Buchtipp: „SOMMER IM YUKON“ von Anni Evers
Eine abenteuerliche Reise in den hohen Norden – Anni Evers auf ihrer Tour mit „Berta“ zu den Goldgräbern Kanadas: Buchtipp „Sommer im Yukon“.
Wer war schon einmal alleine im hohen Norden unterwegs? Anni Evers war es: im kanadischen Yukon.
Wenn auf diesem Blog Bücher vorgestellt werden, dann sind es oft jene, in denen das Alleinreisen als Frau eine zentrale Rolle spielt. Nach der letzten Buchbesprechung über Doris Hollnbuchner, die es auf den South West Coast Path im Süden Englands gezogen hat, steht nun Anni Evers im Mittelpunkt – sie war ganze drei Monate allein im Yukon unterwegs.
Es ist jedes Mal aufs Neue faszinierend zu lesen, welchen inneren Ruck es braucht, um für eine gewisse Zeit aus dem Alltag auszubrechen. Auch bei Anni lässt sich dieser Prozess miterleben: von den ersten Gedanken bis zu jenem Moment, in dem sie sich schließlich wirklich aufmacht und allein Richtung hohen Norden Kanadas aufbricht.
Wie so oft geht es in diesem Erfahrungsbericht um die Gefühle und Gedanken, die entstehen, wenn man allein und fernab der Zivilisation unterwegs ist. Man begleitet Anni auf ihren Streifzügen durch die Wildnis – stets an ihrer Seite: Berta, ein alter Van ohne jeglichen Luxus, der sie auf ihrer Reise zu den Goldwäschern und zum Nordlicht begleitet.
Fazit: Ein Buch, das nicht nur spannend zu lesen ist, sondern definitiv zu den motivierenden Berichten über das Alleinreisen als Frau zählt. Ein klarer Tipp.
10 Fragen an
Anni Evers, Autorin des Reiseberichts „Sommer im Yukon“





Was war der entscheidende Moment, in dem du nach all den Jahren als Anwältin beschlossen hast, deine Kanzlei hinter dir zu lassen und in den Yukon aufzubrechen?
Zum Zeitpunkt meiner Entscheidung stand ich schon mit einem Bein im Burnout. Über die Jahre war die Herausforderung im Beruf immer belastender geworden, die Corona-Zeit war besonders hart, zumal ich sowohl in der Kanzlei als auch zu Hause alleine war.
Als ich dann 2022 mit meinem Vater den Yukon bereiste und die Abreise kurz bevorstand, da kam der Gedanke: Ich brauche mehr hiervon!
Du verbringst drei Monate allein im Van „Bertha“ ohne Komfort wie fließendem Wasser. Wie hast du dich mental und praktisch auf dieses Minimal-Leben vorbereitet?
Während der Studienzeit habe ich meine Freude am Camping entdeckt. Die Ausstattung, mit der ich – zumeist in Gesellschaft – verreist bin, wurde zunächst immer umfassender: Zeltheizung, Luftbett, Kochfeld. Dann, beim Alleinreisen und insbesondere aufgrund der Anreise per Flugzeug, lernte ich, mich einzuschränken und fand Gefallen daran.
Natürlich ist eine warme Dusche herrlich, ein Gasherd super praktisch, aber es geht auch ohne. Für mich hat es einen ganz besonderen Reiz, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – ich finde es sehr befreiend und es gibt mir ein Gefühl von Unabhängigkeit.
Welche Begegnung – sei es mit einem Menschen oder einem Tier, etwa einem Bären – hat dich am stärksten überrascht oder verändert?
Eines Morgens, ich war auf dem Highway unterwegs, querte eine Grizzly-Mutter mit ihrem Jungen die Straße und lief direkt an meinem Van vorbei, völlig unaufgeregt. Das war schon toll. Verändert und bestärkt hat mich die Erfahrung, dass etwas Wunderbares herauskommt, wenn ich mich auf andere Menschen einlasse, vorbehaltlos und offen.
Während meiner Auszeit im Yukon habe ich großartige Menschen kennengelernt, echte Freundschaften sind entstanden. Nennen möchte ich insbesondere Jack, den Goldgräber, den ich 2023 nicht das letzte Mal gesehen habe.
Du beschreibst viele Outdoor-Abenteuer wie Kanu- oder Wandertouren im rauen Norden Kanadas. Wann hast du gespürt, dass dich diese Herausforderungen persönlich weitergebracht haben?
Meine erste Yukon-Reise war eine geführte Paddeltour – dabei mag ich eigentlich keine Gruppenreisen und Wasser lieber aus der Entfernung. Rate, wer als Erstes in den Fluss gefallen ist… Die Reise war super und ich empfand diese ganz enge Verbindung zur Natur, fernab der Zivilisation, als echte Wohltat und tolles Abenteuer.
Mit zwei Mit-Paddlern bin ich später von Alaska nach Kanada gewandert. Wesentlich anstrengender,ganz etwas Neues für mich, und auch wieder unglaublich Horizont-erweiternd. So ergeben sich die Erlebnisse eines aus dem anderen – wenn Bereitschaft da ist, Neues anzunehmen und auszuprobieren.
Wie hast du die Einsamkeit erlebt, wenn du allein am Lagerfeuer gessen oder durch die Weite des Yukon gefahren bist ? War sie eher befreiend oder manchmal auch beängstigend?
Meistens befreiend und erhebend. Momente der bedrückenden Einsamkeit gab es auch. Wenn keiner da ist, der zuhört, der mit mir genießt. Wenn es kein Ziel oder einen Menschen gibt, das bzw. der auf mich wartet. Ich denke mir dann: Augen zu und durch, es ist nichts Schlimmes, es ist „nur“ unangenehm. Und das Schöne ist: Der Moment geht vorbei.
Das Vanlife hat einen starken Fokus auf Minimalismus und Einfachheit. Was hast du über den Zusammenhang von Besitz und Glück gelernt?
Schon vor der Auszeit im Van habe ich angefangen, Materielles auszusortieren, loszulassen. Ich empfand es erschreckend und geradezu belastend, wie Dinge an mir »kleben«. Im Rahmen meines beruflichen Umbruchs habe ich mein Einkommen drastisch reduziert, da war Sparen auf einmal eine Notwendigkeit. Das kann schon mal nerven, doch ich bereue meinen Schritt nicht.
Ich kann sagen, dass ich an keinem Ort der Welt so glücklich bin wie im Yukon – wenn es nach Nadelwald riecht, die Eichhörnchen keckern, Wasser ans Ufer schlägt, der Wind mein Haar zerzaust. Das kann ich für kein Geld der Welt kaufen, und säße ein Millionär neben mir am Lagerfeuer, wäre er nicht glücklicher als ich.
Du triffst im Yukon außergewöhnliche Menschen wie alte Goldgräber. Was hat dich an diesen Begegnungen am meisten beeindruckt?
Mich beeindruckt an den Menschen, die ganz oder zeitweise im Norden leben, insbesondere Off-Grid, also ohne Zugang zum öffentlichen Versorgungs- oder Kommunikationsnetz, die Willensstärke und das Durchhaltevermögen.
Bis ins hohe Alter sind die Menschen aktiv, körperlich zumeist viel gesünder oder einfach zäh. Jack, der Goldgräber, ist jetzt 75 und fährt jeden Sommer auf seinen Claim, richtet da Camp ein, arbeitet stundenlang auf Baumaschinen. Er denkt gar nicht ans Aufhören, und er ist sicher nicht der Älteste auf den Goldfeldern.
In deinen Beschreibungen tauchen wiederholt Elemente wie das Nordlicht und die wilde Natur auf. Was bedeuten diese Naturerlebnisse für deine innere Entwicklung?
Ich fühle mich im Yukon auf eine gute Art klein, als Teil eines großen Ganzen, in das ich hineingehöre, das auf mich aufpasst. Es ist in dieser Umgebung völlig unwichtig, welchen Beruf du hast, wie viel Geld in der Tasche oder Auszeichnungen an der Wand. Okay, ein Mechaniker-Zertifikat ist im Norden immer hilfreich, wie oft geht etwas an Autos oder anderen Geräten kaputt. Die wilde Natur lehrt mich Demut und Respekt, und sie erzeugt eine Freude in mir, wie ich sie kaum beschreiben kann.
Nach drei Monaten im wilden Norden: Inwiefern siehst du dich heute als andere Person im Vergleich zu der, die du vor der Reise warst?
Ich bin wesentlich entspannter und achte besser auf mich. Ich traue mir mehr zu. Weiß, dass ich meinem Bauchgefühl vertrauen kann. Ich nehme mir weiterhin Auszeiten, von denen ich vorher nie gedacht hätte, dass sie realisierbar sind.
Für viele Leser, besonders alleinreisende Frauen, kann dein Buch inspirierend wirken. Welche Botschaft möchtest du ihnen am stärksten mit auf den Weg geben?
Trau dich! Mach es mal anders als sonst, verlasse deine Komfortzone. Der Gewinn – persönliche Entwicklung, Zuwachs an Selbstvertrauen, bereichernde Kontakte – ist es wert.
Die Fakten: „Sommer im Yukon“
Inhalt: 288 Seiten inklusive Bildstrecke
Stiebner, 288 Seiten, ET August 2025
Erhältlich im Buchhandel oder online z.B. bei Thalia* bestellbar.
Hinweis: Das Buch wurde mir von Anni Evers zur Verfügung gestellt (das Copyright der Bilder liegt bei der Autorin). Vielen Dank!
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