Buchtipp: „SEHNSUCHTSORT SEMMERING“ von Eduard Aberham

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Definitiv ein Buchtipp zum Semmering für alle, die dem „Mythos“ einmal anders auf die Spur gehen möchten: Kurzweilig zu lesen, unterhaltsam und informativ, dieser „Sehnsuchtsort Semmering“


Wieder ein neues Semmering-Buch?

Genau! Aber definitiv keine x-te Neuauflage des ewig gleichen Themas, sondern eine kurzweilige Reise von den Anfängen des Semmering bis ins Heute, die die Geschichte dieses mythenbehafteten Orts über die schillernden Persönlichkeiten am Zauberberg erzählt – jenen Entrepreneuren, die den Semmering einst zu dem gemacht haben, für das er heute im kollektiven Gedächtnis des Landes steht.

Dieses mit vielen historischen Aufnahmen geschmückte Werk erzählt vom ersten Aufschwung bis hin zur Goldenen Ära, vom langjährigen Wettstreit unter den Hoteliers bis zu den Anfängen im Wintersport, von Rad- bis hin zu den spektakulären Autorennen.

Und ja, „Sehnsuchtsort Semmering“ ist mehr als die übliche Aneinanderreihung historischer Fakten. Eduard Aberham, langjähriger Direktor des Grandhotel Panhans am Semmering, liefert in diesem opulenten Bildband jede Menge „Gschichtln“ rund um diesen noch immer so faszinierenden Ort. Von seinen Erzählungen aus „alten Zeiten“ kann man sich nur schwer losreißen.

Warum ich das weiß? Weil ich Eduard Aberham bereits vorab zuhören durfte (und noch während der Entstehung einen ersten Blick in das Buch werfen durfte).

Ich freue mich daher umso mehr, hier seine ausführlichen – und gekonnt pointierten – Antworten auf meine 9 Fragen präsentieren zu dürfen, die bereits eine gute Kostprobe der spitzen Feder des Semmering-Kenners abgeben.

Fazit: Kein „klassisches“ Semmering-Buch – aber dafür umso liebenswerter!

9 Fragen an

Eduard Aberham, Autor des Bildbands „Sehnsuchtsort Semmering“

Und wieder ist ein Buch zum Semmering erschienen: Was unterscheidet Ihren Bildband von den zahlreichen Vorgängern?

Natürlich kann man sagen, schon wieder ein Buch über den Semmering, aber die bisherigen Bücher haben sich entweder mit der Semmeringbahn beschäftigt, haben sie bis zur letzten Steigungspromille analysiert, oder die Architektur zum Streitfall erhoben, natürlich das literarische Vermächtnis der Semmering Literaten mit rosaroter Brille betrachtet und bestenfalls noch den Kurort als solches erwähnt, mit der Anziehung für die damalige Gesellschaft.

Aber die Menschen, die den Semmering zu einem Weltkurort, zu einer Rivalität mit St. Moritz mit den größten Hotels des Kontinents geführt haben, die hat man vergessen, ja selbst die Zeugnisse ihres Schaffens wurden bestenfalls noch in einem Beisatz erwähnt.

Davon aber handelt jetzt dieses Buch, von Selfmademännern, die die größten Hotels errichtet haben, von den ersten Schibewerben Mitteleuropas, von spekakulären Autorennen und illustren Gästen, von Aufsehen erregenden Festen aber dann doch nicht Orgien, davon handelt dieses Buches. 

Unglaublich, welche – und vor allem, wie viele – Fotos Sie für das Buch ausgegraben haben! Wie sind Sie zu diesen Schätzen gekommen? 

Diese Fotos sind das Produkt jahrzehntelangen Sammelns, aber viele einzigartige Bilder stammen aus den privaten Schatzkisten der Semmeringer, die mir diese großzügig zugänglich machten. Aber auch Bilder aus dem Gemeindearchiv, der Landesbibliothek, der Nationalbibliothek und Museen konnte ich verwenden.

Und wo haben Sie all die Geschichten und Anekdoten her?

Vielen dieser Geschichten liegen schriftlichen Aufzeichnungen, mündliche Überlieferungen, natürlich auch historische Zeitungsberichte und die umfangreiche Sammlung der „Semmeringer Nachrichten“ im Gemeindearchiv aus mehr als hundert Jahren zugrunde.

Und natürlich auch selbst Erlebtes aus 27 Jahren als Hoteldirektor eines der prominentesten Hotels am Semmering.

Wofür steht der Mythos Semmering noch heute – was meinen Sie? 

Mit dem Mythos ist das so eine Sache. Natürlich liegen diesem besondere Begebenheiten zugrunde, diese werden oft ausgeschmückt und somit in der Überlieferung mystifiziert. Man weiß dann oft nicht, was ist denn der eigentliche Grund, warum ein Ort so einen besonderen Mythos erwirbt. Der Mythos ist dann ein in die Jahre gekommenes Image. Denken sie an Ferrari, seit Jahrzehnten fahren die roten Renner den siegreichen Teams hinterher. Die Dominanteren der Formel 1 fahren mit Honda Motoren, aber mit Honda verbindet man bestenfalls ein preisgünstiges Familienauto. Und auch Mercedes gab in den letzten Jahren Milliarden aus, um den Mythos der Silberpfeile wieder zu beleben. 

Der Mythos Semmering ist heute nur die Vergangenheit, auf der man auf Schritt und Tritt am Zauberberg der Wiener (wieder so ein Mythos!) begegnet. Man ist in einer Stunde von Wien in einer anderen Welt, sowohl im Sommer als auch im Winter. Allerdings nur, wenn man bereit ist, sie zu erfühlen und zu spüren. Es ist die Welt des ewig Gestrigen, das fast spürbar einer neuen Sensation entgegenharrt.

Sie haben in Ihrer Karriere ja bereits einiges gesehen. Warum sind Sie gerade am Semmering „pickengeblieben“?

Das ist rational nicht erklärbar. Das ist einfach passiert, mit Familie und zwei Kleinkindern ist man nicht mehr so flexibel, zudem hat mir der Eigentümer größtmögliche Freiheit in der Unternehmensführung gelassen, als Unternehmersohn war das für mich sehr viel wert. 

Die internationale Karriere fortzusetzen war nicht mein Bestreben, das Beispiel vieler gescheiterter Ehen und Familien auf dem unsteten Karriereweg durch alle Kontinente hatte mir die Illusionen geraubt.

Was ist für Sie persönlich die schönste Zeit, die Sie am Semmering verbringen durften?

Das war zweifellos die Zeit von 1992 bis zum Jahr 2000. Es war eine prosperierende Zeit, der Semmering erwachte schlagartig, das Schigebiet wurde großzügig ausgebaut, Sommerattraktionen geschaffen, das Panhans verdoppelte fast seine Kapazität, für das Südbahnhotel hatte sich ein Investor gefunden, der mit umfangreichen Sanierungsarbeiten begann, selbst vor dem Kurhaus stand bereits der Kran für die Revitalisierung des Traditionshauses.

In den Semmeringer Betrieben hatte eine neue Generation den Kochlöffel übernommen und den Berg zum kulinarischen Eldorado südlich von Wien gemacht. Mit der Ostöffnung wurde der Semmering jetzt auch international, das angestammte Einzugsgebiet war plötzlich wieder spürbar. 

Was hätten Sie getan, wenn Sie selbst einem Kaiser oder der berühmten Josephine Baker begegnet wären?

Zugegeben, ich habe nie einem Kaiser die Hand gereicht, aber einen König durfte ich schon begrüßen, einige Staatspräsidenten, Premierminister, sonstige politische Weichensteller, Wirtschaftslenker und Showstars aus allen Kontinenten waren meine Gäste.

Die Josephine Baker wäre natürlich ein ganz besonderes Highlight gewesen, aber damals war ich noch nicht auf der Welt, als sie im Panhans logierte und den Hotelgästen und den Einheimischen die Köpfe verdrehte. Ein bisschen was davon hab ich ja in meinem Buch „Sehnsuchtsort Semmering“ verraten.

Wenn man Sie fragen würde, ob Sie lieber in den Glanzzeiten des Semmering das Panhans geleitet hätten – was wäre Ihre Antwort?

Die heute so gesehenen Glanzzeiten des Semmering waren geprägt von einem ungeheuren Wachstum, von Innovationen, Glanzlichtern und Sensationen. Sie waren nicht ganz so unproblematisch, wie man sie heute gerne sieht. Einzelne Unternehmer prägten diese Zeiten, wurden zu „Königen des Semmering“ bis Kriege und wirtschaftliche Umbrüche ihre Bestrebungen zunichte machten.

Eine solche Phase der ungestümen Entwicklung gab es auch in den Jahren 1992 bis 2000, zum Durchbruch fehlten dann aber die bereits fertiggeplanten Hotelprojekte und mangels Investoren oder echten Unternehmern entschlief der Semmering wieder sanft. 

Wenn Sie nicht gerade am Semmering sind – wo verbringen Sie sonst gerne Ihre Freizeit?

Meine charakteristische Nase weist mich als übergebliebener Römer aus Carnuntum aus, wo ich auch meinen Stammsitz mit Familie samt Enkelkinder habe. Bekanntlich zieht es jeden Täter wieder an seinen Tatort zurück, sodass ich auch am Semmering ein Domizil habe. Je nach Jahreszeit, Wetter, Bedürfnissen und Ereignissen frequentiere ich die beiden Orte abwechselnd.

Zudem reise ich gerne, allerdings zunehmend öfter eher geerdet, das heißt, weniger in Luxushäusern, ohne diese aber gänzlich aus den Augen zu verlieren, als in Touren durch Madagaskar, oder an den Sulawesi See, oder mit dem Segelboot die amerikanische Ostküste hinauf oder mit ein paar Freunden durch Namibia. Durch Madagaskar beispielsweise mit einem Freund wie einst David Livingstone mit fünf Trägern zu Fuß von der Inselmitte zur Küste. Ohne Straßen, ohne Kommunikation, ohne Segnungen der Zivilisation, nur auf den Saumpfaden der Eingeborenen durch Dschungel und Berge. Dann gönnt man sich halt ein paar Wellnesstage in einem der schönen Häuser in Österreich um wieder zu Kräften zu kommen. Denn bunt muss das Leben sein!

Aber sie finden mich auch am Kultur.Sommer.Semmering oder bei einer Radtour irgendwo in Österreich.

Die Fakten: „Sehnsuchtsort Semmering“

Inhalt: Die Geschichte des Semmering vom Beginn bis ins Heute – von der imaginären Rivalität mit St. Moritz über Wintersport und Autorennen am Semmering, der großen Zeit des Semmering und seiner „goldenen Epoche“, den wilden 20er Jahren und der „silbernen“ Ära bis zu Ende und Neubeginn ab Mitte des 20. Jahrhunderts.

Sehnsuchtsort Semmering* von Eduard Aberham

Kral Verlag, 240 Seiten, ET Oktober 2023

Erhältlich im gut sortierten Buchhandel oder direkt beim Verlag, bei Thalia* oder Amazon* bestellbar.


Hinweis: Das Buch wurde mir von Eduard Aberham zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

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