die Inlandsbanan wird in Schweden nach wie vor das ganze Jahr über für den Frachtverkehr genutzt: Holz und Torf aus dem Norden wollen in den Süden gebracht werden – und in der „Mitte“ Schwedens gibt es sonst keine Alternative. Man glaubt es kaum: Heute stellt die Inlandsbanan 10% des schwedischen Zugnetzes!

Baubeginn war bereits 1873. 1937 wurde das letzte Stück zwischen Arvidsjaur und Jokkmokk fertiggestellt. In Östersund war es 1907 soweit, wie man schön am vom Königshaus unterzeichneten Jubiläumsschild ablesen kann.

Östersund Bahnhof

wie es sich mit der Inlandsbanan reist

Sehr entschleunigt – bei durchschnittlich 50km/h. Genau richtig, um die Landschaft genießen zu können. Auch gerne aus dem Führerstand, wohin ich mich während der Fahrt mehrmals gesetzt habe. Ein Tag im Zug – so könnte es öfter gehen.

Zugreise Schweden Norden

Interrail mit Kind

Wir haben die Inlandsbanan in Schweden während unseres Interrail-Trips benutzt. Unsere Route durch Nordeuropa zum Nachlesen, hier meine Tipps für Interrail mit Kindern.

An welchen Stationen wir vorbeigekommen sind.

1. Östersund – wo Nessies Schwester zu Hause ist

In der Hauptstadt von Jämtland geht unsere Reise los. Klassischer geht’s fast nicht: Die Stadt liegt – natürlich – an einem der 100.000 schwedischen Seen (in diesem Fall dem Storsjön) und ist Sitz des nationalen Biathlonzentrum Schwedens. Åre, das uns Österreichern als Austragungsort von Ski-Weltcuprennen natürlich ein Begriff ist, liegt nicht weit von hier.

Östersund leistet sich im Storsjön ein eigenes Seeungeheuer mit dem „ungeheuerlichen“ Namen Storsjöodjuret, das sogar 1986 als „gefährdete Art“ unter Naturschutz gestellt wurde. Leider wurde dies 2005 wieder aufgehoben – ein Grund warum wir es nicht entdeckt haben?

Unser Aufenthalt ist nur ein kurzer Übernachtungs-Stop: wir sind am Vorabend von Kopenhagen über Stockholm angereist (siehe unser Interrail Route durch Nordeuropa). Gerne hätten wir uns sonst das Freilichtmuseum Jamtli angesehen – ein kleines Stück Schweden im Kleinformat (wie man es von Skansen in Stockholm kennt).

Östersund Bahnhof

2. wo Lappland beginnt

Der erste Blick aus dem Fenster der Inlandsbanan um sieben Uhr morgens: diese Landschaft wird uns nun für die nächsten 13 Stunden begleiten.

Inlandsbanan Strecke

Zweieinhalb Stunden später ein kurzer Stop in Hoting. Noch sind wir in Jämtland – bzw. historisch gesehen im Angermanland.


Doch nur ein paar Minuten später reiten wir in Västerbottens län ein. Wir sind in in Lappland angekommen! Das Schild von „Lappland Camping“ in Dorotea verrät es.

  • mit dem Zug durch Schweden
  • mit dem Zug durch Schweden
  • mit dem Zug durch Lappland

3. Rentier und Fisk in Vilhelmina Norra

In Vilhelmina Norra dann der erste längere Stop. Das Mittagessen ruft. Wir haben 50 Minuten Zeit für den Essens-Stop im „Bergmans Fisk & Restaurang“. Dort können wir auch Rentier und Fisch kaufen. Leider bleibt uns keine Zeit für den hübschen Ort samt Heimatmuseum, samischer Galerie und Krämerladen.

  • Stop Vilhelmina Norra
  • Bergmans Fisk & Restaurang Inlandsbanan Stop
  • Bergmans Fisk & Restaurang Inlandsbanan Stop
  • Stop Vilhelmina Norra

Weiter gehts: Ein Blick durch Fenster und Führerstand zeigt: Die Landschaft ändert sich nicht wirklich.

4. Gegenverkehr in Sorsele

Die „Schneise“ in den Norden führt meist nur auf einem „Gleise“. Was macht ein Gegenzug? Er begegnet uns in Sorsele. 20 Minuten bleiben uns hier auch für die Besichtigung des Inlandsbananmuseet, das die Baugeschichte der Strecke dokumentiert.

  • Inlandsbanan Sorsele
  • Inlandsbananmuseet
  • Sorsele
  • Sosele

Und wieder: die Schneise auf einem Gleise….

Inlandsbanan Strecke

5. im schwedischen Norden angekommen: Arvidsjaur

In Slagnas sind wir in Norrbottens län angekommen – der nördlichsten Provinz Schwedens. Zwar steht hier noch kein Ami-Schlitten, sondern „nur“ ein VW-Käfer. Aber auch passt gut in die Szenerie.

Stop Slagnas

Dafür ist es kurz danach in Arvidsjaur soweit. 1.000 Kilometer entfernt von Stockholm sehen wir den ersten alten Schlitten samt schwedischem Trucker. Stilgerecht platziert neben der örtlichen Tourismusinfo.

Inlandsbanan Arvidsjaur

Wir dürfen auch hier wieder aussteigen. Für die Samen-Kirchensiedlung „Lappstaden“ – Holzhäuser aus dem 17. Jahrhundert – ist die Pause leider zu kurz.

Inlandsbanan Arvidsjaur

Kurz danach ein kleines Highlight: über die kombinierte Zug/Straßenbrücke geht’s über den Pite Älv – im Schneckentempo.

Pite Älv Brücke Schweden

6. am Nordpolarkreis und im Samenland

Nächster Stop der Inlandsbanan: Der Geografiska Polcirkeln kurz vor Jokkmokk!

Eigentlich bewegt er sich ja (angeblich jährlich um 14,5 Meter in Richtung Norden). Wir vertrauen aber den Schildern – und schließlich werden wir ja sowieso in Kürze drüberfahren.

  • Nordpolarkreis Schweden Inlandsanan
  • Nordpolarkreis Schweden Inlandsanan
  • Nordpolarkreis Schweden Inlandsanan
  • Nordpolarkreis Schweden Inlandsanan

In die Hauptstadt der Samen mit dem klingenden Namen Jokkmokk sollte man zum Wintermarkt im Februar kommen – dem alljährlichen Zusammentreffen der Samen inkl. Rentierrennen. In Jokkmokk befindet sich auch die einzige samische Bildungsinstitution sowie ein Samen-Museum.

Jokkmokk Bahnhof

7. Rentierburger in Europas größter Wildnis: Vaikijaur

Von den Samen zu den Rentieren – ob real oder in einen Burger verpackt: In Vaikijaur ist Abendessens-Stop im Restaurang Fjällglimten, draußen spaziert eines der anmutigen Tiere fototauglich vor der Inlandsbanan herum.

Rentier Lappland

Vaikijaur ist Einstieg zum Laponia UNESCO Weltnaturerbe. Bis zur norwegischen Grenze zieht sich Europas größte unbeeinflusste Wildnis, in der – als nur einem von vier europäischen Welterbegebieten – indigene Völker leben. In diesem Fall die Samen.

Vaikijaur Stop

Etwa 80.000 Samen soll es noch geben im Norden von Schweden, Norwegen, Finnland und Russland, davon etwa 3.000-4.000 Rentierzüchter. Bemerkenswert: die Samen sprechen neun verschiedene Sprachen und leisten sich sogar acht Jahreszeiten (von der Rentierhaltung abhängig).

8. Mitternachtssonne in Gällivare

Nach 746 Kilometern durch die schwedische Wildnis und einer Fahrzeit von über 13 Stunden kommen wir in Gällivare an.

Die Gemeinde, die mit ihren 17.000 Einwohnern halb so groß wie ganz Belgien ist, ist Verkehrsknotenpunkt im hohen Norden: Nicht nur die Inlandsbanan und der „Inlandsvägen“, also die Europastraße 45, enden hier. Auch die Erzbahn von Luleå am bottnischen Meerbusen ins norwegische Narvik kreuzt den Ort – genauso wie die jährlichen Rentierwanderungen.

Mit dem Abbau von Eisenerz in der Grube von Malmberget – dem zweitgrößten Erzbergwerk Schwedens nach Kiruna – kam auch die Eisenbahn. Nämlich schon Ende des 19. Jahrhunderts – das Bahnhofsgebäude stammt aus 1894.

Gällivare Bahnhof

Heute kann man sowohl in Kiruna als auch in Malmberget verfolgen, wie eine Stadt umzieht, die durch Bergschäden im Boden versinkt.

Wir verbringen einen Tag am Campingplatz mit Strandcafé und Blick auf den Dundret. Vom Hausberg Gällivares kann man nicht nur die Minen Malmberget und Aitik sehen. Sondern angeblich auch auf ein Elftel Schwedens – und das aus nur 823 Metern Höhe!

  • Interrail mit Kind Übernachtung
  • Gällivare Campingplatz
  • Gällivare Strandcafé
  • Gällivare Campingplatz
  • Gällivare Campingplatz
  • Gällivare Campingplatz

Und genau auf solche „Stinker“ haben wir gewartet…

Gällivare

Mitternachtssonne: so gut wie

Die „echte“ Mitternachtssonne haben wir zwar verpasst, aber dennoch bleibt es fast durchgehend hell. Minigolf spätabends ist daher kein Problem. Die Verkehrszeichen für Snowmobile und Skifahrer beachten wir übrigens auch spätabends brav 😉

  • Mitternachtssonne Gällivare
  • Gällivare
  • Gällivare

Die durchgängige Mitternachtssonne kann man in Gällivare übrigens von Anfang Juni bis Anfang Juli, im etwas nördlicher gelegenen Kiruna sogar von Ende Mai bis Mitte Juli erleben.


Unser Aufenthalt ist leider zu kurz. Was wir das nächste Mal in Gällivare machen werden:

  • das kleine Museum im alten Schulhaus besuchen: die Geschichte des Erzabbau und der Samen, aber auch ein Moskitomuseum
  • eine Mitternachtssonnentour auf den Dundret machen: die Tourismusinfo organisiert Transfers
  • eine Bergwerksführung zum Erzbergwerk von Malmberget oder zur Kupfermine Aitik; Infos ebenso bei der Tourismusinfo (es wird auch eine Führung zum Thema „eine Stadt übersiedelt“ angeboten)
  • nach Kiruna fahren: das man wohl eher aus den Medien kennt; nicht weil es die nördlichste Stadt Schwedens ist, sondern weil hier gleich 17.000 Einwohner umziehen müssen; auch das dortige Erzbergwerk Kirunavaara kann besucht werden
  • ein Stück am Kungsleden – Schwedens längstem Wanderweg – gehen: Buslinie 93 bis Vakkotavare
  • von Dezember bis April kann auch im legendären Icehotel in Jukkasjärvi bei Kiruna übernachtet werden (oder in der dortigen Eiskirche geheiratet werden)

gut zu wissen: meine Tipps für die Reise mit der Inlandsbahn in Schweden

  • wann fahren
    Die schwedische Inlandsbanan ist für Touristen nur im Sommer zwischen Mitte Juni und Mitte/Ende August unterwegs. Im Winter fahren im nördlichen Teil Sonderzüge, im südlichen Teil ein „Schneezug“ (zwischen Mora und Östersund, Dezember bis April). Fahrpläne hier.
  • Tickets und Reservierungen
    Die Inlandsbanan kann wie folgt benutzt werden:
    Einzelfahrten: die Fahrt von Östersund nach Gällivare kommt z.B. auf SEK 1.378
    mit der Inlandsbanan Card: im Sommer zwei Wochen auf der Strecke von Mora bis Gällivare gültig; SEK 2.195, 2 Kinder bis 15 Jahre fahren kostenlos
    Inlandsbanan Tickets für Interrailer: es ist kein Aufschlag nötig, Platzreservierung reicht
    Reservierungen kosten SEK 50 pro Person/Fahrt
    Mehr Infos zu Tickets und Rabatten. Bis dato waren auch Busverbindungen im Preis inkludiert.
  • Verpflegung unterwegs
    Unser Mittag- und Abendessen haben wir im Zug aus der Menükarte vorbestellt. Snacks, Kaffee und Tee sowie Getränke gibt’s beim Zugbegleiter.
    Hinweis: das „Restaurang Fjällglimte“ dürfte mittlerweile geschlossen sein – der Abendessen Stop findet daher nicht mehr in Vaikijaur statt.
  • Anreise & Rückreise zur Inlandsbanan in Schweden
    Von Stockholm sind wir rund sechs Stunden angereist. Von Göteborg kann der Nachtzug über Stockholm genommen werden.
    Natürlich kommt man auch nach Kristinehamn oder Mora per Zug von Stockholm oder Göteborg.
    Von Gällivare zurück geht’s mit dem Nachtbus nach Stockholm. Sollte am geplanten Abreisetag kein Nachtzug unterwegs sein (was uns passiert ist), reist man ein Stück mit dem Bus. Fahrpläne hier bzw. hier.
  • Anschlussverbindungen
    Mit der Erzbahn kommt man entweder nach Luleå und danach weiter nach Finnland. Oder über Kiruna in Richtung Norwegen (Narvik). Die Inlandsbanan kann man auch mit Hurtigruten verbinden: entlang der Lofoten geht’s bis nach Trondheim.