AUSCHWITZ: auf eigene Faust als Tagesausflug von Krakau besichtigen

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Wie man von Krakau nach Auschwitz kommt, ohne eine organisierte Tour zu buchen: Anreise, Führungen und meine Eindrücke vom KZ-Besuch.


Bei einem Städtetrip nach Krakau gehört für viele der Besuch des KZ Auschwitz mit dazu. Das geht auch auf eigene Faust – ohne eine der zahllosen Touren zu buchen, die überall angepriesen werden. Die Besichtigung von Auschwitz lässt sich nämlich gut als Tagesausflug von Krakau aus einplanen.

Die Eindrücke lassen einem nach dem Besuch von Auschwitz nur sehr schwer wieder los. Wie soll man so viel Grauen in Worte fassen, um den dort getöteten Menschen gerecht zu werden?

Ich kann in diesem Artikel nur meine persönlichen Erfahrungen schildern und meine Tipps für einen Besuch – wie für die individuelle Anreise nach Auschwitz von Krakau aus oder den Ablauf einer Führung auf dem Gelände – weitergeben.

Für einen persönlichen Eindruck sollte man den Besuch von Auschwitz beim nächsten Krakau Städtetrip natürlich selbst einplanen.

Ausgeflogen nach Auschwitz: Besichtigung des KZ auf eigene Faust
1. Wie man auf eigene Faust von Krakau nach Auschwitz kommt: Anreise per Zug oder Bus
2. Was man im Vorfeld der Besichtigung von Auschwitz planen sollte: Führungen & Ticketkauf
3. Wie der Besuch von Auschwitz abläuft: Besichtigungstipps & Regeln
4. Was man im Stammlager Auschwitz I erfährt: Geschichte(n) zum Lageralltag
5. Was es in Auschwitz Birkenau zu sehen gibt: Häftlingsbaracken und viele Ruinen
6. Die eindrücklichsten Momente: mein persönliches Fazit der Auschwitz-Besichtigung

Das KZ Auschwitz-Birkenau: grauenvolle Geschichte, die keinen kalt lässt

Um jüdische Geschichte kommt man beim Städtetrip nach Krakau nicht herum. Das Mahnmal der leeren Stühle am Ghettoplatz lässt einen beim Sehenswürdigkeiten-Rundgang durch Krakau schon einmal zusammenzucken, wenn man an die Zahl der ausgelöschten Juden denkt, für die die leeren Stühle stehen. Einer pro Tausend– ergibt in etwa knapp 70.000 Krakauer Juden, die in den Wirren des Zweiten Weltkriegs grauenvoll ermordet wurden.

Bei diesem Thema ist natürlich auch der Besuch des KZ Auschwitz naheliegend. Auch wenn man sich für Zeitgeschichte interessiert, fragt man sich beim Städtetrip nach Krakau, ob man nicht eine Besichtigung des KZ Auschwitz anhängen sollte.

Auschwitz besichtigen

Auschwitz-Birkenau ist heute UNESCO-Weltkulturerbe und mit über zwei Millionen Besuchern pro Jahr vielbesuchte Gedenkstätte des Holocaust im polnischen Oświęcim (der eigentliche Name).

Das größte Vernichtungslager der Nationalsozialisten beherbergte in nur 4 Jahren insgesamt über 1.3 Millionen Menschen – wobei „beherbergen“ das falsche Wort ist, denn 1.1 Millionen Insassen von diesen fanden in Auschwitz den Tod bzw. wurden plangemäß vernichtet. 90% davon waren Juden.

Offiziell wurde das Konzentrationszentrum Auschwitz am 14. Juni 1940 als Internierungslager für polnische „Widerstandskämpfer“ gegründet. Nach den „politischen“ folgten die kriminellen Insassen, und noch bevor der erste jüdische Massentransport im März 1942 anrollte, wurden schon im September 1941 erste Versuche mit dem Giftgas Zyklon B zur systematischen Vergasung der Juden unternommen.

Die „Endlösung“ der Judenfrage erforderte weitere Kapazitäten, im März 1942 wurde Auschwitz um das Außenlager Birkenau („Auschwitz II“) erweitert. Dieses diente fast ausschließlich als Vernichtungslager, zumindest was die ankommenden Juden betraf, von denen gleich 80% direkt in die Gaskammern geschickt wurden.

Bereits Mitte 1944 wurden durch das sich bereits abzeichnende Kriegsende versucht, die Spuren am Gelände zu verwischen, und am 27. Januar 1945 stand dann tatsächlich die Rote Armee vor der Tür. Nur noch 7.000 Häftlinge waren samt einem Berg voller Leichen und Gebrauchsgegenstände in Auschwitz zurückgelassen worden, die Gaskammern waren gesprengt, die Krematorien zerstört worden. Die restlichen 60.000 Häftlinge wurden in Todesmärschen in Richtung Westen geschickt und erreichten – der Name sagt es – in vielen Fällen ihr Ziel nicht mehr.


Was man heute bei einer Besichtigung des KZ Auschwitz zu Gesicht bekommt

Bei einer Besichtigung von Auschwitz wird man heute durch zwei der drei zum Auschwitz-Komplex gehörenden Lager geführt.

  • Im Stammlager Auschwitz I wird man durch einzelne Baracken geschleust, in denen man viel zur Geschichte des Lagers und des Lagerlebens erfährt.
  • Im vier Kilometer entfernten Vernichtungslager Birkenau (Auschwitz II) verläuft die Tour zwischen Häftlingsbaracken und Ruinen der Gaskammern und Krematorien auf einem recht weitläufigen Gelände.
  • Das Arbeitslager Monowitz (Auschwitz III) ist heute nur mehr eine Gedächtnisstätte und nicht Teil einer Besichtigungstour durch Auschwitz.

Bevor es hier nun darum geht, die Eindrücke meines Besuchs zu schildern, möchte ich einige Fragen beantworten, die bei der Besichtigung von Auschwitz meist im Vorfeld anfallen – vor allem dann, wenn man auf die organisierten, aber überteuerten Touren verzichtet und Auschwitz lieber in Eigenregie besucht.

1. Wie man auf eigene Faust von Krakau nach Auschwitz kommt: Anreise per Zug oder Bus

Nach Auschwitz werden von Krakau aus ganz viele Tagestouren unterschiedlicher Unternehmen angeboten, teils sogar in Kombination mit einem Ausflug zum Salzbergwerk Wieliczka – und das sogar am gleichen Tag…

Wer nicht so durch die Gegend gekarrt werden – und pietätslos gleich die nächste Sehenswürdigkeit vor den Latz geknallt – bekommen möchte, der kann auch auf eigene Faust nach Auschwitz fahren.

Auschwitz besichtigen

Wie kommt man nun von Krakau nach Auschwitz? Nun, wie bereits erwähnt gibt es dafür zwei Möglichkeiten: Entweder vom Hauptbahnhof Krakau (oder einer der nachgelagerten Stationen) – oder mit einer der privaten Buslinien, die vom Busbahnhof gleich hinter dem Hauptbahnhof abfahren. Ich habe bei meinem Besuch von Auschwitz beide Verkehrsmittel genommen: bei der Anreise nach Auschwitz den Zug (um es rechtzeitig zur Führung zu schaffen), und bei der Rückreise den Bus.

Wo liegt nun der Unterschied? Nun, komfortabler reist man mit dem Bus an, weil hier der morgendliche Pendlerverkehr des Regionalzugs wegfällt. In meinem Fall war die Busfahrt auch wesentlich gemütlicher, sowie – ein großes Plus: Der Bus fährt das Besucherzentrum direkt an und ist auch wesentlich schneller als der Zug.

Aber auch wer per Zug kommt (weil die Ankunft z.B. besser auf die Führungszeiten angepasst ist), kann am Bahnhof Auschwitz in einen der Stadtbusse steigen und sich zum Besucherzentrum karren lassen. Alternativ spaziert man zu Fuß hin (etwa eine halbe Stunde).

Die Kosten? Lagen in meinem Fall bei beiden Varianten gleich. Für den Bus habe ich 19 PLN gezahlt, für das Zugticket 15 PLN. Mit den 4 PLN für den Stadtbus in Auschwitz kommt man aufs gleiche Ergebnis.

Eine Übersicht der aktuellen Abfahrten von Bussen und Zügen von Krakau nach Auschwitz (und retour) gibt es hier. Für eine individuelle Suche die Stationen Hauptbahnhof (Krakow Główny) bzw. Busbahnhof (Dworzec Autobusowy) und Oświęcim eingeben (so der polnische Name von Auschwitz). Die Fahrt dauert per Bus als auch per Regionalzug etwas über eine Stunde.

2. Was man im Vorfeld der Besichtigung von Auschwitz planen sollte: Führungen & Ticketkauf

Bei meinem Ausflug von Krakau nach Auschwitz tauchten im Vorfeld ein paar Fragen auf:

  • Sollte man das Gelände auf eigene Faust erkunden oder lieber eine Führung vor Ort buchen? Und wenn ja, welche? Wie sind die Kosten?
  • Sind die Tickets online buchbar? Und wann sollte man reservieren?
  • Wie viel Zeit sollte man für einen Besuch von Auschwitz einplanen?

Grundsätzlich ist es möglich, das KZ Auschwitz auf eigene Faust – also ohne Führung – zu besichtigen. Zeitslots dafür gibt es in den frühen Morgenstunden oder ab etwa 15 Uhr, wenn die meisten Touren beendet sind. Eintritt ist dafür keiner zu zahlen (eine Reservierung trotzdem ein Muss).

Ich würde allerdings dringend zu einer Führung raten. Das hat einerseits praktische Gründe (für ein schnelles Abklappern des Geländes wird man die Anreise wohl kaum in Kauf nehmen), andererseits hätte ich es selbst nicht so recht angebracht gefunden, Sightseeing in Auschwitz zu betreiben. Bei einer Führung werden auch durchaus Themen angesprochen, bei denen man sich als ausländischer Besucher nicht sehr wohl fühlt (siehe dazu der letzte Punkt). Und ja, es wirkt einfach viel „stimmiger“, an einem Ort, der mit so viel trauriger Geschichte belegt ist, durch die Baracken und das Gelände geleitet zu werden.

Die Führungen können – und sollten – vorab online gebucht werden, und zwar rechtzeitig. Ich habe zwei Tage vor meinem Besuch keinen Zeitslot mehr für eine reguläre Tour (3,5 Stunden) erhalten, und zwar weder in Deutsch noch in anderen Sprachen – und habe daher auf die sechsstündige Studientour umgeschwenkt.

Und es war gut so, denn dadurch verringerte sich die Gruppengröße, während auf der anderen Seite mehr Zeit bei den einzelnen Stopps zur Verfügung stand. Meine Erfahrung zu der längeren Führung durch Auschwitz ist also durchaus positiv – auch wenn eine sechsstündige Führung im Laufe des Tages zu Ermüdungserscheinungen führen kann.

Tickets für Auschwitz unbedingt auf der offiziellen Seite von Auschwitz buchen, dann sind diese auch zum Normalpreis erhältlich. Unbedingt die teuren Touranbieter vermeiden! Empfehlenswert ist eine frühe Anreise bzw. ein Besuch unter der Woche (und, wenn möglich, nicht gerade in der Urlaubszeit). Bei meiner Besichtigung an einem Donnerstagvormittag im Mai war das Areal auf jeden Fall gut gefüllt. Die reguläre Tour kostet 90, die Studientour 130 PLN. Mehr zu den Öffnungszeiten und FAQs hier.

3. Wie der Besuch von Auschwitz abläuft: Besichtigungstipps & Regeln

Für den Besuch des KZ-Geländes muss man zuerst eine Sicherheitsschleuse passieren, bei der auch die Taschen durchleuchtet werden. Laut Website dürfen mitgebrachte Taschen die Maße von 30x20x10 nicht überschreiten – dies wurde aber bei meinem Besuch nicht kontrolliert. Meinen Tagesrucksack (normale Größe) musste ich daher nicht im Gepäcksraum abgeben.

Bei einer Führung bewegt man sich im ersten Teil mit Audioempfängern durch das Areal des Stammlagers, da man aufgrund des starken Andrangs oft nicht das gesprochene Wort des Guides versteht. Oft wird man auch hintereinander durch einen Raum geschleust – spätestens dann bewährt sich das Audiosystem.

Baracken

Im Vorfeld zu bedenken ist, dass es sich – speziell bei der Studientour – um eine lange Führung handelt. Von den insgesamt sechs Stunden waren wir fünfeinhalb Stunden zu Fuß unterwegs, was vor allem im zweiten Teil im Vernichtungslager Birkenau zu einem Gewaltmarsch von insgesamt etwa vier Kilometern ausartete. Wichtig daher: Gutes Schuhwerk tragen, mit dem man auch auf unebenem Grund einige Stunden unterwegs sein kann.

Zwischen den beiden Blöcken (drei Stunden im Hauptlager, zweieinhalb in Birkenau) gibt es eine Pause von einer halben Stunde, in der man sich allerdings mit dem Pendelbus ins vier Kilometer entfernte Birkenau begeben muss. Bei hohem Andrang können dabei Wartezeiten entstehen (der Bus fährt etwa alle 10 Minuten). Viel Zeit für eine Pause bleibt da nicht, daher am besten einen Snack mitnehmen. Der kleine Kiosk vor Ort ist leider heillos überteuert.

KZ Birkenau Gelände

Eine wichtige Frage, die im Vorfeld eines Besuchs von Auschwitz gerne gestellt ist, ist die nach einem etwaigen Fotografierverbot. Bis auf wenige Ausnahmen darf überall fotografiert werden – und ja, es ist sogar erwünscht, die Geschichte dieses Verbrechens in die Welt zu tragen. Was natürlich nicht bedeutet, den Ausflug nach Auschwitz zu einem Selfie-Lifestyle-Trip verkommen zu lassen. Aber das sollte sowieso jedem klar sein – soviel Respekt muss einfach sein.

Noch ein letzter Punkt: Vom Besuch mit Kindern unter 14 Jahren wird ausdrücklich abgeraten – auch das ist verständlich.

4. Was man im Stammlager Auschwitz I erfährt: Geschichte(n) zum Lageralltag

Während es sich in Birkenau dezidiert um ein Vernichtungslager handelte, zählte das Stammlager Auschwitz I, in der die SS-Garnisonsverwaltung stationiert war, als Arbeitslager und wurde anfangs auch für die Internierung des polnischen Widerstands errichtet. Der Spruch „Arbeit macht frei“ über dem Eingangstor ist hinlänglich bekannt und bereits zum Symbol für das System der KZs geworden. Eigenartig, wenn man selbst unter dem Schriftzug hindurchspaziert.

Arbeit macht frei Lagertor Führung Auschwitz

Auschwitz I besteht aus mehreren Reihen von Baracken, die teilweise besichtigt werden können und in denen zuerst einmal die Geschichte des Lagers dokumentiert wird.

Gleich zu Beginn werden wir mit Bildern konfrontiert, die ohne viele Worte für die Schrecken stehen, die an jenem Ort verübt wurden: Zurückgelassene Koffer, Schuhe, Tassen oder Brillen – oder auch ein ganzer Abschnitt eines Raums voller Haare, die den Häftlingen abgeschoren worden waren (und zu Textilien weiterverarbeitet wurden). Welche Gefühle dabei hochkommen, kann man nur schwer beschreiben – es ist wohl eine Mischung aus unendlich viel Mitleid, aber auch viel Unverständnis, wie bzw. dass so etwas überhaupt passieren konnte.

Auch leere Dosen des Giftgases Zyklon B sind zu sehen, mit denen Millionen von Juden ausgelöscht wurden.

Zyklon B Kartuschen

Neben den Schlaflagern werden auch die Waschräume besichtigt, in die die Häftlinge zwar geschleust wurden – in denen sie sich aber unmöglich waschen konnten. Und das nach einem 12-Stunden-Tag im Sommer, in Kleidung, die selbst niemals gereinigt und sogar von Häftling zu Häftling weitergegeben wurde.

In einer weiteren Baracke wird von den medizinischen Experimenten berichtet, die an den Häftlingen durchgeführt wurde. Zwangssterilisationen, Verhungern, Elektroschocks: alle möglichen Tötungsarten standen auf dem Programm von Dr. Mengele, der im Krankenbau Block 10 seine grauenhaften Versuche durchführte.

Ein Schauer überkommt einen auch in Block 11, der Todesbaracke, letzter Bastion der zum Tode Verurteilten und an dessen angrenzender Wand die Exekutionen ausgeführt wurden. Unvorstellbar, in welche Strafzellen die Häftlinge nach simplen Vergehen eingepfercht wurden, um zu mehrt eine Nacht im Stehen zu überdauern. Die Luftzufuhr bestand aus ein paar wenigen Löchern für mehrere Personen – Pech hatten die, bei denen im Winter Schneeflocken die Luftzufuhr bedeckten….

In den Baracken und am Weg werden immer wieder Fotos vom Lagerleben gezeigt. Auch Situationen wie eine bevorstehende Exekution bzw. Vergasung oder die Injektion eines Tötungsmittel ins Herz gibt es heute per Bildbeweis zu sehen. Spätestens hier weiß man, warum man sich das KZ nicht unbedingt mit Kindern ansehen sollte: Diese Bilder wirken einfach viel zu lange nach.

Und schlussendlich darf man auch noch durch ein Buch mit mehreren Metern Länge Ausmaß blättern, in dem die Namen vieler getöteten Juden verzeichnet sind. Wohl nicht aller, denn hier sei es noch einmal erwähnt: 1,1 Millionen Menschen wurden in Auschwitz getötet, davon 90% Juden…

Der Galgen, der am Schluss der Tour im Stammlager gezeigt wird, kann auch nicht als Versöhnung dienen. Kann der Tod eines Einzelnen den Tod von so vielen sühnen? Und darf man sich überhaupt auch nur theoretisch diese Frage stellen?

  • Galgen Höss
  • Krematorium Auschwitz
  • Krematorium Auschwitz
  • Krematorium Auschwitz
  • Krematorium Auschwitz

Gleich neben dem Krematorium, in dem man heute noch die Öfen sieht, die zur Beheizung verwendet wurden, wurde SS-Obersturmbannführer und Lagerkommandant Rudolf Höss hier am 16. April 1947 gehängt.

5. Was es in Auschwitz Birkenau zu sehen gibt: Häftlingsbaracken und viele Ruinen

Zur Unterstützung des Stammlagers – aber eigentlich zur systematischen Vernichtung und somit als Instrument der „Endlösung“ der Judenfrage – wurde ab dem Oktober 1941 mit der Errichtung des zweiten Standorts Birkenau begonnen, das im März 1942 eröffnet wurde.

Heute sind vom gewaltigen Lagerkomplex fast nur mehr Ruinen übriggeblieben (die Gaskammern und Krematorien wurden beim Abzug der Nazis zerstört). Die gewaltigen Ausmaße des Areals bringen einen dennoch unweigerlich zum Grübeln.

Auschwitz-Birkenau

Das Gelände ist groß. Allerdings nur dann, wenn man die Fläche nicht in Relation zur „Auslastung“ setzt. Anders gesagt: 90.000 Personen waren hier zur Spitzenzeit im Sommer 1944 untergebracht – eine Menschenmenge vom Ausmaß einer größeren Kleinstadt, und das auf nur 175 Hektar Fläche.

Auf den ersten Blick könnte man an einem lauschigen Maitag meinen: Wie nett es hier auf der grünen Wiese mit ihren gelben Löwenzahntupfen gewesen sein muss. Doch damals bestand der Boden aufgrund der Menschenmassen nur aus plattgetretenem Schlamm bzw. Schnee im Winter.

Auschwitz-Birkenau

Während der Besichtigung von Auschwitz-Birkenau wird man durch einen großen Teil des – relativ – weitläufigen Areals geführt. Den Beginn macht das Lagertor, das wie der Schriftzug im Stammlager ebenso zum Symbol für die Schrecken des Nazi-Regimes in den KZs geworden ist.

Auschwitz-Birkenau Lagertor

Wenn die Menschen, die teils über mehrere Tage hindurch in geschlossenen Waggons ohne Lebensmittel und Wasser durch die Länder gekarrt worden waren, schlussendlich in Birkenau ankamen, wurden sie an der Laderampe zuerst einmal ausgesiebt: Ganze 80% der Juden wurden direkt in die Gaskammern geschickt, der Rest als „arbeitsfähig“ befunden und den Baracken zugewiesen. Polnischen Häftlingen blieb dieses Schicksal erspart.

  • Ausschwitz Birkenau Laderampe
  • Ausschwitz Birkenau Laderampe
  • Ausschwitz Birkenau Laderampe
  • Ausschwitz Birkenau Laderampe
  • Ausschwitz Birkenau Laderampe
  • Ausschwitz Birkenau Laderampe
  • Ausschwitz Birkenau Laderampe

Dort, wo die Selektion stattfand, steht noch heute ein original restaurierter Waggon. Der Weg nach rechts bedeutete hier den sicheren Tod, begleitet von vermeintlichen Rot-Kreuz-Wagen, die allerdings das tödliche Zyklon B transportierten.

KZ Birkenau Laderampe Waggon

Während des Rundgangs durchs Lager erfährt man auch Geschichten zum Lagerleben, wie z.B. von den „schönsten Frauen“ im Lager, die es aufgrund ihrer Tätigkeit in eine besondere Position geschafft hatten. Sie waren die einzigen, die sich ihre weiblichen Formen erhalten konnten – waren sie doch als Aussortiererinnen in „Kanada“ tätig – jener Abteilung, die das zurückgelassene Habgut der ermordeten Ankömmlinge durchsiebten und zur Weiterverteilung bearbeiteten. Da konnte schon mal sein, dass ein Stück Kuchen oder Shampoo abfiel – und man sich die Haarpracht bis auf weiteres erhalten konnte.

Baracken Birkenau

Wie in „Kanada“ (eine Anspielung auf das erträumte Paradies) sah es in den Baracken nicht aus. Vier, sechs oder acht (manchmal sogar mehr) Personen mussten sich hier eines der Strohlager auf drei Etagen teilen – von ausreichend Decken, Isolierung oder angrenzender Waschgelegenheit natürlich nicht zu sprechen. Die Baracken sind heute nicht mehr im Originalzustand zu sehen, aber man kann es sich auch so nicht vorstellen, wie es gewesen sein muss, eingepfercht wie die Sardinen nebeneinander zu liegen, den Gestank von ungewaschenen Körpern und verstockter Kleidung in der Nase, regelmäßigem Besuch von Ratten in den Kojen…

Baracken Birkenau

Im hinteren Teil des Areals wurden Kästen mit Geschirr und Besteck ausgestellt, die nur einen Bruchteil einer Idee vermitteln, wie viele Personen hier einst ihr Leben verloren haben.

zurückgelassenes Habgut Birkenau

Und ja, ebenso im hinteren Teil findet man auch die Ruinen der Krematorien und Gaskammern, die von den Nazis vor dem Eintreffen der Roten Armee gesprengt wurden.

Heute stehen dort, wo die Asche aus den Krematorien in die umliegenden Teiche geleert wurden, Grabsteine als Mahnmale mitten im Wald – an einem Platz, der unter normalen Umständen als idyllisch zu bezeichnen wäre: ein leicht sumpfiges Areal, bei dem nur leises Vogelzwitschern aus den Baumreihen hervortönt.

Unseren Rundgang beenden wir dort, wo schon in den letzten Monaten alle Gebäude wieder abgetragen wurden. Der Name „Mexiko“ steht auch heute noch in Polen sprichwörtlich für ein großes Durcheinander. Aufgrund des überfüllten Lagers entstanden hier Durchgangs-Baracken, in denen den Häftlingen nicht einmal mehr Kleidung zur Verfügung stand.

6. Die eindrücklichsten Momente: mein persönliches Fazit der Auschwitz-Besichtigung

Es ist schwer, die Eindrücke beim Besuch von Auschwitz richtig zu wiederzugeben. Eigentlich handelt es sich um eine Vielzahl von Emotionen, die da auf einen einprasseln.

Klar, von vielem hat man natürlich gehört oder gelesen, sei es im Schulunterricht, Büchern oder TV-Dokumentationen. Aber dann direkt vor Ort mit der systematischen Vernichtung dieser unglaublich hohen Zahl von Menschen konfrontiert zu werden, und sich zu versuchen vorzustellen, wem die Koffer, Taschen, Brillen, Schuhe – und vor allem Haare – gehört haben müssen, übersteigt dann eigentlich jegliche Phantasie.

Eindrücke Besuch KZ Auschwitz

Besonders die kleinen „Episoden“ des Lagerlebens (Kinderzeichnungen, die „schönen Frauen“ des Lagers, die Luftlöcher der Todeszellen) machen den Besuch des KZs schwer verdaulich – weil es eben realistischer ist, als man es jemals durch Zeitungsberichte oder TV-Dokumentationen vermittelt bekommen hat.

Was sich dann unerwartet zu einem richtigen „Aha-Erlebnis“ herauskristallisierte, war eine Sicht der Dinge, auf die uns unser Guide nicht nur einmal aufmerksam machte (und die er auch eindrücklich betonte): Die Tatsache, dass das KZ Auschwitz für die polnische Bevölkerung nur eines von vielen darstellt – und von weitem nicht das wichtigste der vielen Lager (an die 50 sollen es rundherum gewesen sein).

Auschwitz Konzentrationslager

Ausländische Gäste, ob aus dem europäischen Umland oder gar aus Übersee, fahren in Massen nach Auschwitz, um hier der Vernichtung der 1.1 Millionen Juden zu gedenken, die in Auschwitz den Tod fanden. Für die Polen selbst haben andere Konzentrationslager eine weitaus höhere Bedeutung, allen voran Treblinka oder auch das in Krakau unweit des Ghettoplatzes gelegene Płaszów. Mit dem Mord an den unzähligen internierten Polen, die nur in den wenigsten Fällen richtige Widerstandskämpfer gewesen waren, beschäftigt man sich als Ausländer eher selten.

Polen sollte dem Boden gleichgemacht werden, um den „deutschen Herrenmenschen“ Platz zu machen. Die Tatsache, dass in Polen ganze 17% der Bevölkerung, dh. insgesamt sechs Millionen Polen (von denen drei Millionen Juden waren), dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen sind, wird in unserer Geschichtsschreibung viel zu wenig beleuchtet.

Auch diese Kriegsgräuel werden bei einer Führung in Auschwitz vor den Vorhang geholt – meiner Meinung nach zu Recht.

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