USEDOM im Winter: Ankommen … durchatmen und einfach einmal abschalten

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Von Strandspaziergängen und Seebrücken, Windmühlen und Wasserschlössern: meine Tipps für die Sehenswürdigkeiten Usedoms im Winter. (Werbung)


Ein bisschen Winter-Wellness ist angesagt? Dann bitte schön an die Ostsee fahren! Gerade im Winter zeigt sich Usedom von einer besonders reizvollen Seite: Wenn die See rauer wird, die Luft klarer ist und die Tage ruhiger werden, kehrt auf der Insel eine wohltuende Gelassenheit ein. In den kalten Monaten November, Dezember und Januar teilt man sich Usedom zudem mit deutlich weniger Menschen als im Sommer.

Mein Besuch auf der Insel Usedom fand im Januar statt und zeigte sich als Winterzauber vom Feinsten. Auch wenn in der kalten Jahreszeit keiner der rund 7.000 Strandkörbe zu sehen ist, kommt der Genuss nicht zu kurz. Dick eingepackt, lassen sich lange Strandspaziergänge genießen – und das ist längst nicht alles, denn auf der Insel gibt es auch im Winter mehr als genug zu entdecken.

Ausgeflogen nach Usedom: was man – nicht nur im Winter – auf der Ostseeinsel tun kann
1. Lange Strandspaziergänge unternehmen: und spektakuläre Sonnenaufgänge erleben
2. Die Kaiserbäder auf Usedom erkunden: und dabei von Seebrücke zu Seebrücke flanieren
3. Die Köstlichkeiten der Insel genießen: Süßes und Deftiges – und natürlich auch Fisch
4. Die Villenarchitektur auf Usedom bestaunen: auf einem Stationen-Spaziergang durch die Kaiserbäder
5. In einem durch bis nach Polen spazieren: und Zeugnisse der deutschen Geschichte in Swinemünde finden
6. Den Schiffen beim Ein- und Auslaufen zusehen: oder selbst eine Schifffahrt unternehmen
7. Die Natur im Hinterland erleben: beim Wandern oder Radfahren auf Usedom
8. Sich auf die Spuren des „Inselmalers“ begeben: und dabei viele schöne Plätze entdecken
9. Die stillen Orte Usedoms aufspüren: bei einer Insel-Safari durchs Achterland
10. Die Ruhe im Küstenwald genießen: oder direkt durch das Blätterdach wandeln
11. Zeitgeschichte in Peenemünde erleben: und das nicht nur bei Regenwetter
12. Zu guter Letzt: Wellnessen mit den Schätzen, die die Insel selbst zu bieten hat

Meine Tipps für Usedom: Anreise mit der Bahn, wo übernachten auf Usedom

Wo Usedom liegt – und was an der Ostseeinsel so besonders ist

Usedom ist eine ziemlich ungewöhnliche Insel. Von den insgesamt 445 Quadratkilometern der zweitgrößten Insel Deutschlands befindet sich ein Teil im Nachbarland Polen. Schon allein das macht sie besonders.

Die Insel wird von zwei Gewässern begrenzt: auf der einen Seite die Ostsee, auf der anderen das Stettiner Haff, in das die drei Mündungsarme der Oder fließen. Von dieser Lage leitet sich auch die slawische Bezeichnung für „Mündung“ ab – „Uznam“, bis heute der polnische Name Usedoms.

Heringsdorf Sehenswürdigkeiten

Mit bis zu 70 Meter breiten Stränden ist Usedom im Sommer ein echtes Eldorado, und mit mehr als 2.000 Sonnenstunden pro Jahr gilt die Insel als einer der sonnigsten Orte Deutschlands. Platz für Sonnenanbeter ist übrigens genug, zieht sich doch ein durchgehender, rund 42 Kilometer langer Sandstrand die ganze Ostseeküste entlang.

Doch nicht nur im Sommer, auch im Winter kommt man auf Usedom auf seine Kosten. Besonders schön lässt sich das auf der längsten Strandpromenade Europas erleben: Ganze zwölf Kilometer führen über die Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck bis ins polnische Swinemünde.

Dabei darf man sich entscheiden, ob man lieber am Strand flaniert und sich dabei von Seebrücke zu Seebrücke bewegt (drei der fünf Seebäder Usedoms liegen auf dieser Strecke), oder ob man lieber die Bäderarchitektur auf der Promenade genießt. Denn auch dafür ist Usedom bekannt.

Abseits davon lässt sich die Insel ebenso gut erkunden. Rund 400 Kilometer Wanderwege durchziehen Usedom, und selbst beim Radeln hat man die Auswahl aus 200 Kilometern Strecke. Ideal, um die stilleren Ecken der Insel zu entdecken. Fast die gesamte Insel ist Naturpark und Lebensraum für mehr als 280 Vogelarten.

Usedom im Winter Erfahrungen

Genug Platz also für zahlreiche Unternehmungen – und das längst nicht nur im Sommer. Mein Aufenthalt auf Usedom im Winter war eine ganz besondere Erfahrung. Warum?


Warum Usedom im Winter einen besonderen Reiz ausübt

  • Im Winter liegt über Usedom eine besondere Ruhe. Die Strände wirken beinahe menschenleer, vor allem an Tagen, an denen das Wetter rauer ist. Weite, Wind und Meer gehören dann fast ganz allein jenen, die bewusst in der Nebensaison auf die Insel kommen.
  • Die Natur lässt sich in dieser Zeit viel intensiver erleben. Dick eingepackt trotzt man Wind und Kälte, geht lange Wege am Strand oder durchs Hinterland und kann dabei wunderbar abschalten.
  • Dazu kommt die ganz eigene Winteratmosphäre der Insel. Schnee und Eis überziehen den Strand, im Hinterland gefriert das Achterwasser, und in geschützten Buchten balancieren Menschen vorsichtig über das Eis. Szenen, die man auf Usedom nicht alle Tage erlebt.
  • Usedom im Winter Erfahrungen
  • Usedom im Winter Erfahrungen
  • Usedom im Winter Erfahrungen
  • Usedom im Winter Erfahrungen
  • Usedom im Winter Erfahrungen
  • Usedom im Winter Erfahrungen
  • Einige besonders Mutige lassen sich sogar beim Eisbaden beobachten – wodurch die Sehnsucht gleich größer wird, sich danach selbst drinnen aufzuwärmen oder bei einer Wellnessbehandlung zu entspannen.
  • Und nicht zuletzt spricht auch ein ganz praktischer Vorteil für einen Besuch im Winter: In der Nebensaison locken viele Hotels mit attraktiven Angeboten, und zwar deutlich günstiger als in der sommerlichen Hauptsaison.
Usedom schöne Orte in der Natur

Welche Sehenswürdigkeiten Usedom zu bieten hat, wo sich die kleinen, feinen Orte der Insel verstecken und welche Geheimtipps es darüber hinaus zu entdecken gibt – all das habe ich im folgenden Erfahrungsbericht zu Usedom zusammengefasst.

Was kann man also tun auf Usedom – im Winter, aber nicht nur dann?

1. Lange Strandspaziergänge unternehmen: und spektakuläre Sonnenaufgänge erleben

Klar: Kaum auf Usedom angekommen, führt der erste Weg durch einen der schmalen Durchschlüpfe in den Dünen direkt hinunter an den Strand. Im Sommer wie im Winter ist dieser natürlich die große „Sehenswürdigkeit“ Usedoms.

Usedom im Winter Strandspaziergang

Gerade im Winter werden dabei endlos lange Spaziergänge möglich. Die breiten Sandstrände sind nicht von tausenden Strandkörben verstellt, sondern gehören dann ganz den Winterwanderern, die dick eingemummt zwischen den Seebrücken flanieren.

Sehenswürdigkeiten Usedom im Winter

Dazu kommt eine ordentliche Portion frische Luft – nicht nur durch den eisigen Wind, sondern auch durch das besondere Reizklima Usedoms, das Herz und Kreislauf anregt, die Haut belebt und die Atemwege freimacht.

Wird der Spülsaum dann noch von Schnee bedeckt, entsteht etwas ganz Besonderes: eine zusätzliche, fast magische Stimmung zur „üblichen“ Strandkulisse aus kreischenden Möwen, rauschender Brandung und dem Knirschen der Muscheln unter den Füßen.

Wer nach Stürmen unterwegs ist, hat zudem die Chance, das „Meeresgold“ der Ostsee zu entdecken – hellgelben oder braunen Bernstein.

Usedom im Winter Strandspaziergang

Und wer früh morgens vor Tagesanbruch am Strand steht, erlebt oft unglaublich faszinierende Sonnenaufgänge.

Usedom Küstenlinie 42 Kilometer

Übrigens beschränken sich die schönen Strände nicht nur auf die Kaiserbäder Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin. Die Küstenlinie zieht sich über ganze 42 Kilometer.

Usedom Steilküste Bansin

Gleich im Anschluss an Bansin beginnt ein Stück Steilküste, an dem sich die Kräfte der Natur noch immer eindrucksvoll beobachten lassen: Wo die Erosion voranschreitet, zieht sich die Küste langsam zurück.

Mehr zur Steilküste – und auch dazu, an welchen Orten im Hinterland sich Spannendes über die geologische Geschichte der Insel erfahren lässt – gibt es unter Punkt 7 und 9.

2. Die Kaiserbäder auf Usedom erkunden: und dabei von Seebrücke zu Seebrücke flanieren

Die Sonnenaufgänge auf Usedom habe ich bereits oben erwähnt – und das aus gutem Grund. Warum sie hier so grandios sind? Weil die Motive, die ohnehin schon beeindruckend sind, noch einmal dadurch gewinnen, wenn sich im Vordergrund lange Bunen-Reihen und im Hintergrund eine der Seebrücken ins Bild schiebt. Und davon gibt es auf Usedom gleich mehrere.

Drei davon finden sich in den Kaiserbädern auf Usedom. Die Kaiserbäder sind die touristischen Hotspots der Insel – dort, wo sich ein Wellnesshotel an das nächste reiht und die Strandpromenade besonders elegant wirkt. Sie ist übrigens die längste Europas: Ganze zwölf Kilometer führen von Bansin über Heringsdorf und Ahlbeck bis ins polnische Swinemünde (womit die drei Kaiserbäder auch gleich aufgezählt wären).

Den (historischen) Anfang machen Ahlbeck und Heringsdorf, einst kleine Fischerdörfer, die sich nach und nach zu Seebädern entwickelten. Bansin hingegen wurde von Beginn zu diesem Zweck geplant und gegründet. Ob nun Ahlbeck oder Heringsdorf schöner ist oder doch vom jüngeren Bansin übertroffen wird, lässt sich schwer entscheiden – am besten macht man sich bei einem Spaziergang durch die Kaiserbäder selbst ein Bild.

Villenspaziergang Bansin Seepromenade

Und zu sehen gibt es einiges: Grandiose Hotelfassaden wechseln sich mit „kleineren“ Villen ab, auf deren Spuren man sich mit Hilfe einer App begeben kann (siehe Punkt 4).

Auch die bereits erwähnten Seebrücken sind wahre Hingucker. Diese typischen Sehenswürdigkeiten der Ostsee finden sich auf Usedom in den drei Kaiserbädern Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin sowie etwas nördlicher auch in Koserow und Zinnowitz.

Besonders sehenswert ist die Seebrücke in Ahlbeck, die als „alte Dame“ gilt und bereits im Jahr 1898 erbaut wurde.

Seebrücke Ahlbeck Sehenswürdigkeit Nr. 1

Ebenfalls beeindruckend ist die längste Seebrücke Deutschlands in Heringsdorf, deren Steg ganze 508 Meter weit ins Meer hinausragt.

Eine Sehenswürdigkeit für sich ist zudem die Seebrücke in Zinnowitz, an deren Ende sich eine Tauchgondel befindet (und die damit unweigerlich an die Seebrücke in Sellin auf Rügen erinnert).

Seebrücke Zinnowitz

Wer damit auf Tauchstation geht, kann die Tier- und Pflanzenwelt der Ostsee aus einer ganz besonderen Perspektive erkunden.

Die Seebrücken der Kaiserbäder habe ich in meinen Artikeln zu Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin genauer beschrieben. Mehr Infos zur Seebrücke in Zinnowitz gibt es in meiner Übersicht zu den Seebrücken an der Ostsee. 

3. Die Köstlichkeiten der Insel genießen: Süßes und Deftiges – und natürlich auch Fisch

Wind und Wetter – gerade im Winter, das zeigt die Erfahrung – machen hungrig. Kein Strandspaziergang kommt daher ohne eine kurze Pause aus, um Kraft zu tanken. Und dafür gibt es auf Usedom einige bewährte kulinarische Klassiker.

In den Kaiserbädern sitzt man selbst im Winter im Strandkorb und genießt ein Fischbrötchen vor Uwe´s Fischerhütte in Ahlbeck. Wer der Kälte lieber ganz entgehen möchte, kann sich auch in den beheizten Innenraum zurückziehen.

  • Uwe´s Fischerhütte Ahlbeck
  • Alte Fischhalle
  • Alte Fischhalle
  • Alte Fischhalle

Gleich daneben befindet sich die Alte Fischhalle. Besonders schön ist es, auf der Veranda Platz zu nehmen und den Blick über Dünen und Strand schweifen zu lassen – mit einem Bier in der Hand schmeckt es hier gleich doppelt so gut.

Wer ein warmes Plätzchen sucht und statt Fisch lieber die süßen Seiten des Lebens genießt, sollte der Konditorei Röntgen in Ahlbeck einen Besuch abstatten. Eine Sanddorntorte gehört hier fast schon zum Pflichtprogramm.

Aber auch für Feinschmecker hat Usedom einiges zu bieten, etwa das Restaurant O’NE im Marc O’Polo Strandcasino, das an jener Stelle steht, an der einst das hölzerne Strandcasino von Heringsdorf zu finden war. In stilvoller Atmosphäre kommen hier u.a. frische Fischgerichte auf den Teller.

Etwas weniger fein, dafür umso herzhafter, holt man sich eine Schlackwurst am Stand direkt beim Strandübergang zwischen Heringsdorf und Ahlbeck – unkompliziert, deftig und genau das Richtige nach einem Spaziergang am Meer.

Und auch im Inselinneren lohnt ein Stopp, etwa in der Inselmühle in Usedom Stadt, wo aus dem, was die Natur zu bieten hat, köstliche Spezialitäten entstehen.

4. Die Villenarchitektur auf Usedom bestaunen: auf einem Stationen-Spaziergang durch die Kaiserbäder

Keiner kann beim Strandspaziergang oder Promenadenbummel hier vorbeilaufen, ohne einen bewundernden Blick auf die pompösen Fassaden in den Kaiserbädern geworfen zu haben.

Villenspaziergang Kaiserbäder Usedom

Da sind zum einen die prächtigen Grandhotels wie das „Ahlbeck“, das nicht nur tagsüber glänzt, sondern besonders nachts – im wahrsten Sinne des Wortes.

Ahlbecker Hof Grand Hotel Usedom

Oder die vielen historischen Villen, die, oft reich verziert, ganz viel Geschichte zu erzählen haben: aus den Gründerjahren, von ihren prominenten Besuchern und davon, was nach dem Zweiten Weltkrieg oder der Wende mit ihnen geschah, als viele Häuser lange vernachlässigt wurden.

Typisch für die berühmte Bäderarchitektur sind die weißen Villen mit reich verziertem Stuck, Giebeln, Türmchen, Veranden und Balkonen, häufig ergänzt durch dekorative Holzelemente. Stilistisch handelt es sich um eine Mischung aus italienischer Renaissance, Klassizismus, Jugendstil sowie traditioneller Holzarchitektur. Entstanden ist dieser Baustil vor allem im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, während die Entwicklung der Kaiserbäder bereits in den 1820er-Jahren begann.

  • Heringsdorf Villenspaziergang Villa Oppenheim
  • Heringsdorf Villenspaziergang Residenz Bleichröder
  • Ahlbeck Villenspaziergang
  • Ahlbeck Villenspaziergang

Die Kaiserbäder zogen Adel, reiche Bürger und prominente Gäste an. In der Badewanne der Berliner Villa Staudt trank einst Kaiser Wilhelm II. Tee, Maxim Gorki erholte sich hier, und Thomas Mann vollendete Teile seines „Zauberbergs“. Wer heute durch die Straßen der Kaiserbäder schlendert, spürt noch immer den Glanz dieser Zeit.

Mehr zur Geschichte einiger Villen in den Kaiserbädern gibt es in meinen Artikeln zu Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin. Die Kaiserbäder Erlebnispfad-App kann man hier downloaden.


Zinnowitz: auch im „vierten“ Kaiserbad gibt es Bäderarchitektur auf Usedom zu sehen

Stattliche Villen findet man nicht nur in den Kaiserbädern Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin – auch im Ostseebad Zinnowitz flaniert man gerne durch die Straßen. Das größte Seebad im Norden der Insel hat ebenfalls einige historische Villen zu bieten.

Vom Ende der Seebrücke aus bietet sich ein herrlicher Blick aufs Meer: Links reihen sich die Kurverwaltung und die kleine Strandburg auf, rechts erhebt sich der Preußenhof, dahinter das Palace Hotel.

  • Ostseebad Zinnowitz Sehenswürdigkeiten
  • Seebrücke Zinnowitz
  • Ostseebad Zinnowitz Sehenswürdigkeiten
  • Heimatmuseum Zinnowitz
  • Heimatmuseum Zinnowitz

Tipp: Im kleinen Museum im Bahnhofsgebäude, das liebevoll von einem Verein betreut wird, kann man in die Geschichte des Seebads eintauchen, das sich wie viele andere Orte der Insel aus einem kleinen Fischerort entwickelt hat. Gleich daneben liegt das Eisenbahnmuseum Zinnowitz.

Weitere Informationen bieten die Webseiten des Heimatmuseums und des Eisenbahnmuseums. Im Norden der Insel liegen weitere Ostseebäder wie Karlshagen und Trassenheide. In der Mitte der Insel findet man die sogenannten Bernsteinbäder: Koserow, Loddin, Ückeritz und Zempin.

5. In einem durch bis nach Polen spazieren: und Zeugnisse der deutschen Geschichte in Swinemünde finden

Bewegen wir uns vom Norden Usedoms nun in den Süden – entlang der bereits erwähnten zwölf Kilometer langen Strandpromenade bis nach Swinemünde im Südosten der Insel. Man flaniert hier ohne Grenzkontrolle in einem durch, weshalb die Promenade auch gern „Europapromenade“ genannt wird. Natürlich bleibt hier jeder stehen, um ein Erinnerungsfoto zu schießen – und staunt, wie sich die Natur die „grüne Grenze“ zurückerobert hat.

Ziel der Promenade ist die größte Stadt Usedoms: Swinemünde, heute Świnoujście, in der rund 45.000 der insgesamt über 76.000 Einwohner Usedoms leben. Die Stadt erstreckt sich genau genommen über zwei Inseln, Usedom und Wollin, die beide einst zu Preußen gehörten. Schon im Jahr 1820 kamen die ersten Badegäste in die Stadt. Die weitere Geschichte ist bekannt, seit der Grenzziehung nach dem Zweiten Weltkrieg gehört sie heute zu Polen.

Die preußische Vergangenheit ist in Swinemünde noch überall spürbar. Aus dem 19. Jahrhundert stammen mehrere Festungsanlagen, die heute als Museen besucht werden können. Dazu gehört die Engelsburg (Fort Anioła), einst Artillerieposten der Festung Swinemünde, heute ein Museum für Militärarchitektur. Ebenfalls sehenswert ist die Westbatterie Fort Zachodni, die die Geschichte der Festung von Preußen über die Weltkriege bis zum Kalten Krieg erzählt. Am besten erhalten präsentiert sich Fort Gerhard, ebenfalls als Museum zugänglich.

  • Swinemünde Usedom Sehenswürdigkeit
  • Swinemünde Usedom Sehenswürdigkeit
  • Swinemünde Usedom Sehenswürdigkeit
  • Swinemünde Usedom Sehenswürdigkeit

Was Strandspaziergänger allerdings als erstes wahrnehmen, ist der höchste Leuchtturm an der Ostsee – zugleich der höchste in ganz Polen. Besonders eindrucksvoll wirkt er, wenn die Lichter angehen.

Mühlenbake Swinemünde

Zusammen mit dem Wahrzeichen Swinemündes, der Mühlenbake, bildet er ein weiteres Highlight und eine unverwechselbare Sehenswürdigkeit auf Usedom.

Aber nicht nur die jüngere Militärgeschichte prägt den Ort. Auf der Insel Wollin befindet sich die sogenannte „unterirdische Stadt“, ein Bunkersystem aus der Zeit des Kalten Krieges, das für den Schutz vor nuklearen Angriffen konzipiert wurde. Das Tunnelsystem kann besichtigt werden. Ansonsten gilt in Swinemünde: durch den Kurpark flanieren und den Turm der alten Martin-Luther-Kirche besteigen.

6. Den Schiffen beim Ein- und Auslaufen zusehen: oder selbst eine Schifffahrt unternehmen

Es gehört einfach dazu, wenn man am Meer ist – selbst bei einem Winterurlaub auf Usedom. Die ganz besondere Atmosphäre hat natürlich wenig mit Wellness oder Entspannung zu tun. Ich bin dennoch immer wieder von Neuem verzaubert, wenn ich an einem Hafen den Schiffen zusehen darf, wie sie ihren Liegeplatz anlaufen.

In Swinemünde ergibt sich ein besonders eindrucksvolles Szenario, wenn man sich der Einfahrtrinne nähert: Frachter und Schlepper wirken hier, als würden sie auf dem Strand selbst dahingleiten.

Schiffe Hafen Swinemünde Sehenswürdigkeit Usedom

Auf dem westlichen Wellenbrecher der Fahrrinne, der bereits unter den Preußen erbaut wurde, kann man sogar bis zur Mühlenbake, dem Wahrzeichen Swinemündes, hinausspazieren (siehe Foto oben).

Nähert man sich der Stadt, kündigt das schwere Donnern der Schiffe die Nähe von Hafen und Werft an. Von Swinemünde aus legen nicht nur die Fähren nach Trelleborg in Schweden ab, sondern auch zahlreiche Ausflugstouren rund um Usedom.

Schiffsfahrten sind ebenso bequem von den Seebrücken in Heringsdorf, Ahlbeck oder Bansin aus möglich und werden unter anderem von Adler-Schiffe oder der Reederei Apollo angeboten. Sie führen nicht nur nach Swinemünde oder Stettin, sondern auch zu besonderen Zielen wie der 400 Jahre alten Lotseninsel Ruden mit ihrer Kegelrobben-Kolonie oder der Greifswalder Oie.

7. Die Natur im Hinterland erleben: beim Wandern oder Radfahren auf Usedom

Ein Ausflug in die Natur gehört auf Usedom einfach dazu – und dazu zählen nicht nur Unternehmungen auf dem Wasser, sondern auch auf der Insel selbst. Denn bei aller Glanz und Pracht der Kaiserbäder ist kein Urlaub auf Usedom vollständig, ohne abseits der Strandpromenaden im Hinterland auf Entdeckertour zu gehen.

Fast die gesamte Insel gehört zum Naturpark Insel Usedom, der sich über rund 59.000 Hektar erstreckt und 14 ausgewiesene Naturschutzgebiete umfasst, darunter den Gothensee und das Thurbruch (siehe übernächster Tipp).

Usedom ist Heimat von über 280 Vogelarten und deutschlandweit führend in der Seeadlerpopulation: 27 Brutpaare haben hier ihr Revier, die vor allem im Mündungsbereich der Peene anzutreffen sind. Dazu kommen Weißstorch, Eisvogel, Kranich, Fischotter – und die Lachmöwe, die als Wappentier der Insel gilt.

Die Natur darf sich auf Usedom trotz des Tourismus weitgehend ungestört entfalten und bietet daher ideale Bedingungen zum Wandern und Radfahren: 400 Kilometer Wanderwege und 200 Kilometer Radwege warten, wobei man gerade im Winter hier seine Ruhe genießt und die Natur in aller Stille erleben darf.


Wandern auf Usedom

Bei meinem Besuch ging sich zwar nur eine kurze Wanderung auf Usedom aus – man sollte eher von einem Spaziergang sprechen –, doch das Ziel war umso eindrucksvoller: die Steilküste von Bansin

Usedom Steilküste Bansin

Am Langen Berg erhebt sich eine der am stärksten von Erosion betroffenen Steilküsten der deutschen Ostsee. Man kann sich ihr zunächst ganz entspannt von unten nähern: Sie beginnt am nördlichen Ende des Kaiserbads, direkt am Strand.

Usedom Steilküste Bansin

Oder man begibt sich in den Küstenwald hinauf auf den Langen Berg (wobei die Bezeichnung „Berg“ bei einer Erhebung von 54 Metern natürlich pure Übertreibung ist). Die Wanderung bleibt also durchaus gemütlich, und belohnt wird man mit einem kleinen Gipfelerlebnis: dem Blick von der Steilküste hinunter auf den Strand.

Usedom Steilküste Bansin

Die Steilküste ist durch die andauernde Erosion ständig in Bewegung, allzu nah sollte man daher nicht an den Klippenrand treten. Die ungezähmte Natur erinnert an dieser Stelle ein wenig an eine Wanderung an der Kreideküste auf Rügen – nur in kleinerem Maßstab. Auch im Winter ist es ein Erlebnis, von oben auf die Spaziergänger am Strand zu blicken: kleinen Punkten, die sich unten zwischen Strand und Wasser bewegen.

Dass sich die Küste hier stetig zurückzieht, ist gut dokumentiert: Im Schnitt sind es rund 30 Zentimeter pro Jahr. Untersuchungen aus den 1990er-Jahren zeigten sogar einen Rückgang von durchschnittlich 2,81 Metern innerhalb von vier Jahren, mit einzelnen Abbrüchen an der Kliffkante von bis zu 8,8 Metern.

Forsthaus Langenberg

Tipp: Anschließend im höchstgelegenen Restaurant der Insel einkehren. Im Wintergarten des Forsthauses Langenberg speist man abseits des Trubels und doch nah genug, um die Aussicht zu genießen: ein kleiner, feiner Geheimtipp auf Usedom.

Wichtig: Besonders nach Sturm, Frost oder starkem Regen ist Vorsicht geboten – nicht nur wegen möglicher Rutschungen und Abbrüche, sondern auch wegen Steinschlags. Infos zum Forsthaus Langenberg hier. Weitere Wanderrouten abseits der Küste führen ins hügelige Hinterland, z.B. auf die Aussichtswarten rund um die Seen hinter der Küste. Routenvorschläge zum Wandern auf Usedom gibt es hier.


Radfahren auf Usedom

Zugegeben: Bei meinem Besuch der Insel Usedom im Winter habe ich lange überlegt, aufs Rad zu steigen – doch einige glatte Eisplatten machten mir schnell einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem habe ich genügend Radwegweiser gesehen, um zu wissen: Ich hätte die Insel nur zu gern auf zwei Rädern entdeckt.

Die Strandpromenade lässt sich nämlich nicht nur zu Fuß, sondern auch wunderbar auf dem Rad erkunden. Vom Norden bis hinunter zur polnischen Grenze führt der rund 40 Kilometer lange Ostseeküsten-Radweg, Teil eines Fernradwegs mit gleichem Namen von Flensburg bis nach Ahlbeck.

Wer es etwas kürzer mag, kann eine Runde auf einer „Bäderarchitek-Tour“ drehen: auf fünf Kilometern von Bansin nach Ahlbeck. Oder es zieht einen ins Hinterland zu den Seen der Insel. Usedom bietet viele Möglichkeiten, die Insel aktiv zu entdecken.

Ein Klassiker unter den Radtouren führt auf den Spuren des Inselmalers Feininger über die Insel. Auf dieser Route kommt man an schönen Orten auf Usedom vorbei, die Feininger gerne auf die Leinwand bannte.

Usedom mit dem Rad Feininger Tour

Die Tour lässt sich als große Runde von 56 Kilometern fahren oder in einer kleinen Variante mit rund 15 Kilometern genießen. Wo genau Feininger dabei unterwegs war, folgt im nächsten Tipp.

Die Radrouten auf Usedom kann man hier einsehen. Tipp: Für kurze Strecken die Verleihstationen von UsedomRad nutzen (und gegebenenfalls mit den Öffis wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren).

8. Sich auf die Spuren des „Inselmalers“ begeben: und dabei viele schöne Plätze entdecken

Schöne Orte auf Usedom – besonders die stillen Ecken – entdeckt man am besten, wenn man den Spuren von Lyonel Feininger folgt. Wie bereits erwähnt, gibt es sogar eine eigene Radtour mit diesem Namen, der wir in diesem Abschnitt folgen wollen.

Warum? Weil sich hier einige echte Geheimtipps Usedoms aufspüren lassen. Kein Wunder, dass manche der Plätze den Maler inspirierten – der amerikanisch-deutsche Künstler wird auf der Insel nicht ohne Grund gerne „Inselmaler“ genannt. Zwischen 1908 und 1918 hielt er sich regelmäßig auf Usedom auf und war dabei selbst gern mit dem Rad unterwegs.

Im Folgenden sind einige schöne Orte auf Usedom zusammengestellt, die zu seinen Lieblingsplätzen auf der Insel zählten.


Besondere Sehenswürdigkeiten auf Usedom: Windmühle und Wasserschloss

Die Holländer-Windmühle in Benz wurde um 1830 erbaut und steht auf dem dortigen Mühlenberg – ein Ort, den Feininger besonders gern besuchte.

Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf den Schmollensee und die St.-Petri-Kirche in Benz, einen Backsteinbau aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, dessen Vorgänger bereits im 13. Jahrhundert errichtet wurde.

Das Wasserschloss Mellenthin wurde 1575 erbaut. Mit seinem Turm – Teil der Backsteinkirche – war es ebenfalls ein beliebtes Motiv Feiningers.

Heute umfasst das Schlossgelände samt Wassergraben eine Kaffeerösterei, eine Privatbrauerei, ein Restaurant und ein Hotel.

In der warmen Jahreszeit fungiert die Holländer-Windmühle als Backhaus-Café, mehr zu den Öffnungszeiten hier. Alle Angebote des Wasserschlosses Mellenthin findet man hier.


Reetgedeckte Häuser und Achterwasser-Romantik

Auf der Radtour auf Feiningers Spuren kommt man unter anderem durch Korswandt. Dort fällt sofort ein reetgedecktes Häuschen ins Auge – auch wenn es modern ist, vermittelt es einen Eindruck davon, wie urtümlich manche Häuser auf Usedom noch wirken.

Tipps für Usedom schöne Orte

Die originalen Reetdächer – auf Usedom „Rohrdächer“ genannt – findet man besonders im Lieper Winkel am Achterwasser. Hier liegen kleine, idyllische Orte, die man sich nicht entgehen lassen sollte, zum Beispiel Neppermin, das von Feininger liebevoll als „Peppermint“ bezeichnet wurde.

Ich selbst habe das Achterwasser bei der Badestelle Pudagla erlebt. Im Winter war die Bucht leicht gefroren, die Eisdecke wurde von Spaziergängern gerade getestet. Mit dem Schilf herum ergab dies eine sehr idyllische Szene, die perfekt in Feiningers Landschaftsbilder gepasst hätte.


Weitere schöne Orte auf Usedom

Zempin ist das kleinste Seebad Usedoms und liegt an der schmalsten Stelle der Insel. Noch rund 40 Häuser sind dort reetgedeckt. Ein weiteres lohnenswertes Ziel ist der kleine Hafen von Rankwitz am Peenestrom, wo man sich abseits der Touristenströme ein frisch geräuchertes Fischbrötchen gönnen kann.

Historisch interessant ist die Bockwindmühle in Pudagla aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, aber auch die Stadt Usedom selbst, zwischen Stettiner Haff und Peenestrom gelegen. Ebenfalls sehenswert ist Wolgast, das „Tor zur Insel Usedom“, mit der bekannten Klappbrücke über die Peene.

Wer einen besonderen Tipp sucht, sollte die alte Karniner Brücke nicht verpassen. Vor dem Krieg führte hier der Zug nach Usedom – deutlich schneller als heute. Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Brücke von der Wehrmacht bis auf das Mittelstück gesprengt, doch das verbliebene Bauwerk steht bis heute eindrucksvoll über dem Wasser.

9. Die stillen Orte Usedoms aufspüren: bei einer Insel-Safari durchs Achterland

Dass die Küste Usedoms meist flach ist, es stellenweise aber dennoch Steilküsten gibt, erschließt sich erst richtig, wenn man die Insel einmal abseits der bekannten Wege erkundet. Am besten gelingt das bei einer geführten Inseltour, bei der nicht nur Landschaft, sondern auch die geologischen Zusammenhänge und die Entstehungsgeschichte der Insel verständlich erklärt werden.

Dabei wird man direkt vom Hotel abgeholt und mehrere Stunden durch das Achterland chauffiert. Der Name kommt übrigens aus dem Niederdeutschen: „achtern“ bedeutet schlicht „hinten“. Stilgerecht geht es im echten Land Rover Defender durchs Gelände, gemächlich rumpelt man über Wiesen und durch Wälder. Sogar auf das Dach darf man hinauf, um von oben die Landschaft zu überblicken.

Unternehmungen auf Usedom Insel-Safari

Unterwegs erfährt man viel über die Geologie Usedoms, bekommt immer wieder neue Ausblicke präsentiert und hat mit etwas Glück sogar die Chance, einen Seeadler zu sehen. Ansonsten geht es auf die Suche nach den „Big Five“ der Insel – auf Usedom gleichbedeutend mit Pferden, Kühen, Schafen, Ziegen und Rehen.

  • Unternehmungen auf Usedom Insel-Safari
  • Unternehmungen auf Usedom Insel-Safari
  • Unternehmungen auf Usedom Insel-Safari

Dazwischen gibt es Pausen – mit Kaffee, Tee oder Glühwein – und auch eine längere Rast zur Stärkung. Bei meiner Fahrt wurde eine heiße Kürbissuppe serviert, und zwar ganz unkompliziert auf der Motorhaube des Land Rovers. Ein – nicht nur deswegen – heißer Tipp!

Die Insel-Safari ist definitiv eine Empfehlung, die Kombination aus Action und wissenswerten Infos macht die Erkundungstour zu einem gelungenen Ausflugstag. Die Winter-Safari auf Usedom kann man hier buchen.


Von der Steilküste bis zum Thurbruch

Gehen wir zurück bis in die letzte Eiszeit: Nur wenige Inselkerne ragten damals aus dem Meer heraus, erst durch Erosion, Sedimente sowie das Zusammenspiel von Wind und Wasser formte sich daraus die Insel, wie man sie heute kennt.

Die Hügel Usedoms sind Überreste dieser Zeit – aufgeschobene Endmoränen der Gletscher. Noch heute prägen sie die Landschaft, etwa am Streckelsberg bei Koserow, am Langen Berg bei Bansin oder südlich des Thurbruchs. Einst sollen diese Erhebungen sogar bis zu 300 Meter hoch gewesen sein.

Als im 18. Jahrhundert klar wurde, wie stark Wind und Wasser die Küste abtragen, begann man mit der Aufforstung von Buchenwäldern. Ihre Wurzeln stabilisierten den Boden – ohne sie wäre Koserow wohl schon im 19. Jahrhundert verschwunden. So blieb der Streckelsberg erhalten, heute mit 58 Metern der zweithöchste Punkt der Insel.

Dazwischen liegen flache Niederungen wie das Thurbruch, ein ehemaliges Niedermoor, das ebenso im 18. Jahrhundert entwässert wurde. Dass hier einst Moor war, erkennt man bis heute an den tiefschwarzen Maulwurfshügeln.

Darin eingebettet sind Seen wie der Kachliner See oder der Gothensee und zeigen, wie abwechslungsreich Usedoms Natur abseits der Küste ist.


Die Seenlandschaft im Achterland

Wie das Thurbruch früher ausgesehen haben dürfte, lässt sich heute besonders gut am Gothensee erahnen. Mit rund fünf Kilometern Länge und etwa einem Kilometer Breite zählt er zu den größten Seen Usedoms. Umgeben ist er von einer moorwaldartigen Landschaft, in der Schwarzerlen dominieren. Der See steht unter Naturschutz, Baden ist hier nicht erlaubt. Es gibt nur einen Fischer – dafür aber umso mehr Fischotter, die hier ideale Bedingungen finden.

schöne Orte auf Usedom in der Natur

Einen besonders schönen Blick auf diese Landschaft bietet der Aussichtspunkt am Kückelsberg. Von oben öffnet sich der Blick weit hinunter auf den Gothensee.

Ganz anders präsentiert sich der Wolgastsee: und zwar als reiner Süßwassersee, der sich auf einem rund vier Kilometer langen Rundweg gut erkunden lässt.

In dieser Gegend führen Wege teils entlang ehemaliger Patrouillenrouten der Grenzer, etwa beim Krebssee.

Usedom schöne Orte Bansin Schloonsee

Und selbst in unmittelbarer Nähe der Kaiserbäder zeigt sich Usedom von seiner natürlichen Seite. Der Schloonsee ist seit 1818 über einen schmalen Kanal mit dem Gothensee verbunden. Diese Wasserverbindung diente einst der Regulierung des Thurbruchs.

Ein besonders schöner Aussichtspunkt ist die Warte des „Sieben-Seen-Blick“ bei Bansin mit Blick über die „Usedomer Schweiz“ bzw. die namensgebenden Gewässer Schloonsee, Großer und Kleiner Krebssee, Schmollensee, Gothensee und Achterwasser (sowie Kachliner See, wenn er nicht gerade trockenfällt).
Geplantscht werden darf in der Seenlandschaft übrigens auch: Badestellen gibt es am Großen und Kleinen Krebssee sowie am Schmollensee.

10. Die Ruhe im Küstenwald genießen: oder direkt durch das Blätterdach wandeln

Wir haben Usedom nun auf ganz unterschiedliche Weise erlebt: beim winterlichen Strandspaziergang, mit Blick von der Steilküste hinunter aufs Meer, zu Fuß oder mit dem Rad – oder auf einer Inselsafari quer durchs Hinterland. Ein Naturerlebnis fehlt allerdings noch, das fest zu Usedom gehört: der Küstenwald.

Kur- und Heilwald Heringsdorf

Ohne menschliche Eingriffe wäre die Insel wohl weitgehend von Buchenwald bedeckt. Umso schöner, dass sich bis heute zahlreiche Waldreste erhalten haben, die zu Bewegung an der frischen Luft einladen – besonders dann, wenn es einmal nicht der Strand sein soll. „Waldbaden“ ist hier kein bloßes Schlagwort: Direkt hinter Heringsdorf beginnt der erste zertifizierte Kur- und Heilwald Europas.

Was das bedeutet? Dass der Spaziergang nachweislich stressabbauend, blutdrucksenkend und wohltuend für die Atemwege ist. Drei ausgewiesene Routen führen durch den Wald, vorbei an moosbewachsenen alten Buchen. Unterwegs stößt man auch auf geschichtliche Spuren, etwa die ehemalige Thingstätte aus der Zeit des Nationalsozialismus oder den Standort des früheren Bismarckturms.

Oder man sieht sich die Bäume von oben und spaziert inmitten der Kronen von Buchen und Kiefern durchs Blätterdach. Am Ende des Baumwipfelpfads wartet ein Aussichtsturm mit Blick auf die Ostsee, bei klarer Sicht sogar bis nach Rügen. Besonders stimmungsvoll ist das Erlebnis übrigens bei Sonnenuntergang.

Mehr Detailinfos zum Kur- und Heilwald und zum Baumwipfelpfad gibt es in meinem Artikel zum Seebad Heringsdorf nachzulesen.

11. Zeitgeschichte in Peenemünde erleben: und das nicht nur bei Regenwetter

Ein kurzes Kapitel Zeitgeschichte wurde bereits in Swinemünde gestreift. Die wohl eindrücklichste Sehenswürdigkeit Usedoms in diesem Zusammenhang liegt jedoch weiter nördlich: Peenemünde.

Historisch-Technisches Museum Peenemünde Sehenswürdigkeit Usedom Schlechtwetter

Mag das Historisch-Technische Museum auf den ersten Blick wie ein Ort für Technikinteressierte wirken, steht nach einem Besuch fest: Diese Ausstellung zur Geburtsstunde der Raumfahrt sollte man gesehen haben.

Heute liegt Peenemünde ruhig und beinahe abgelegen. Zwischen 1936 und 1945 befand sich hier jedoch mit der Heeresversuchsanstalt Peenemünde das größte militärische Forschungszentrum Europas. Auf dem rund 30 Quadratkilometer großen Areal arbeiteten in den Spitzenzeiten bis zu 12.000 Menschen gleichzeitig – darunter zahlreiche Zwangsarbeiter.

Historisch-Technisches Museum Peenemünde Sehenswürdigkeit Usedom Schlechtwetter

1942 startete in Peenemünde unter der Leitung von Wernher von Braun erstmals eine Rakete bis in den Weltraum – ein technischer Meilenstein, der zugleich die Grundlage für die ersten Vergeltungswaffen bildete. Schnell, kaum abwehrbar und unvorhersehbar war das Ziel, so wie bei der ersten funktionierenden Flugbombe (V1) und der Großrakete A4, später als V2 bekannt, von der ab 1944 mehr als 3.200 V2-Raketen auf Städte in Westeuropa und England abgefeuert wurden.

Nach schweren Bombenangriffen auf Peenemünde wurde die Produktion in unterirdische Anlagen im Harz verlegt, unter anderem in das KZ Mittelbau-Dora. Peenemünde selbst blieb bis 1990 Sperrgebiet der NVA.

Die Dokumentation des Museums bezieht sich nicht nur auf einzelne Gebäude, sondern auf den gesamten Ort. Schon die Anfahrt stimmt darauf ein: Entlang der Bahnlinie tauchen Fundamente alter Pipelines und Reste der Infrastruktur auf. Von den einst über 900 Gebäuden ist vieles verschwunden oder nur noch als Ruine erhalten – oft bodengleich abgetragen. Manche Anlagen waren sogar größer als das Kraftwerk, das heute den Mittelpunkt der Ausstellung bildet.

Bevor man das Museum betritt, fallen bereits zwei Exponate im Außengelände ins Auge: originalgetreue Nachbauten der oben erwähnten Vergeltungswaffen V1 und V2 im Maßstab 1:1, daneben ein Zug der ehemaligen Werksbahn. Der Zugang erfolgt durch die frühere Bunkerwarte, die einst als Schaltzentrale des Kraftwerks fungierte.

Das Kraftwerk selbst ist eines der wenigen Gebäude, das nach dem Krieg weiter genutzt wurde und bis 1990 in Betrieb blieb. Heute darf man es betreten – und ein wenig fühlt es sich an wie ein legaler Lost Place. Noch immer liegt der Geruch von Maschinenöl in der Luft.

 Von hier gelangt man auch auf eine Aussichtsplattform mit Blick auf die Mündung des Peenestroms und den Greifswalder Bodden. Bei klarer Sicht sieht man hier bis nach Rügen.

Historisch-Technisches Museum Peenemünde Sehenswürdigkeit Usedom Schlechtwetter

Die eigentliche Ausstellung befindet sich im ehemaligen Verwaltungstrakt und erzählt mit Dokumenten und Fotografien die Geschichte des Ortes. Besonders eindrucksvoll sind die Vorher-/Nachher-Aufnahmen des Berliner Fotografen Lorenz Kienzle – sie machen erst wirklich begreifbar, welche Dimensionen Peenemünde einst hatte.

  • Historisch-Technisches Museum Peenemünde Sehenswürdigkeit Usedom Schlechtwetter
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Tipp: Den Besuch in Peenemünde sollte man gut planen – besonders an Schlechtwettertagen im Sommer, wenn täglich bis zu 1.500 Besucher kommen. Für den rund 25 Kilometer langen Rundweg zu Bunkern und weiteren

Historisch-Technisches Museum Peenemünde Sehenswürdigkeit Usedom Schlechtwetter

Überresten fehlte mir leider die Zeit. Trotzdem konnte ich das nur wenige hundert Meter entfernte Sauerstoffwerk sehen, in dem der flüssige Sauerstoff für die A4 produziert wurde.

Mehr Infos zu dieser außergewöhnlichen Sehenswürdigkeit auf Usedom gibt es hier. Zusätzlich lohnt sich auf Peenemünde ein Abstecher in den Hafen, wo das über 60 Jahre alte U-Boot U-461 liegt, das einst Teil der Baltischen Rotbannerflotte war. Wer sich für Technik und Geschichte interessiert, findet in Peenemünde zusätzlich ein Marine- und Fliegermuseum.

12. Zu guter Letzt: Wellnessen mit den Schätzen, die die Insel selbst zu bieten hat

Hat das letzte Kapitel nicht gerade für Wohlbefinden gesorgt, gibt es zum Abschluss Gutes für die Seele – und wo ließe sich das besser finden als auf der Ostseeinsel Usedom?

Wellnessen Ostsee Usedom

Winter-Wellness ist das Zauberwort. Nach langen Spaziergängen in der kalten, klaren Seeluft tut es besonders gut, sich wieder aufzuwärmen: in großzügigen Spa-Bereichen zu entspannen, in warmem Wasser abzutauchen oder sich bei einer Massage fallen zu lassen.

Wellnessen Ostsee Usedom

Ob Sanddorn- oder Meersalz-Peeling, Algenpackung oder einfach nur stille Minuten im Ruheraum – alles greift auf das zurück, was das Meer und die Insel zu bieten haben.

Möglichkeiten gibt es viele: Entweder in den öffentlichen Thermen, teils mit Jodsole-Becken wie der OstseeTherme in Ahlbeck oder der Bernsteintherme in Zinnowitz, oder in den Wellnessbereichen zahlreicher Hotels. Ich durfte einige davon selbst ausprobieren – welche das waren, folgt bei meinen abschließenden Tipps für die Insel Usedom.

Entspannung pur: in der OstseeTherme in Ahlbeck und Bernsteintherme in Zinnowitz.

Gut zu wissen: meine Tipps für Usedom

  • Tipps für die Anreise nach Usedom
    Am besten reist man mit dem Zug an, besonders im Sommer, wenn die Straßen voll sind. Von Berlin ist man in etwa 3,5 Stunden auf Usedom, inklusive Umstieg in Züssow in die Bäderbahn der UBB, die einen direkt zu den Kaiserbädern bringt. Von Hamburg geht es auch direkt mit dem Fernbus der UBB auf die Insel.
    Für die Anreise gibt es einige günstige Angebote: Das Deutschlandticket oder das Stadt-Land-Meer-Ticket eignen sich für Bahnfahrten nach Usedom, vor Ort erleichtert das Usedom-Ticket die Mobilität auf der Insel.
    Vor Ort lohnt sich die UsedomCard: Sie gilt nicht nur für die öffentlichen Verkehrsmittel, sondern bietet auch Vergünstigungen für Day-Spas in ausgewählten Hotels oder für die Tagesmiete von Fahrrädern.
  • Übernachten auf Usedom
    Welche Wellness Hotels auf Usedom sind zu empfehlen? Die Auswahl ist groß, und wenn man sich im Voraus orientieren möchte, ist es hilfreich, auf Empfehlungen zurückgreifen zu können.
    Ich hatte das Glück, fünf Hotels in den Kaiserbädern testen zu dürfen. Meine Erfahrungen dazu habe ich in den jeweiligen Artikeln zu den drei Kaiserbädern zusammengefasst. Hier geht´s zu meinen Hoteltipps für Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin .

FAQs: Tipps für den Usedom-Urlaub

Was sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf Usedom?
Zu den bekanntesten Highlights zählen die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin, die Seebrücken, die Strandpromenade, das Historisch-Technische Museum Peenemünde, die Altstadt von Usedom sowie die weitläufigen Strände und Naturlandschaften der Insel.

Welche Sehenswürdigkeiten auf Usedom liegen nah beieinander?
Die Kaiserbäder sind direkt verbunden, ebenso viele Orte entlang der Küste – ideal für Spaziergänge oder kurze Radtouren.

Wie viele Tage sollte man für Usedom einplanen?
Für einen guten Überblick zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf Usedom reichen 3 bis 4 Tage. Wer Strand, Natur, Orte und Ausflüge ins Achterland kombinieren möchte, sollte 5 bis 7 Tage einplanen.

Welche Natursehenswürdigkeiten gibt es auf Usedom?
Dazu zählen die Steilküste bei Koserow und Bansin, die Strände und Dünenlandschaften, das Achterwasser, die Peenewiesen und zahlreiche Naturschutzgebiete.

Gibt es bekannte Bauwerke oder Architektur-Highlights?
Die Bäderarchitektur, die Seebrücken, historische Villen und technische Bauwerke in Peenemünde zählen zu den markanten Highlights.

Lohnt sich Usedom auch im Winter?
Ja – besonders wegen der Ruhe, der Natur, der Architektur und der klaren Seeluft.

Gibt es schöne Fotospots auf Usedom?
Beliebte Fotospots sind Seebrücken, Strandkörbe, Steilküsten, Sonnenuntergänge am Achterwasser und die Villen der Bäderarchitektur.

Herzlichen Dank an Usedom Tourismus für die Einladung zum Winter-Wellnessen auf der Ostseeinsel! (Werbung)

Mehr schöne Orte und Küsten an Nord- und Ostsee und am Atlantik


https://www.ausgeflogen.at/

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