Radeln einmal anders: unterwegs auf der KULINARISCHEN RADTOUR in Hall in Tirol

5
(1)

Was man bei einer kulinarischen Radtour durch Hall und Umgebung erlebt: meine Tipps für die Tour durch den Gemüsegarten Tirols. (Werbung)


Schon einmal eine kulinarische Radtour ausprobiert? Damit ist nicht – wie sonst vielleicht üblich – das Einkehren von einem Wirt zum nächsten gemeint. Rund um Hall in Tirol, mitten im „Gemüseland Tirols“, führt die Route stattdessen hinter die Hoftüren regionaler Produzenten.

Ein tolles Konzept: Wann bekommt man schon die Gelegenheit, mit jenen ins Gespräch zu kommen, die unsere Lebensmittel herstellen, und dabei einen direkten Einblick in ihre Arbeit und ihre Höfe zu bekommen?

Dass dabei das eine oder andere regionale Erzeugnis im Einkaufskorb landet, ist ein angenehmer Nebeneffekt – und macht die kulinarische Radtour zu einem Erlebnis, das weit über eine gewöhnliche Radtour hinausgeht.

Aus-Geradelt zu den Hofläden rund um Hall in Tirol: eine kleine, feine Auswahl
1. Die Fischzucht Thaur: wo die „Urforelle“ wieder heimisch wird
2. Die Bienenwerkstatt Absam: Einblicke in die faszinierende Welt der Bienen
3. Der Biohof Lumperer in Fritzens: „Nimm Platz“ zwischen Tomaten
4. Der Biohof Meisl in Absam: von Christbaumschafen und Edelbränden

Kulinarische Radtour: worum geht’s?

Was für eine nette Idee – und eine, die wie geschaffen dafür ist, Bewegung mit Genuss zu verbinden. Rund um Hall in Tirol, wo sich das größte Gemüseanbaugebiet Tirols erstreckt, verbindet die Route Hofläden, die sich bequem mit dem Rad erkunden lassen.

Neun Betriebe sind dabei und zeigen, wie vielfältig die Direktvermarktung in der Region ist: entlang der Route gibt es Fleisch und Käse, Gemüse und Honig, aber sogar Fisch zu entdecken.

Die Radtour führt mitten durch die Felder: vorbei an Radieschen und Salat, mit dem imposanten Karwendelgebirge auf der einen und den Tuxer Alpen auf der anderen Seite. ei klarer Sicht reicht der Blick sogar bis zum Stubaier Gletscher. Allein diese Kulisse ist ein guter Grund, sich aufs Rad zu schwingen.

  • kulinarische Radtour Hall in Tirol
  • kulinarische Radtour Hall in Tirol
  • kulinarische Radtour Hall in Tirol

Der zweite Grund liegt in den Produkten, die unterwegs in den Einkaufskorb – oder besser gesagt: in die Radtasche – wandern. Lebensmittel, die mit viel Liebe, Handarbeit und Leidenschaft erzeugt werden.

Doch eigentlich geht es um mehr als schöne Aussichten und regionale Schmankerl. Es geht um die Menschen, die hinter unseren Lebensmitteln stehen. Wer bei den Höfen Halt macht, kommt schnell mit den Landwirtinnen und Landwirten ins Gespräch: Wie wird das Gemüse angebaut? Was braucht es, um Tiere zu halten? Welche Herausforderungen bringt die tägliche Arbeit mit sich? Denn spätestens dann stellt sich die Frage: Was nehmen wir eigentlich Tag für Tag zu uns? Und woher kommen die Lebensmittel auf unserem Teller?

kulinarische Radtour Hall in Tirol

Vielleicht ist genau das der schönste Nebeneffekt dieser Radtour: Sie bringt nicht nur Bewegung und Genuss zusammen, sondern regt auch dazu an, über den eigenen Lebensmittelkonsum nachzudenken – und vielleicht das eine oder andere im Alltag zu verändern.


Die Stationen der kulinarischen Radtour in Hall

Die kulinarische Radtour führt von Hall in Tirol nach Thaur, weiter über Absam und Baumkirchen bis nach Fritzens. Von dort geht es entlang des Inns und durch Mils wieder zurück nach Hall.

Die rund 26 Kilometer lange Strecke verläuft überwiegend auf Radwegen und ruhigen Nebenstraßen. Mal geht es mitten durch die Orte, dann wieder hinaus zwischen Felder und Wiesen. Zwischendurch führt die Route auch durch kurze Waldstücke und über einige wenige Schotterpassagen.

  • kulinarische Radtour Hall in Tirol Route
  • kulinarische Radtour Hall in Tirol Route
  • kulinarische Radtour Hall in Tirol Route
  • kulinarische Radtour Hall in Tirol Route
  • kulinarische Radtour Hall in Tirol Route

Mit rund 320 Höhenmetern ist die Strecke durchaus abwechslungsreich, ohne besonders anspruchsvoll zu sein. Es geht immer wieder ein bisschen bergauf und bergab – genau richtig, um zwischendurch bei einem der teilnehmenden Betriebe Halt zu machen.

Für die reine Radstrecke sollte man etwa zwei bis drei Stunden einplanen. Wer die kulinarische Radtour aber wirklich genießen möchte, sollte deutlich mehr Zeit mitbringen – vor allem, wenn er die geführte Gruppentour gebucht hat.

kulinarische Radtour Hall in Tirol

Denn hier geht es nicht darum, möglichst schnell von einem Hof zum nächsten zu kommen. Zeit für Gespräche gehört genauso dazu wie Zeit zum Schauen, Probieren und Einkaufen. Wie lange die Tour tatsächlich dauert, hängt deshalb vor allem davon ab, wie viel Zeit man bei den einzelnen Stationen verbringt.


Die teilnehmenden Hofläden

  • Bartlhof Thaur
  • Thaurer Bauernladen
  • Fischzucht Thaur
  • Biohof Franzeler Absam
  • Bio-Gemüsehof Krippach Absam
  • Bienenwerkstatt Absam
  • Biohof Lumperer Fritzens
  • Weberhof Mils
  • Biohof Meisl Absam

Wie die kulinarische Radtour rund um Hall abläuft

Die kulinarische Radtour lässt sich auf zwei Arten erleben: individuell oder im Rahmen eines vom Tourismusverband angebotenen Gruppentermins.

Wer die Tour lieber auf eigene Faust erkundet, kann ganz entspannt von Hof zu Hof radeln und selbst entscheiden, wie lange die Stopps dauern. Am besten radeln man, den Öffnungszeiten der Hofläden angepasst, an einem Freitag. Zwei Dinge gehören dabei unbedingt ins Gepäck: ein bisschen Kleingeld für die Einkäufe und genügend Platz in Rucksack oder Radtasche.

kulinarische Radtour Hall in Tirol Route

Noch schöner ist die Tour bei einem der angebotenen Gruppentermine. Der große Vorteil: Man kommt viel leichter mit den Produzentinnen und Produzenten ins Gespräch und bekommt aus erster Hand Einblicke in ihre Arbeit. Und auch für die Einkäufe ist gesorgt: Alles, was unterwegs in den Einkaufskorb wandert, wird ganz praktisch im begleitenden Lastenrad transportiert.

Radfahren Hall in Tirol

Bei meinem Besuch wurde die Tour von Radguide Fritz geführt, das Schlusslicht bildete Nina vom Tourismusverband mit dem „Einkaufsrad“. Zu Mittag wurde gemeinsam am Lumperer Hof in Fritzens eingekehrt und bei einem kleinen Imbiss neue Energie getankt. Wir waren bei insgesamt vier Produzenten zu Gast, die uns jeweils ihren ganz persönlichen Einblick in die regionale Lebensmittelproduktion vermittelten.

Mittagessen Lumperer Hof in Fritzens

Tipp: Für die Gruppentour unbedingt ausreichend Zeit mitbringen. Gerade die Gespräche mit den Menschen hinter den Produkten machen den besonderen Reiz der Tour aus – was durchaus länger als die angegebenen sechs Stunden dauern kann.

Mehr Informationen zur Route, den nächsten angebotenen Terminen und den Kosten gibt es hier; einen Folder mit Infos zur Route und den einzelnen Betrieben kann man sich in der Tourismusinformation Hall abholen. Wer kein eigenes Rad dabei hat, kann sich gleich daneben ein Fahrrad in der Bike Box ausleihen.


Mehr zur Region

Hall in Tirol Sehenswürdigkeiten

Feines Städtchen mit großer Geschichte: ein Rundgang durch Hall in Tirol

1. Die Fischzucht Thaur: wo die „Urforelle“ wieder heimisch wird

Unser erster Stopp führt zur Fischzucht Thaur – und schon nach den ersten Minuten wird klar, wie viel Leidenschaft und Wissen hinter diesem Betrieb steckt.

Fischzucht Thaur

Nikolaus Medgyesy erzählt mit großer Begeisterung von seinen Fischen, der Geschichte dieser einzigartigen Fischzucht und davon, worauf es bei einer naturnahen und biologischen Aufzucht ankommt. Man könnte ihm einfach stundenlang zuhören – und lernt dabei ganz nebenbei erstaunlich viel darüber, was normalerweise so auf unserem Teller landet.

Nikolaus Medgyesy Fischzucht Thaur

Die Geschichte des Betriebs reicht weit zurück: Bereits 1504 wurde sie im Fischereibuch von Kaiser Maximilian erwähnt. Heute liegt ein besonderes Augenmerk auf dem Erhalt der donaustämmigen Urforelle. Die heimische Bachforelle kommt bereits seit der letzten Eiszeit vor und war in Tirol zwischenzeitlich beinahe verschwunden.

Besonders spannend ist der Rundgang durch die Anlage. Zuerst geht es ins Bruthaus, wo die winzig kleinen Fische in den Aufzuchtbecken heranwachsen. Rund 10.000 Fische werden hier aufgezogen. Danach führt der Weg hinaus zu den 25 Naturteichen auf dem Gelände.

In der Fischzucht Thaur darf alles ein bisschen länger dauern: Während Fische in herkömmlicher Zucht teilweise schon nach rund einem Jahr auf dem Teller landen, brauchen sie hier bis zu vier Jahre. Auf chemische Hilfsmittel wird verzichtet, stattdessen wachsen die Fische möglichst naturnah und in ihrem eigenen Tempo heran. Und genau diese Zeit bekommt man am Ende auch zu schmecken.

Wer Wert darauf legt, zu wissen, woher die Lebensmittel auf dem Teller kommen und wie sie produziert werden, sollte Nikolaus Medgyesy unbedingt einmal zuhören. Und plötzlich stellt sich beim nächsten Fisch auf dem Teller eine Frage, über die man sonst kaum nachdenkt: Wie ist dieser eigentlich groß geworden?
Mehr Infos: Fischzucht Thaur, Fischzuchtweg 3 · 6065 Thaur

2. Die Bienenwerkstatt Absam: Einblicke in die faszinierende Welt der Bienen

Die zweite Station der kulinarischen Radtour führt uns zu Albert Unterkircher nach Absam – und gleich hinein in seinen Garten, in dem auch einige Bienenstöcke zu sehen sind.

Bienenwerkstatt Absam

Bei unserem Besuch ist der Bienensommer so gut wie vorbei. Die Sommerbienen haben ihre fleißige Zeit hinter sich: Drei bis sechs Wochen lang waren sie unterwegs, um auf rund 1.500 Metern Höhe Nektar und Pollen zu sammeln – unter anderem von Almrosen, Löwenzahn, Himbeeren und Heidelbeeren.

Bienenwerkstatt Absam

Nun beginnt langsam die Zeit der Winterbienen. Sie leben deutlich länger als ihre kurzlebigen Sommerkolleginnen und -kollegen: Bis zu acht oder neun Monate können sie im Bienenstock bleiben. Und sie haben eine besonders wichtige Aufgabe: Sie überwintern nicht nur, sondern ziehen bereits die nächste Generation der Sommerbienen auf.

Wir tauchen ein in die faszinierende Welt des Bienenstocks: Welche Aufgaben haben Arbeiterinnen, Drohnen und die Königin? Wie wird eine Königin überhaupt zur Königin – und welche Rolle spielt dabei das Gelee Royale? Albert Unterkircher erzählt anschaulich aus dem Leben eines Bienenvolkes und macht dabei deutlich, wie perfekt das Zusammenspiel der einzelnen Bienen funktioniert.

Nach so viel Bienenwissen darf natürlich auch das Verkosten nicht fehlen. Und da wird schnell klar, wie unterschiedlich Honig schmecken kann: Auf dem Tisch stehen verschiedene Bio-Honige, darunter der erwähnte Almrosenhonig. Dazu kommen Propolis, verschiedene Liköre und Oxymel – ein altes Hausmittel aus Honig und Essig. Natürlich alles in Bio-Qualität.
Mehr Infos: Bienenwerkstatt Absam, Finkenberg 10a, 6067 Absam

3. Der Biohof Lumperer in Fritzens: „Nimm Platz“ unter Tomaten

Die dritte Station unserer kulinarischen Radtour ist zugleich ein etwas längerer Stopp – denn am Biohof Lumperer dürfen wir nicht nur schauen, was auf den Feldern wächst, sondern es auch gleich probieren.

Biohof Lumperer Fritzens

Und was für ein Genuss! Auf unserem Teller landen mehrere besondere Tomatensorten – vom fleischigen, gelben oder roten Ochsenherz bis hin zur dunkelroten Cherrytomate. Jede Sorte schmeckt ein bisschen anders, aber eines haben sie gemeinsam: Mit dem, was man sonst aus dem Supermarkt kennt, haben diese Tomaten wenig zu tun.

Danach geht es ein paar Schritte weiter in Richtung Garten und Gewächshaus. Dort zeigt sich erst, wie vielfältig hier gearbeitet wird: Neben Tomaten wachsen Auberginen, Fisolen und allerlei bunte Gewächse. Insgesamt rund 40 verschiedene Gemüsearten werden am Biohof Lumperer angebaut, sogar Ingwer gehört dazu.

Natürlich wird alles nur biologisch und im Kreislauf der Natur angebaut und geerntet. Und ja, zum Hof gehören auch ein paar tierische Bewohner, die wir bei unserem Stopp bewundern dürfen

Besonders charmant ist eine Idee, die hier „Nimm Platz“ heißt: Von Mai bis Oktober kann man von Mittwoch bis Sonntag direkt im Gewächshaus Platz nehmen und an einer langen Tafel mitten zwischen den Pflanzen essen. Wir bekommen davon (leider) nur den Foodtruck zu sehen, der uns neben dem kleinen Imbiss auch Cola aus dem selbst gezogenen Cola-Kraut kredenzt. Kultig, wie man hier Landwirtschaft und Gastronomie zu einem genussvollen Ganzen verbindet.
Mehr Infos: Biohof Lumperer, Dorfstraße 36 · 6122 Fritzens

4. Der Biohof Meisl in Absam: von Christbaumschafen und Edelbränden

Der letzte Halt, bevor es wieder zurück zum Ausgangspunkt der Tour nach Hall geht, ist der Meislhof. Auch hier gibt es etwas ganz Besonderes zu entdecken – wenn auch nicht bei unserem Besuch. Oder schon einmal von „Christbaumschafen“ gehört?

Biohof Meisl Absam

Diese sind gerade auf der Alm am Achensee unterwegs, daher heißt es, sich einem anderen Thema zu widmen: dem Verkosten. Denn am Hof gibt es auch jede Menge Obstbäume – und so hat sich der Meislhof dem Schnapsbrennen verschrieben, und zwar im historischen Doppelbrennverfahren.

Rund 20 verschiedene Edelbrände entstehen auf diese Weise am Hof. Natürlich dürfen wir uns auch durch das Sortiment kosten. Dabei bekommen wir erklärt, wie das Brennen genau abläuft und worauf es dabei ankommt. Beim Brennen wird gemeinsam verkostet, um den richtigen Zeitpunkt zu erkennen und den Vorlauf sauber vom Mittellauf zu trennen. Nur so bleiben möglichst viele der gewünschten Aromen im späteren Edelbrand erhalten.

Und was haben nun die Schafe damit zu tun? Die Rasse der Shropshire-Schafe wurde ganz bewusst ausgewählt, da sie die Rinde von Obstbäumen nicht anknabbern. Aus diesem Grund werden sie gerne in Christbaumkulturen eingesetzt. Für den Meislhof ergibt sich daraus ein besonderer Vorteil: Obstgarten und Lammzucht können gleichzeitig betrieben werden.

Wieder ein Kreislauf, der wunderbar zusammenpasst. Und eigentlich ist genau das der rote Faden, der sich durch alle besuchten Höfe zieht: Landwirtschaft im Einklang mit der Natur, mit viel Wissen, Leidenschaft und dem Gedanken, möglichst nachhaltig mit dem umzugehen, was einem die Region schenkt.
Mehr Infos: Biohof Meisl, Heideweg 6, 6067 Absam

Alles in allem eine kulinarische Radtour, die nicht nur Genuss und Bewegung verbindet, sondern vor allem einen ganz persönlichen Blick hinter die Kulissen der regionalen Landwirtschaft ermöglicht. Sehr empfehlenswert.

Herzlichen Dank an die Region Hall-Wattens für die Einladung zu dieser Radtour der anderen Art! (Werbung)

Weitere Radtouren in Österreich


https://www.ausgeflogen.at/

Wie hilfreich war dieser Beitrag?

5 Sterne = TOP // 1 Stern = Flop

Weil du diesen Beitrag nützlich fandest...

...folge mir doch in den sozialen Netzwerken!