WARSCHAU: 7 Dinge die man in der Stadt der Gegensätze tun kann

Was man in Warschau machen kann: das alte, das besiegte und das moderne Warschau entdecken, einen alten Palast bewundern (und viele neue) – und ein Stück Polen erleben


Warschau. Wer kennt diese Stadt schon? Bis zum meinem Besuch in der polnischen Hauptstadt wusste ich wenig – von Warschau, aber auch von Polen selbst.

Die ehemals sozialistische Stadt mutet heutzutage ziemlich europäisch an. Beim ersten Eindruck glaube ich, in Frankfurt gelandet zu sein.

Dennoch: in Warschau gibt’s viel an Geschichte zu entdecken. Ich bin kein Weltkriegs-Nostalgiker, die verstörende Geschichte Warschaus hat mich aber nicht losgelassen. Aus einer herrlichen Stadt bin ich ziemlich nachdenklich nach Hause gefahren.

Gottseidank lässt sich die Stadt aber aus mehreren Blickwinkeln betrachten.

Ausgeflogen nach Warschau: wie man die polnische Hauptstadt sehen kann
1. das alte Warschau: ein Rundgang durch eine – eigentlich neue – Stadt
2. das königliche Warschau: von einem, der auszog, um …
3. Warschauer Aufstand Teil I: wo heute noch Reste des Ghettos zu finden sind
4. Warschauer Aufstand Teil II: eine weitere bedrückende Lektion Geschichte
5. das sozialistische Warschau: ein ganz besonderes Geschenk
6. das moderne Warschau: auf europäischem Höhenflug
7. Warschau als Hauptstadt: Polen zum Angreifen

meine Tipps für Warschau: Anreise, Öffis, Touristen-Bus-Route (und ein WC-Tipp)

Warschau – Stadt der Gegensätze

Eine europäische Metropole entsteht in Warschau nicht erst sie ist schon da. Aktuell matcht sich die polnische Hauptstadt um das höchste Wohngebäude der EU.

Wie die größte Baustelle Europas wohl vor 20 Jahren ausgesehen hat, als im Zuge der EM Flughafen, Bahnhof & Co saniert wurden?

Die Wolkenkratzer hätten gefehlt, die mich gefühlt nach Frankfurt versetzen. Vom Aufbau ähnelt die Stadt aber nach wie vor anderen ehemals sozialistischen Metropolen wie Budapest oder Moskau. Weite Boulevards prägen die Stadt, die von einer Zuckerbäcker-Kathedrale á la Stalin garniert wird.

Warschau Städtebild

Die Stadt an der Weichsel ist mit rund 1.7 Millionen Einwohnern auch ungemein größer als Wien, verstärkt wird das Feeling auch durch die Trabantenstädte rundherum.


diese Stadt ist voller Geschichte – leider

So bombastisch wie in Warschau habe ich eine Stadtbesichtigung noch nie verlebt. Hier wird der Wochenend-Trip zum bedrückenden Ausflug in die Geschichte. Gleich zwei Aufstände samt deren Niederschlagung haben die Stadt im zweiten Weltkrieg immens geprägt. Nach dem Krieg musste sich die Stadt wieder neu erfinden


warum man einmal in Warschau gewesen sein sollte

  • weil die Gegensätze enorm sind
    Der erste Eindruck: eine moderne Stadt. Doch in Warschau lässt es sich nicht vermeiden, in die bedrückende polnische Geschichte einzutauchen. Und mit dem Kulturpalast mitten im Ensemble zahlreicher Skyscraper hat die Stadt auch noch optische Gegensätze vorzuweisen.
warum Warschau besuchen
  • weil sich die Stadt neu erfindet
    Was der erste Eindruck zusätzlich vermittelt: hier hat sich was getan, und hier wird sich noch einiges tun. Die Stadt ist in Bewegung, die unzähligen Baukräne geben eine Vorahnung darauf, dass die Stadt in den nächsten 20 Jahren wohl wieder ein neues Gesicht bekommen wird.
  • weil einen die Emotionen packen können
    Das gibt zu denken: gleich zwei niedergeschlagene Aufstände innerhalb von zwei Jahren, deren Folge die vollkommene Zerstörung der Stadt zur Folge hatte. Eine alte polnische Karte, auf der flächendeckend zahlreiche Konzentrationslager eingezeichnet sind. So etwas nimmt man unweigerlich mit nach Hause.
  • weil hier Ostcharme dazukommt
    Aber auch: der polnische Charme, der in der ehemals sozialistischen Metropole dazukommt. Die Verehrung des Papstes, die typisch polnischen Friedhofs-Spaziergänge. Polen wie es leibt und lebt.
  • weil Warschau eine Hauptstadt ist
    Warschau ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Polens. Teuer, unbeliebt – aber perfekt, um die Karriere voranzutreiben. Die vielen Büropendler fallen mir schon am Weg vom Flughafen ins Zentrum auf.
    Allerdings: Das besondere Flair von Danzig fehlt. Auch Danzig wurde im Krieg zerstört und hat genug an „Geschichte“ erlebt“. Die alte Hansestadt an der Ostsee verströmt allerdings nicht nur Lebensfreude, sondern den Charme vergangener Zeiten. Das „echte Polen“ findet man dafür in Warschau.

Warschau ist übrigens schon seit 1596 Hauptstadt. Allerdings mit Unterbrechungen, die der wechselvollen polnischen Geschichte geschuldet sind.

Ein kurzer Abriss der polnischen Geschichte

Kurz gesagt: Nicht erst 1944 wurde Warschau dem Boden gleichgemacht. Besetzt oder vernichtet, geteilt oder ganz von der Landkarte gelöscht wurde Polen in seiner Geschichte des öfteren. Von Schweden, Preußen und Russen, und das nicht nur einmal.


eine Geschichte der Unterdrückung

Im 16. Jahrhundert als neuer Regierungssitz auserkoren, wird Warschau nicht lange danach von den schwedischen Besatzern dem Erdboden gleich gemacht.

Ende des 18. Jahrhunderts wird Polen zweimal geteilt, danach von Russland besetzt. Bei der dritten Teilung verschwindet der Staat überhaupt gleich ganz von der Landkarte. Warschau wird diesmal von den Preußen besetzt.

Nach einem kurzen napoleonischen Zwischenspiel marschieren Anfang des 19. Jahrhunderts die Russen ein. Polen darf wieder Königreich sein, wenn auch unter russischer Kontrolle. Die russische Unterdrückung führt 1904 zum Aufstand gegenüber den Machthabern.

Zu den Aufständen von 1943 und 1944 – siehe Punkt 3 und 4.

der Sehenswürdigkeiten-Rundgang durch Warschau

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1. das alte Warschau: ein Rundgang durch eine – eigentlich neue – Stadt

Die Warschauer Altstadt ist eigentlich ziemlich neu. Nachdem sie von den deutschen Besatzern im Jahr 1944 dem Erdboden gleich gemacht wurde – 90% der Altstadt wurde zerstört – wurde die Stadt nach Kriegsende wiederaufgebaut. Diese schreckliche Geschichte hat ihr den Status als UNESCO Weltkulturerbe eingebracht.


Schlossplatz – das Tor zur Altstadt

Kein Schlossplatz ohne Schloss, das ist auch in Warschau nicht anders. Allerdings: dieses Schloss ist jünger als ich selbst, wurde es denn erst in den 70er und 80er Jahren wiederaufgebaut. Die Bevölkerung half durch Spenden, woran davor die kommunistischen Machthaber kein Interesse hatten.

Warschau Schlossplatz

Markant thront die Zygmunt-Säule am Platz: ein Hotspot für Liebespaare, und Referenz an König Zygmunt III., der die Hauptstadt Ende des 16. Jahrhunderts von Krakau nach Warschau verlegte – und somit auch die Königsresidenz.

Schlossplatz

über den Altstadtmarkt zu den Festungsmauern

Vom Schlossplatz – dem südlichen Ende der Altstadt – verläuft mein Weg nach Norden. Der Altstadtmarkt stellte bis zum 18. Jahrhundert den Warschauer Hauptplatz dar. Das Ensemble der hübschen Bürgerhäuser umringt das Wappentier in der Mitte des Platzes – die Warschauer Sirene.

Über den Barbakan – die verstärkte Stadtmauer, die ebenfalls nach dem Krieg wiederaufgebaut wurden, führt der Weg in die direkt angrenzende Neustadt. Beim Blick von den Stadtmauern erkennt man die Lage der Altstadt gut: sie liegt auf einer Weichselböschung. Den Hintergrund dominiert das neu erbaute Stadion.

Die weiter nördlich gelegene Neustadt – das ehemalige Handwerkerviertel – ist ebenso Teil der wiederaufgebauten Altstadt von Warschau. Diesmal im Stil des ausgehenden 18. Jahrhunderts – nur die Straßen wurden verbreitert. Besonders die Ulica Freta mit ihren Bürgerhäusern, Zunftschildern und schmiedeeisernen Straßenlaternen hats mir angetan.

2. das königliche Warschau: von einem, der auszog, um … Wien zu retten

Zurück beim Schloss führt mich der Weg weiter in südlicher Richtung. Seit dem 18. Jahrhundert verbindet der Königsweg das Schloss mit dem Insel- bzw. Wasserpalais im Lazienki-Park. Aber nicht nur zu dieser ehemaligen königlichen Sommerresidenz führt der Weg.

Auch Schloss Wilanow liegt auf der Strecke. Dem Schlossherren können wir heute noch dankbar sein: Polenkönig Jan Sobieski war es, der Wien 1683 vor den Türken gerettet hat.

Ich folge dem Weg bis zum Lazienki-Park zu Fuß und setze mich für die weitere Strecke (zum Jan-Sobieski-Schloss sinds insgesamt 10 Kilometer) in den Bus.


Repräsentationsbauten in der Krakauer Vorstadt

Der nördliche Teil des Königswegs protzt und prahlt: In der Ulica Krakowskie Przedmiescie dürfen sich Paläste und historische Gebäude auf einem guten Kilometer präsentieren. Die dazugehörigen Monumente gibt’s auf den „Skwers“ gratis dazu.

Vor dem Präsidentenpalast überraschen mich Birkenkreuze. Ein Gedenken an 2010 (!), bei dem der ehemalige Präsident Lech Kaczynski bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist.

Präsidentenpalast Warschau

In der Heiligenkreuzkirche gedenkt man dem gebürtigen Polen Frédéric (Fryderyk) Chopin – oder zumindest seinem in der Kirche aufbewahrten Herzen. Und vor der Akademie der Wissenschaften hat man dem deutschstämmigen Polen Nikolaus Kopernikus ein Denkmal gesetzt.

Kopernikus Denkmal

Die Prachtstraße hatte ich mir schnuckeliger vorgestellt – hatte ich doch erst kurz davor ebenfalls einen „Königsweg“ in Danzig beschritten. Zumindest ab hier geht’s dann aber etwas gemütlicher weiter.

Schnuckeliger“ wärs sicherlich in Mariensztat gewesen, der touristisch (leider auch von mir) unentdeckten „zweiten Altstadt“, die zwischen Krakauer Vorstadt und Weichsel liegt.


Restaurants und Cafés in der „Neuen Welt“

Das Erscheinungsbild des Königswegs ändert sich in der Nowy Swiat. Auch diese Einkaufsstraße wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut. Hier herrscht echtes Fußgängerzonen-Feeling (und einen Kaffee genehmige ich mir auch…).

Die Nowy Swiat zieht sich bis zum nach de Gaulle benannten Rondeau hinunter, das heute ein (auch optisch) fragwürdiges Wahrzeichen beherbergt: eine Palme. Für mich eher beeindruckend: die auffallende Statue des französischen Staatsmanns vor dem ehemaligen „Haus der Partei“.


ein Sprung zur Weichsel

Ich habe den Blick auf die Weichsel wohl am falschen Eck unternommen. Hier, an der Poniatowski Brücke, kann ich die naturnahen Strände und Radwege, die Strandbars und Spielplätze am Weichselufer nicht erkennen. Eher die Industrieschlote im Hintergrund. Aber es ist auch Winter….

Vom Dachgarten der Universitätsbibliothek soll man einen schönen Blick auf die Weichsel haben. Die Universität befindet sich an der ulica Krakowskie Przedmiescie gleich unterhalb des Präsidentenpalasts, die Bibliothek in Richtung Weichselufer.


wo die Altstadt noch echt ist

Übrigens: es gibt noch das echte „alte“ Warschau – das Warschau, das nicht von den Deutschen dem Erdboden gleichgemacht wurde. Im alten Arbeiterviertel Praga findet man noch alte Hinterhöfe aus Jahrhundertwende-Zeiten. Der Stadtteil erfindet sich gerade als Szeneviertel neu.

Wo? Gleich gegenüber der Universitätsbibliothek am anderen Ufer der Weichsel.


weiter zum Lazienki-Park

Am phonologisch bemerkenswerten Platz der Drei Kreuze (Plac Trzech Krzyzy) halte ich mich rechts an die Aleja Ujazdowskie und spaziere an mehreren Botschaften vorbei. Bereits hier kann ich mir gut vorstellen, wie angenehm so ein Flanier-Bummel im Sommer sein mag.

Und dann erst recht im Lazienki-Park: der englische Landschaftspark hat nicht nur endlose Grünflächen samt Teichen und Kanälen, sondern auch das Insel- bzw. Wasserpalais, eine Orangerie, eine Amphitheater sowie einen chinesischen Garten zu bieten.

Ich bleibe am Königsweg am Rand des Parks und nehme das Chopin-Denkmal mit, das dem großen Sohn der Stadt gewidmet ist.

Lazienki Park Chopin

von einem, der auszog, um Wien zu retten

Den Endpunkt des Königswegs steuere ich dann nicht mehr per Pedes, sondern per Bus an. Schloss Wilanow liegt am anderen Ende der Royal Mile – gute 10 Kilometer vom Königsschloss der Altstadt entfernt.

Leichtes Schönbrunn-Feeling kommt hier auf! Und Schloss Wilanow hat auch Bezug zu Wien, allerdings geschichtlicher Natur: Dem Schlossherren, Polenkönig Jan Sobieski III., verdanken wir die Rettung des von den Türken besetzten Wiens im Jahr 1683.

Der Palast kann besichtigt werden. Im Nebengebäude ist ein Plakatmuseum untergebracht, das den schreienden Reklameschildern aus Kommunismuszeiten gewidmet ist.
Anreise mit Bus 180 (siehe Tipps).

3. Warschauer Aufstand Teil I: wo heute noch Reste des Ghettos zu finden sind

Warschau hatte die größte jüdische Gemeinde Europas (bzw. zweitgrößte der Welt) vorzuweisen: 380.000 Juden lebten bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in der Stadt.

1940 errichteten die deutschen Besatzer ein jüdisches Ghetto. Auf nur vier Quadratkilometern wurden in Höchstzeiten bis zu 450.000 Juden zusammengepfercht. Ein Blick über die drei Meter hohe Ghettomauer war nur beim Brückenübergang vom „Großen“ zum „Kleinen Ghetto“ möglich (das kleinere Ghetto war für diejenigen bestimmt, die ihrer Arbeit nachgehen durften).

Warschauer Ghetto

Ab 1942 diente das Ghetto als Auffangbecken für die aufgelassenen Ghettos des Deutschen Reiches. Kurz darauf wurden auch aus dem Warschauer Ghetto 300.000 Juden in die systematische Vernichtung getrieben. Die daraufhin gegründete jüdische Untergrundbewegung kulminierte im Aufstand vom April und Mai 1943.

Als Folge des Aufstands fanden 60.000 Juden den Tod, der Rest wurde in Vernichtungslager deportiert. Das gesamte Ghetto wurde dem Boden gleichgemacht.


was heute noch vom Warschauer Ghetto übrig ist

Am Eindrucksvollsten lässt sich das Warschauer Ghetto bei der „Footbridge of Memory“ erfühlen. Wo heute Plattenbauten stehen, versuchen Schautafeln einen Eindruck der des damaligen Ghettos zu vermitteln.

Die Straßenführung wurde nach der Zerstörung des Ghettos in den meisten Fällen vollkommen verändert. Eine Möglichkeit für einen Blick auf die alten Häuserreihen gibt es allerdings in der ulica Prozna: einer der wenigen Straßen, die sich bis heute erhalten haben.

Warschau Ghetto alte Straßen

Unübersehbar – weil direkt vor dem Kulturpalast – wirkt der am Boden symbolische „Rest“ der Ghettomauer.

Die einzige erhaltene Synagoge verdankt ihre Existenz den Deutschen selbst – die Nozyk-Synagoge wurde als Stall und Speicher genutzt (und in den 70er Jahren wieder restauriert). Der jüdische Friedhof wird auch heute noch genutzt, zeigt aber ein klassisches Erscheinungsbild. Er ist stark verfallen.

Eindrucksvoll auch der Umschlagplatz. Direkt am Rand des Ghettos wurden hier die Zugtransporte ins Vernichtungslager Treblinka durchgeführt.

Ein absolutes Warschau-Muss ist das Denkmal für die jüdischen Ghetto-Helden – besser bekannt als Kniefall-Monument. Ein starker Moment der deutsch-jüdischen (bzw. deutsch-polnischen) Aussöhnung war es, als Willy Brandt 1970 vor dem Mahnmal der ermordeten Juden niederkniete.

Kniefall Monument

Im Park, in dem sich das Monument befindet, ist auch das POLIN Museum jüdischer Geschichte, sowie eine Erinnerung an Willy Brandt selbst (am „Skwer Willy´ego Brandta“) zu finden.

Das Denkmal für die Ghettobrücke befindet sich bei der Kreuzung ulica Chlodna und Zelazna. Ein letztes echtes Stück Ghettomauer ist in einem Hinterhof in der ulica Zlota 6 zu finden.
POLIN, das Kniefall-Monument sowie das Brandt-Monument befinden sich auf einem kleinen Park an der ulica Anielewicza.

4. Warschauer Aufstand Teil II: eine weitere bedrückende Lektion Geschichte

Ein Jahr später dann der nächste Aufstand. Diesmal doppelt so lange, aber mit dem gleichen – oder sogar noch verheerenderen – Ergebnis: nach dem Warschauer Aufstand wird gleich die ganze Stadt dem Erdboden gleichgemacht.

Die Warschauer Heimatarmee AK erhebt sich im August 1944 unter der Hoffnung auf baldige Befreiung gegen die deutschen Besatzer – stehen doch die Sowjets kurz vor Warschau. Die Kämpfe werden im Oktober eingestellt.

Der Aufstand kostet rund 20.000 Kämpfern sowie 200.000 Zivilisten das Leben. Die Überlebenden werden deportiert, die Stadt wird planmäßig vernichtet.

Die Rote Armee sieht der Vernichtung der Warschauer hinter der Weichsel zu und marschiert erst im Januar in eine menschenleere und zu 90% zerstörte Altstadt ein.


wie heute noch dem Warschauer Aufstand gedacht wird

Unweit der Altstadt befindet sich am Krasinski-Platz das Denkmal der Warschauer Aufständischen, die sich in dieser Plastik nach einem Sturmangriff in die Kanalisation zurückziehen. Im Hintergrund ein ungewohnter Kontrast: der mintgrüne Komplex des Obersten Gerichtshofs.

Auf ehemals bestem Warschauer Terrain blicke ich an der ulica Miodowa auf die Warschauer Nike, die ebenfalls den Warschauer Kriegshelden von 1939-1945 gedenkt. Leider verschwindet das Monument im Wust der Schnellstraße.

Ins Museum des Warschauer Aufstands habe ich es leider nicht geschafft: die Menschenschlange davor ist einfach zu lange. Im ehemaligen Straßenbahnwerk wird die Geschichte der Aufständischen halbwegs realistisch durch Multimedia-Installationen sowie Bunkereingänge wiedergegeben.

Museum des Warschauer Aufstands

Dafür gruselt es mich im Pawiak-Gefängnis. Im Untersuchungsgefängnis der Nazis wurden nicht nur Widerstandskämpfer, sondern auch Familien mit Kleinkindern interniert. In Gefängniszellen für 2-3 Personen wurden dabei gut und gerne bis zu 18 Personen gesteckt. Unvergessen die Karte mit den eingezeichneten Konzentrationslagern, die mir das Ausmaß der Nazi-Gräuel wieder einmal verdeutlicht.

Das Museum des Warschauer Aufstands befindet sich etwas außerhalb des Stadtzentrums an der ulica Towarowa/ulica Grzyvbowksa (Eingang in der ulica Przyokopowa).
Das Pawiak-Gefängnis wurde 1944 von den Deutschen gesprengt (daher ist an der Kreuzung ulica Jana Pawla II/Dzielna auch kein Gebäude zu finden). Die Häftlingszellen aus den Jahren 1863-1918, 1918-1939, 1939-1944 können im Keller besichtigt werden.

5. das sozialistische Warschau: ein ganz besonderes Geschenk

Warschau wurde nach dem Krieg mit bombastischen Boulevards durchzogen. Leichtes Spiel in der zu 90% zerstörten Altstadt, und natürlich auch leichtes Spiel, um ehemalige Spuren (z.B. des jüdischen Ghettos) für immer auszulöschen.

Machtdemonstration war ein Gebot der Stunde im sozialistischen Staat. Was sich bei einem Spaziergang am Königsweg bemerkbar macht.

Am Lazienki-Park marschiere ich auch am Belweder, dem Wohnsitz des Präsidenten vorbei. Klein, fein, aber oho.

Belweder Warschau

Kurz darauf: ein überdimensionales, eingezäuntes Areal, in dessen Mitte imperial die russische Botschaft thront. Nicht nur per Pedes, sondern auch per Bus dauert das Passieren ewig.

Andere Gebäude wurden aus Gründen der Machtdemonstration viel prominenter ins Herz der Stadt eingepflanzt:


der Kulturpalast: einst „Stalinstachel“, jetzt „Empire State Building von Warschau“

Und wieder einmal ein Geschenk Stalins an einen Bruderstaat. Was mir von Moskau (und später auch Bukarest) bekannt vorkommt, sticht mir auch in Warschau ins Auge. Im Gegensatz zu Moskau allerdings nicht an jedem x-beliebigen Punkt der Stadt. Dann Warschau hat nur EINE „Stalinschwester“, und diese kann gottseidank nicht jede Sichtachse der Stadt bedienen.

Der sozialistische Repräsentationsbau schmückt seit 1955 die Stadt und gehört – obwohl lange gehasst – mittlerweile dazu. Mit seinen 237 Metern ist der Kulturpalast höher als jedes Wohnhaus in Warschau.

Bombastisch dann das Innere: 38 Stockwerke, unvorstellbare 3.288 Räume, 33 Fahrstühle. Beim Umrunden (ich suche den Eingang!) merke ich: die sozialistische Erziehung sah Kultur als große Aufgabe: im Kulturpalast finden sich denn auch 4 Theater, 2 Museen, 1 Kongresssaal, 1 Ballsaal, Turnhallen, Schwimmbäder, sowie ein Kino.

  • Kulturpalast Warschau
  • Kulturpalast Warschau
  • Kulturpalast Warschau

Auf der Aussichtsterrasse im 30. Stockwerk dann die Ironie der Geschichte: die modernen Wolkenkratzer, Symbol des Kapitalismus, gruppieren sich gerade um DAS einst gehasste, mittlerweile akzeptierte Symbol der sozialistischen Unterdrückung.

Tickets für den Lift auf die Aussichtsterrasse (114m) am Haupteingang auf der östlichen Seite des Gebäudes (ulica Marszalkowska). Auch eine Tour durch die Säle und Gänge des Kulturpalasts ist möglich. Ticketinfos dazu hier.
Wer lieber den Blick AUF den Kulturpalast werfen möchte, ist im Panoramarestaurant des Marriott Hotel gut aufgehoben (ev. vorreservieren).

6. das moderne Warschau: auf europäischem Höhenflug

Warschau setzt neue Rekorde, wenns um das städtebauliche Erscheinungsbild geht – und hat dazu u.a. die Stararchitekten Sir Norman Foster sowie Daniel Libeskind geladen. Frankfurt lässt grüßen…

Mit dem Zlota 44 hatte Warschau bis vor Kurzem das höchste Wohngebäude der EU (192m) zu offerieren. Der „Varso“ soll sich mit 310 Metern wieder an die europäische Spitze schieben.

Vom Kulturpalast hat man einen herrlichen Blick auf „Zlota 44“ (das „Segel), den gedrehten „Warsaw Spire“ (220m) und Co. Einen guten Überblick über die Warschauer Wolkenkratzer zum Nachschlagen findet man hier.


aber auch: Waschau ist international aufgestellt

In Ermangelung der Kenntnis polnischer Persönlichkeiten – außer dem Papst – fällt mir bei meinen Streifzügen nur die Dichte der internationalen Widmungen auf. Von Ronald Reagan bis zu Charles de Gaulle, von Herbert Hoover bis zu John Lennon.

7. Warschau als Hauptstadt: Polen zum Angreifen

Als europäische Metropole ist Warschau doch ganz polnisch geblieben. Wo man das am Besten merkt? Bei Jan Pawel II. Und an Kirchen und Friedhöfen.

Jan Pawel II? Einmal kurz nachgedacht. Natürlich, hier handelt es sich um „unseren“ Papst Johannes Paul II. Und dem bin ich hier öfter begegnet (nicht nur hier, auch in Danzig….).

Papst Johannes Paul II polnisch

Am Powazki-Friedhof bin ich auch vorbeigekommen. Und habe mich dabei gefragt, ob ich denn einen polnischen Feiertag verpasst habe: unzählige Stände mit Blumen und Kerzerl stehen aufgereiht an einer elendslangen Friedhofsmauer.

Powazki-Friedhof

Kein Wunder: auf dem polnischen „Zentralfriedhof“ verteilen sich auf 43 Hektar über 1 Million Gräber. Begrenzt wird er dabei vom jüdischen, kaukasischen und tatarischen Friedhof.

Des Polen liebstes Hobby? Ein Spaziergang auf den Friedhofsalleen inmitten von Kapellchen, Mausoleen und Grabmälern berühmter Polen.

Bus 180 (siehe Tipps) fährt am Powazki-Friedhof vorbei.

gut zu wissen: meine Tipps für den Städtetrip nach Warschau

  • wie hinkommen
    Vom Flughafen mit dem Zug (Linie S2 oder S3) ins Zentrum.
    Für einen Wochenend-Trip bietet sich ein Wochenend-Ticket an (FR 19h – MO 8h; Zone 1-2; 24zl). Für Einzeltickets reicht auch Zone 1, selbst die Fahrt zum Flughafen ist damit abgedeckt.
  • die Öffis
    Die Warschauer Metro habe ich gar nicht benötigt. Auf den großen Boulevards fahren Straßenbahnen, dazwischen verkehren Busse.
    Andere Länder könnten sich in Punkto Netzplan einiges von Warschau abschauen: auf den Plänen sind nicht nur die Haltestellen, sondern auch der Verlauf der Straßenzüge eingezeichnet. So können sich auch Touristen gut orientieren.
    Hinweis: ich wurde bei drei Tramfahrten gleich zweimal kontrolliert. Und auch im Flughafenzug wurde mein Ticket verlangt.
  • Tipp: „Touristenbus“ 180 nehmen!
    Der „180er“ fährt an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten entlang: vom Powazki-Friedhof bis nach Wilanow. Wo ich überall vorbeigekommen bin:
    am Kniefall-Monument
    am Denkmal des Warschauer Aufstands
    an der ulica Miodowa mit Blick auf die Warschauer Nike
    am Schlossplatz
    an der Königsmeile (Krakauer Vorstadt, Neue Welt)
    am Charles de Gaulle Rondo
    am Lazienki-Park
    an den Warschauer Ausfallstraßen mit Plattenbauten-Flair
    am Schloss Wilanow
  • zum Abschluss noch ein „Klo-Tipp“
    Nicht verwirren lassen: Damen nehmen die Tür mit dem Kreis, Herren die mit dem Dreieck!

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