Eine Rundtour durch EGER in Tschechien: und ein Ausflug ins historische Egerland
Als Ausflugsziel unterschätzt, aber definitiv sehr sehenswert: Eger in Tschechien im Dreiländereck mit Bayern und Sachsen. (Werbung)
Eger – heute Cheb – liegt ganz im Westen Tschechiens und sollte nicht im Abseits stehen. Die Stadt hat viel zu erzählen und ist zugleich ein idealer Ausgangspunkt für Touren in die Kurorte des böhmischen Bäderdreiecks.
Auch in die andere Himmelsrichtung zahlt sich ein Blick aus: Eger erzählt von seiner Geschichte als Zentrum des historischen Egerlands und von grenzüberschreitenden Verbindungen, die heute wieder gelebt werden.
Ein Rundgang durch die Stadt und eine Radtour in die Umgebung von Cheb zeigen, was diese Region zu bieten hat.
2. Die Egerer Burg: kaiserliche Geschichte und viel Grün am Fluss
3. Cheb abseits des Marktplatzes: Geschichte auf Schritt und Tritt
4. Ausflugsziele rund um Cheb: das böhmische Bäderdreieck
5. Im Egerland: eine verträumte Landschaft mit Überraschungseffekten
6. Waldsassen und Kappl: ein Grenztraum im Grenzraum
Meine Tipps für Eger: Radfahren & Übernachten
Cheb: ein Ort im Grenzland, der viel Geschichte zu erzählen hat
Eger – oder das heutige Cheb – gehört zugegeben nicht zu den Hauptattraktionen des böhmischen Bäderdreiecks. Da haben Karlsbad und Marienbad mehr zu bieten. Und dann liegt die Stadt auch noch ganz abgelegen im Westen Tschechiens.

Doch gerade die Grenznähe und die Geschichte des historischen Egerlands machen Eger umso spannender. Für mich war die Stadt zudem Ausgangspunkt für drei Radtouren: am Eger Radweg nach Karlsbad, von Cheb nach Marienbad und ins bayerische Waldsassen (siehe ganz unten).
Mit dem Egerer Stöckl und der Kaiserpfalz hat Cheb aber auch selbst einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Und wie im böhmischen Bäderdreieck hielt sich auch Goethe regelmäßig hier auf – im Umland sogar für naturwissenschaftliche Studien. Grund genug also, sich Cheb in Tschechien einmal genauer anzusehen.
Wie man den Altstadt-Rundgang durch Cheb anlegt
Ausgangspunkt unserer Sehenswürdigkeiten-Tour durch Cheb bzw. Eger ist der Marktplatz, dem mit der Egerer Burg das zweite Highlight der Stadt folgt. Ein Rundgang entlang der alten Ringmauer zeigt weitere schöne Plätze in der Stadt.
1. Der Marktplatz von Cheb: historisches Herz und lebendiger Mittelpunkt der Stadt
Unser Rundgang durch die Stadt beginnt dort, wo sich einige der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Chebs befinden: auf dem Marktplatz, dem Platz des Königs Georg von Poděbrady. Ein großzügiger Platz, gesäumt von bunten Bürgerhäusern – und in der Mitte komplett autofrei, ohne von parkenden Autos verstellt zu sein. Das gefällt!
Zwei Dominanten prägen hier das Bild: die Türme der St.-Nikolaus-Kirche auf der einen und der gelbe Turm des barocken Rathauses auf der anderen Seite.



Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit am Egerer Marktplatz ist jedoch das sogenannte Stöckl, tschechisch Špalíček: ein Ensemble aus elf eng aneinandergebauten Fachwerkhäusern aus dem 13. und 14. Jahrhundert, die den Kaufleuten in der damaligen Zeit als Behausung dienten. Zwischen den Häusern verläuft die gerade einmal 1,60 Meter breite Kramářská-Gasse.



Gleich dahinter befindet sich das Pachelbel-Haus, heute Teil des Museums Eger, das die Geschichte und Kultur des Egerlands vermittelt. Hier wurde 1634 Albrecht von Wallenstein ermordet, der sich nach seiner Entmachtung durch Kaiser Ferdinand II. in Eger aufhielt. Zum Museum gehört auch ein Egerländer Bauernhof in Milíkov (Miltigau), der den traditionellen Egerländer Fachwerkstil zeigt – dazu weiter unten mehr.


Der Marktplatz von Cheb ist einfach einladend und war während meines Aufenthalts immer wieder Ausgangspunkt für meine Erkundungen – zur Burg, durch die Stadt und auf Radtouren nach Karlsbad, Marienbad und ins benachbarte bayerische Waldsassen.




Zum Abschluss noch ein Tipp für eine Einkehr direkt am Marktplatz: Im Restaurant Hvězda wird klassische böhmische Küche und gutes Bier aus der hauseigenen Brauerei serviert. Ich habe mich dort nicht nur einmal kulinarisch verwöhnen lassen.
Mehr zum Museum Cheb hier, zum Restaurant Hvězda hier. Und noch ein Tipp: Im Retromuseum Cheb, das sich ebenfalls am Marktplatz befindet, findet man Unikate aus der Tschechoslowakei aus den 1960er- bis 1980er-Jahren.
2. Die Egerer Burg: kaiserliche Geschichte und viel Grün am Fluss
Bevor wir unseren Rundgang durch Cheb starten, geht es zunächst zum zweiten Highlight der Stadt: der Egerer Burg. Sie gilt als einzige Kaiserpfalz der Staufer in Böhmen und wurde unter Kaiser Friedrich Barbarossa im 12. Jahrhundert, ab 1147, ausgebaut. Ihre Lage direkt am Fluss Eger ist reizvoll – und ihre Geschichte bewegt.
Auf der vom Fluss abgewandten Seite ist der Festungscharakter aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges gut erkennbar, während sich flussseitig noch der mittelalterliche Burgcharakter zeigt.


Erhalten geblieben sind unter anderem der sogenannte Schwarze Turm, der Torso des einstigen Palas und eine romanisch-gotische Doppelkapelle. Auch die Burg ist mit der blutigen Geschichte Wallensteins verbunden: Hier wurden 1634 seine engsten Vertrauten und Adjutanten ermordet.


Für den Besuch sollte man sich ruhig etwas mehr Zeit nehmen. Rund um die Burg erstreckt sich ein grünes Freizeitareal entlang der Eger, das im Zuge einer Landesgartenschau gestaltet wurde. Radwege, Spielplätze, Minigolf und ein Amphitheater sorgen für Abwechslung.
Besonders schön ist ein Spaziergang am Fluss, der sich bis zum Stausee westlich der Stadt und weiter in Richtung Franzensbad ausdehnen lässt. Unterwegs liegt der Kammerbühl, einer der jüngsten Vulkane Europas, den Goethe 1823 im Rahmen seiner geologischen Forschungen erkundete.




Und noch ein Einkehrtipp direkt bei der Burg: Im Pod Falci („Unter der Pfalz“) lässt sich der Besuch bei einem Bier gemütlich ausklingen.
Die Egerer Burg ist ganzjährig geöffnet. Mehr Infos gibt es hier. Auch sehr spannend: Auf Goethes Anregung wurde am Kammerbühl der sogenannte Sternberg-Stollen in den Berg getrieben. Das historische Eingangsportal ist bis heute erhalten.
3. Cheb abseits des Marktplatzes: Geschichte auf Schritt und Tritt
Flanieren wir bei unserem Sehenswürdigkeiten-Rundgang durch das tschechische Eger nun wieder zurück in die Stadt. Unser erster Stopp ist die St.-Nikolaus-Kirche, deren zwei markante Türme schon vom Flussufer aus ins Auge fallen. Seit 2008 erstrahlen sie wieder in jener Gestalt, die sie vor ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hatten.

Das über 800 Jahre alte Gotteshaus ist die älteste Kirche von Cheb. Ursprünglich eine romanische Basilika, sind davon noch die unteren Turmgeschosse und das westliche Stufenportal erhalten. Im Inneren beeindruckt die dreischiffige spätgotische Halle mit Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert. Wer möchte, kann einen der Türme erklimmen und den Blick über die Stadt schweifen lassen.



Zurück am Marktplatz geht es in Richtung Süden. Dort markiert ein neun Meter hoher Monolith das sogenannte „Tor der Zeit“. Wo einst Häuser den Platz abschlossen, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts ein Durchgang für die Verbindung zum Bahnhof geschaffen.

Heute bildet das Tor den Übergang zur Fußgängerzone. Ein in den Boden eingelassener Zeitstrahl lädt dazu ein, in die Geschichte Egers einzutauchen – von der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1061 bis ins 21. Jahrhundert.


Am Ende der Fußgängerzone wartet der Bahnhof, einst ein Neorenaissance-Bau, der nach der Zerstörung im Krieg im Jahr 1962 neu errichtet wurde und ein interessantes Beispiel sozialistischer Nachkriegsarchitektur abgibt. Der markante Bau aus Glas und Beton stammt vom Architekten Josef Danda, einem Schüler von Le Corbusier. Im Inneren setzen Mosaike besondere Akzente.


Wir setzen unseren Rundgang entlang der alten Ringstraße fort. Sie folgt dem Verlauf der einstigen Stadtbefestigung, die im Dreißigjährigen Krieg ausgebaut und Mitte des 19. Jahrhunderts – ähnlich wie in Wien – weitgehend geschleift wurde. An ihre Stelle traten repräsentative Gebäude und Grünanlagen. Wir verlassen die Fußgängerzone dort, wo Goethering und Schillerring aufeinandertreffen, heute die Straßen Obrněné brigády und Komenského, und folgen dem Goethering in Richtung Südwesten zur Franziskanerkirche.
Unterwegs begegnen uns einige Sehenswürdigkeiten, die man bei einem Besuch in Cheb nicht verpassen sollte. Viele der Gebäude entstanden nach dem Abriss der Stadtmauer: darunter die Sparkasse, das Stadttheater, die Synagoge, die 1938 zerstört wurde, und zahlreiche private Villen.


Auf den ersten Blick kaum als Besonderheit zu erkennen ist die Geigenbauschule. Sie steht für das traditionsreiche böhmische Handwerk und den Musikinstrumentenbau der Region. Gegründet wurde die Schule 1873 in Schönbach, dem heutigen Luby, das einst als „Cremona Österreichs“ bekannt war. Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Ort im böhmischen Musikwinkel ein bedeutendes Zentrum des Instrumentenbaus. Gleich daneben befindet sich die evangelische Friedenskirche.


Unser nächster Halt ist das Stadttheater. Das repräsentative Gebäude im Stil der Neurenaissance entstand in den 1870er-Jahren. Als erstes Stück wurde Schillers Wallenstein-Trilogie aufgeführt – eine passende Anspielung auf die bewegte Geschichte der Stadt und die Ermordung des berühmten Feldherrn. Während früher vor allem deutschsprachige Aufführungen auf dem Plan standen, spielt heute das (tschechische) Ensemble des Westböhmischen Theaters. Für eine Stadt mit rund 33.000 Einwohnern eine beachtliche eigene Theaterszene, die sowohl Klassiker als auch moderne Stücke umfasst.


Gegenüber fällt eine Villa aus dem Jahr 1880 ins Auge, ein historistischer Bau von Ferdinand Herglotz. Sein Initial, ein großes „F“, prangt an der Fassade. Hopfenzapfen an der Tür erzählen hingegen von späteren Bewohnern: der Brauer- und Mälzerfamilie Krämling, die hier einst wohnte.
Schließlich erreichen wir den Franziskanerplatz mit der Franziskanerkirche, dem ehemaligen Kloster und seinem Kreuzgang. Die Anlage geht auf ein im 13. Jahrhundert gegründetes Minoritenkloster zurück und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Die Kirche Mariä Verkündigung stammt in ihren Ursprüngen aus dem Jahr 1285 und erhielt später ihre gotische Gestalt.
Auch europäische Geschichte wurde hier geschrieben: In der Kirche heiratete Guta, die Tochter Rudolfs I. von Habsburg, den böhmischen König Wenzel II. Die Hochzeit sollte nach den Konflikten zwischen Habsburg und den Přemysliden den Frieden besiegeln. Denn Wenzels Vater, Přemysl Otakar II., war wenige Jahre zuvor in der Schlacht auf dem Marchfeld bei Dürnkrut im Kampf gegen Rudolf I. gefallen – Wendepunkt der Geschichte, der den Aufstieg der Habsburger in Mitteleuropa entscheidend prägte und damit auch für Österreich bis heute von Bedeutung ist.

Jahrhunderte später wurde das Kloster erneut zum Schauplatz politischer Umbrüche. Im April 1950 verhaftete das kommunistische Regime der Tschechoslowakei im Rahmen der berüchtigten „Aktion K“ auch die Mönche des Franziskanerklosters in Cheb. Das Kloster wurde aufgelöst, die Kirche profaniert und geplündert und später vom Grenzschutz genutzt.
Wo einst Grenzen und politische Konflikte alte Verbindungen unterbrachen, findet heute wieder reger Austausch statt. Gerade bei Ausflügen ins Umland, in das Gebiet des historischen Egerlands, wird deutlich, wie eng diese Grenzregion über Jahrhunderte hinweg verbunden war. Doch bevor wir uns auf Entdeckungstour in die Umgebung begeben, widmen wir uns noch jenen Orten, die heute zahlreiche Besucher anziehen: den berühmten Kurorten des böhmischen Bäderdreiecks.
4. Ausflugsziele rund um Cheb: das böhmische Bäderdreieck
Das historische Egerland umfasst nur ein vergleichsweise kleines Gebiet rund um Eger und reicht beispielsweise gar nicht bis nach Marienbad. Die Region ist heute jedoch eng mit dem böhmischen Bäderdreieck verflochten.

Wer in Eger unterwegs ist, wird sich also die berühmten Kurorte nicht entgehen lassen: Karlsbad und Marienbad liegen gut erreichbar, Franzensbad sogar nur einen Steinwurf von Cheb entfernt.
Doch auch abseits der traditionsreichen Bäder gibt es in der Umgebung einiges zu entdecken. Viele schöne Ausflugsziele lassen sich wunderbar mit dem Fahrrad erkunden – gerade auf Touren nach Karlsbad oder Marienbad.
Die berühmten Kurorte und ihr „Rundherum“
Karlsbad ist der mondäne Klassiker im Bäderdreieck – ein Ort, den man einfach einmal gesehen haben sollte. An der Tepl entlang, die sich durchs historische Kurzentrum zieht, geht es bei einem Sehenswürdigkeiten-Spaziergang durch Karlsbad vorbei an prachtvollen Kolonnaden und eleganten Bauten aus der Zeit des Historismus.




Marienbad ist der zweite große Klassiker der Region, stiller und von viel Grün umgeben. Auch gerne besucht, geht es dennoch etwas entspannter zu als in Karlsbad. Und auch bei einem Rundgang durch Marienbad kommt man bei den vielen Quellen und Kolonnaden nicht aus dem Staunen heraus.




Rund um die beiden Kurstädte liegen weitere schöne Sehenswürdigkeiten wie z.B. Elbogen (Loket). Die Burgstadt thront über einer Schleife der Eger.



Gleich in der Nähe markieren die sagenumwobenen Hans-Heiling-Felsen eine Enge im Flusstal. Unweit davon ist auch Maria Kulm mit seiner eindrucksvollen Wallfahrtskirche ein empfehlenswertes Ausflugsziel.


In Richtung Marienbad wiederum führen Ausflüge zum Schloss Königswart, dem einstigen Sommersitz des Fürsten Metternich, oder zum historischen Kloster Tepl – zwei besondere Orte, die ihre ganz eigene Geschichte erzählen.
Ich habe all diese schönen Orte rund um Eger bei meinen Radtouren am Eger Radweg bzw. auf der Route von Cheb nach Marienbad erkundet.
Mehr zur Region
Karlsbad, Marienbad & Co: Sehenswürdigkeiten im böhmischen Bäderdreieck
5. Im Egerland: eine verträumte Landschaft mit Überraschungseffekten
Franzensbad ist einer der drei großen Kurorte des böhmischen Bäderdreiecks. Da der Ort jedoch als Bäderkolonie der Stadt Eger gegründet wurde, gehört er historisch zum Egerland – und darf deshalb in diesem Kapitel nicht fehlen.
Fast noch spannender als die großen, bekannten Ausflugsziele rund um Eger sind aber die stillen, kleinen Orte, die von der Geschichte des historischen Egerlands erzählen. Bei meinen Radtouren durfte ich sie nach und nach entdecken – und war immer wieder überrascht, was sich abseits der bekannten Wege verbirgt.

Das historische Egerland ist eine alte Grenzregion zwischen Bayern und Böhmen, heute eingebettet ins Dreiländereck mit Sachsen. Es reicht ganz leicht über die heutige tschechische Grenze hinaus und umfasst das Egerer Becken (ohne den Ascher Zipfel) sowie angrenzende Landschaften wie das Elstergebirge im Norden, den Oberpfälzer Wald bzw. Český les im Südwesten sowie den Kaiserwald (Slavkovský les) im Osten. Alte Ortsnamen wie Groß Siehdichfür oder Hammerhäuseln erinnern an die lange Besiedlungsgeschichte dieser Grenzlandschaft.
Bis 1945 war die Bevölkerung zu mehr als 90 Prozent deutschsprachig. Mit der Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele gewachsene Verbindungen jäh unterbrochen. Doch manches hat die Zeit überdauert: Heute finden Menschen auf beiden Seiten der Grenze wieder zusammen, etwa bei gemeinsamen Wallfahrten, die an die lange Verbundenheit dieser besonderen Region erinnern.

Wie so oft in Grenzregionen scheint hier mancherorts die Zeit ein wenig stehen geblieben zu sein. Gerade das macht den besonderen Reiz aus: Man streift durch Wiesen und Wälder verträumte Dörfer, alte Alleen und barocke Wallfahrtskirchen. Manche Sehenswürdigkeiten liegen im einstigen Grenzstreifen und sind heute verfallen oder nur teilweise erhalten.
Auch die traditionelle Baukultur macht den besonderen Charakter des Egerlands aus. Zwischen den Dörfern finden sich alte Bauernhäuser im typischen Egerländer Fachwerkstil.
Bauernhöfe im Egerland: kleine Juwele der Fachwerkarchitektur
Die schönsten Beispiele der traditionellen Egerländer Fachwerkarchitektur findet man nur wenige Kilometer von Cheb entfernt, in Dörfern, die ihren ursprünglichen Charakter bewahrt haben. Kleine Juwele, die sich wunderbar bei einer Radtour entdecken lassen – und echte Geheimtipps für alle, die gerne abseits der bekannten Ausflugsziele unterwegs sind.

Ein besonders schönes Beispiel ist Taubrath (Doubrava), dessen Dorfkern sich rund um einen Dorfteich gruppiert. Auch in Unterlosau (Dolní Lažany) lassen sich eindrucksvolle Bauernhäuser mit markanten Fachwerkgiebeln entdecken.


Dann wäre da noch Konradsgrün (Salajna): Das denkmalgeschützte Dorf mit seinen stattlichen Vierseithöfen entlang eines Baches vermittelt ein eindrucksvolles Bild der historischen Siedlungsstruktur. Eine alte Mühle und eine Kapelle mit Fachwerkgiebel ergänzen das Ensemble – in der Mühle kann man heute sogar übernachten.

Nicht fehlen darf natürlich der Egerländer Bauernhof in Miltigau (Milíkov), eine Außenstelle des Museums Cheb. Hier taucht man besonders anschaulich in die Geschichte und Traditionen des Egerlands ein. Ein altes Bauernhaus wurde in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt:

Zu sehen sind unter anderem Schupfen und Stadel aus dem späten 18. Jahrhundert, wobei das Wohnstallhaus vermutlich um 1805 entstand. Alte Arbeitsgeräte und die Einrichtung vermitteln einen Eindruck davon, wie die Menschen hier einst lebten.






Dabei begegnet man auch ganz besonderen Egerländer Eigenheiten – etwa dem Huasnoantoutara, dem „Hosenantuer“. Gemeint ist damit der Knopf, mit dem die Lederhose an den Hosenträgern befestigt wurde. Bis zu fünf Zentimeter groß, häufig achteckig und mit einer Rosette verziert, entwickelte sich dieser Knopf zu einem besonderen Symbol der Egerländer Identität, das auch für viele Heimatvertriebene bis heute eine große Bedeutung hat.


Auch musikalisch hat das Egerland seine eigenen Traditionen: Der Bock, ein traditioneller böhmischer Dudelsack, war hier besonders lange Teil der Volkskultur.
Der Egerländer Bauernhof in Milíkov ist von April bis Oktober geöffnet. Eines der Highlights ist das Ende August stattfindende Dreschfest.
Die: Wallfahrtskirche Maria Loreto: wo Grenzen wieder zusammenfinden
Ein besonders eindrucksvolles Ausflugsziel rund um Eger ist die Wallfahrtskirche Maria Loreto in Alt-Kinsberg, dem heutigen Starý Hrozňatov. Kaum ein Ort erzählt so anschaulich von der wechselvollen Geschichte dieser Grenzregion: Während des Kalten Krieges lag die Wallfahrtsstätte im Sperrgebiet am Eisernen Vorhang und verfiel. Erst nach der Wende wurde sie wiederaufgebaut. Heute finden hier erneut grenzüberschreitende Wallfahrten statt – ganz wie in früheren Zeiten.

Ihre Wurzeln reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück, als die Jesuiten hier eine bedeutende Wallfahrtsstätte gründeten. Im Mittelpunkt steht die Loretokapelle, eine detailgetreue Nachbildung der Santa Casa im italienischen Loreto. Im Inneren wird die Schwarze Madonna verehrt, während ein stimmungsvoller Kreuzgang die Kapelle umgibt. Ein rundum angelegter Kreuzweg mit 29 Stationen führt bis zum Heiligen Grab.







Zusammen mit Maria Kulm und der Dreifaltigkeitskirche im bayerischen Kappl gehört Maria Loreto zu den bedeutenden Stationen der historischen Sakrallandschaft des Egerlands. Die vierte Wallfahrtskirche dieses Ensembles, St. Anna bei Eger, ist leider nicht erhalten geblieben.


Besonders schön ist der Blick von der Anhöhe über die Landschaft, die heute wieder über Grenzen hinweg verbindet. Im Norden liegen der Ascher Zipfel, der westlichste Teil Tschechiens, und das Elstergebirge. Richtung Südwesten erstreckt sich auf bayerischer Seite der Oberpfälzer Wald. Am Horizont zeichnen sich im Nordosten das Erzgebirge, davor der Kaiserwald ab, der die Gegend um Karlsbad und Marienbad prägt.
Mofetten: wo die Erde leise vor sich hin blubbert
Neben Architektur und Wallfahrtsgeschichte hat die Gegend rund um Eger auch geologisch einiges zu bieten. Gasreiche Quellen treten hier nicht nur in den bekannten Kurorten zutage, sondern auch mitten in der Landschaft. Ein besonders bekanntes Beispiel ist das Naturschutzgebiet Soos mit seinen Mooren, Torfflächen, Kohlendioxidquellen und kleinen Schlammvulkanen.

Doch man muss gar nicht bis in die Soos fahren, um diesem ungewöhnlichen Naturphänomen zu begegnen. Ein echter Geheimtipp ist das Mofettenfeld bei Hartoušov (Hartessenreuth).


Entlang des Fleißenbachs finden sich mehrere solcher natürlichen Gasaustritte: Kohlendioxid steigt aus dem Untergrund durch das Grundwasser auf und bildet kleine Bläschen und brodelnde Stellen. Manche liegen direkt am Straßenrand, andere verstecken sich im Wald oder auf sumpfigen Wiesen. Bis in Richtung Milhostov (Mühlessen) lassen sich weitere dieser unscheinbaren, aber faszinierenden Erscheinungen entdecken.

Und noch eine Besonderheit: Das austretende Wasser ist nicht heiß, auch wenn es stellenweise kräftig blubbert. Wie viele Mineralquellen der Region handelt es sich um kaltes Wasser, das durch aufsteigendes Kohlendioxid in Bewegung gerät. Das Gas kann für Tiere und Menschen gefährlich werden, wenn es sich in hoher Konzentration ansammelt. Wie man sieht, wurde der Gasaustritt hier einem Rotkehlchen zum Verhängnis.
6. Waldsassen und Kappl: ein Grenztraum im Grenzraum
Wer sich wie ich gerne mit Grenzen beschäftigt, weiß, wie spannend diese Übergangsräume sein können. Vor einigen Jahren bin ich selbst die Grenzen Österreichs abgefahren. Aus dieser Reise entstand mein Buch „Am Rand vom Land“.
Auch andere Grenzregionen haben ihre ganz eigenen Geschichten zu erzählen. Hier, im Dreiländereck zwischen Böhmen, Bayern und Sachsen, führt eine besonders schöne Tour ins bayerische Stiftland, zum Zisterzienserkloster Waldsassen und zur barocken Dreifaltigkeitskirche Kappl.

Beide liegen zwar seit dem 12. Jahrhundert außerhalb des historischen Egerlands, sind mit dessen Geschichte aber eng verbunden. Über Jahrhunderte hinweg gab es regen Austausch über die heutigen Grenzen hinweg – bis der Zweite Weltkrieg und der Eiserne Vorhang diese Verbindungen unterbrachen. Seit 1990 wächst wieder zusammen, was lange getrennt war.

Ich habe die Gegend mit dem Rad erkundet. Die Runde ist zwar überschaubar, hat aber einen besonderen Vorteil: Anders als beim bekannten Wallenstein-Radweg lässt sie sich als geschlossene Rundtour direkt von Cheb aus fahren.
Streckenprofil der Radroute zwischen Cheb und Waldsassen
Länge: 33 Kilometer
Höhenprofil: 320 Höhenmeter
GPX-Datei: Download per Rechtsklick hier.
Hinweis zur Dauer: Gefahren mit dem E-Bike, sehr viele Fotostopps am Weg eingelegt
Karte des Radwegs zwischen Cheb und Waldsassen
–> durch Klick aktivieren (die Höhenmeter-Kurve lässt sich extra einblenden)
Die Route: auf den Spuren einer (fast) verschwundenen Grenze
Von Eger aus geht es zunächst Richtung Westen, an den Osthängen des Grünbergs entlang. Hier stand einst die Wallfahrtskirche St. Anna, eine der vier barocken Wallfahrtskirchen des Egerlands, die ich weiter oben erwähnt habe. Wie so oft in dieser Region erzählen auch die alten Grabsteine davon, dass nach dem Zweiten Weltkrieg vieles abrupt endete.


Auf dem Grünberg findet man auch den Bismarckturm, 1909 errichtet und während des Kalten Krieges ebenfalls im Sperrgebiet gelegen. Jahrzehntelang war die Gegend militärisch abgeschirmt, der Turm auf Karten nicht einmal verzeichnet. Seit 2005 ist er wieder zugänglich. Von hier oben eröffnet sich ein weiter Blick über die Landschaft: hinüber nach Franzensbad, davor der Kammerbühl, und weiter bis zum Elstergebirge.

Etwa zwei Kilometer vor der Grenze biegen wir ab und folgen einem alten Kolonnenweg durch den Wald. Die Betonplatten erinnern daran, wie streng dieser Grenzraum einst bewacht wurde. Wer aufmerksam unterwegs ist und ein wenig sucht, kann hier sogar noch einen historischen Grenzstein entdecken, der an die Neuvermessung der Grenze zwischen Bayern und Österreich im Jahr 1844 erinnert.



Über Pechtnersreuth und Münchenreuth geht es auf einer Landstraße weiter. Schon von Weitem kündigt sich unser nächstes Ziel an: die Dreifaltigkeitskirche Kappl, die auf dem Glasberg thront.

Die zwischen 1682 und 1689 errichtete Wallfahrtskirche ist ein außergewöhnlicher Bau. Ihr Grundriss folgt einem gleichseitigen Dreieck, das in einen Kreis eingebettet ist. Drei runde Türme und ein kleeblattförmiger Innenraum greifen das Symbol der Dreifaltigkeit auf – die Zahl Drei bestimmt hier die gesamte Architektur. Entworfen wurde die Kirche von Georg Dientzenhofer, einem Vertreter der bedeutenden böhmisch-bayerischen Baumeisterfamilie.



Im Inneren erwartet uns Barock vom Feinsten: prachtvolle Ausstattung und vor allem eindrucksvolle Deckengemälde. Doch die Fresken sind nicht nur kunsthistorisch interessant, sondern auch ein durchaus umstrittenes Zeitdokument. Sie entstanden während des Zweiten Weltkriegs und stammen von Oskar Martin-Amorbach, einem Maler, der im NS-Staat große Anerkennung genoss und als Lieblingsmaler Hitlers galt. Die Darstellungen zeigen unter anderem Wehrmachtssoldaten bei Werken der Barmherzigkeit.

Der Duft von Weihrauch, die besondere Architektur und die ruhige Lage auf dem Glasberg machen den Ort zu einem stimmungsvollen Zwischenstopp. Auch der Kapplwirt gleich nebenan fügt sich wunderbar in das Ensemble ein. Und auch ein Rosenkranzweg führt von der Kirche in Richtung Wald – dem wir bei unserer Radtour auch folgen.



Nun dürfen wir minutenlang die Räder laufen lassen: Vom Glasberg geht es bergab nach Waldsassen, vorbei an der Glashütte Lamberts. Hier wird noch heute mundgeblasenes Glas nach überliefertem Handwerkswissen gefertigt. Die farbintensiven Gläser kommen weltweit bei anspruchsvollen Restaurierungen und kunstvollen Fenstern zum Einsatz – unter anderem im Vatikan und in berühmten Bauwerken wie Big Ben und Notre-Dame.

Kurz darauf rollen wir in die Altstadt von Waldsassen. Schon von Weitem ziehen die mächtigen Türme der barocken Stiftsbasilika die Blicke auf sich – ein eindrucksvoller Anblick, der neugierig auf die Geschichte des Ortes macht. Das Zisterzienserkloster wurde 1133 gegründet und prägte über Jahrhunderte die Entwicklung dieser Grenzlandschaft, nicht zuletzt durch die Besiedlung und Christianisierung der Region.

Nach der Säkularisation kehrte seit 1863 wieder das klösterliche Leben zurück: Zisterzienserinnen ließen sich hier nieder und führen die Tradition bis heute fort. Zu den kostbarsten Schätzen Waldsassens zählen neben der prachtvollen Basilika vor allem die berühmte Stiftsbibliothek.
Die Basilika entstand zwischen 1682 und 1704 und ist wie die Kapplkirche eng mit der Baumeisterfamilie Dientzenhofer verbunden, die bei allen barocken Wallfahrtskirchen der Region ihre Hände im Spiel hatte.


Besonders sehenswert ist ein außergewöhnliches Kruzifix, das heute in der Kirche aufbewahrt wird: der sogenannte Geschändete Heiland. Ursprünglich stammte es aus der Wallfahrtskirche in Wies, die 1951 durch einen Brand mutwillig zerstört wurde.


Das Holzkreuz überstand das Feuer, doch die Arme der Christusfigur wurden abgebrochen. Das beschädigte Kreuz konnte gerettet werden und fand später seinen Platz in Waldsassen. Bis heute wird seiner Geschichte mit einem jährlichen Wallfahrtstag gedacht.
Nach so viel Kultur und einer kleinen, aber feinen Kaffeepause im Backhaus Kutzer führt uns die Route wieder hinaus ins Grüne. Hinter dem Kloster geht es an den Fischteichen vorbei zur Lourdesgrotte von Waldsassen, die 1905 angelegt wurde und bis heute ein beliebtes Ausflugsziel der Einheimischen ist. Von dort gelangen wir zur ehemaligen Bahnstrecke Cheb–Wiesau.





Die Bahnlinie verband einst die Orte beiderseits der Grenze und war bis zum Zweiten Weltkrieg Teil des regionalen Verkehrsnetzes. Seit 2000 ist sie stillgelegt. Heute lässt sich ein Teil der alten Trasse mit dem Rad erkunden; hier verläuft auch der EV13, besser bekannt als Iron Curtain Trail, der europäische Radfernweg entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs.
In Hundsbach ist noch ein altes Bahnwärterhäuschen erhalten geblieben. Ansonsten prägen stille Dörfer und alte Bauernhäuser die Landschaft. Auffällig ist dabei der Unterschied zur tschechischen Seite: Während dort vielerorts noch traditionelle Egerländer Fachwerkarchitektur zu finden ist, begegnet man ihr in den bayerischen Dörfern nicht mehr.



Schließlich nähern wir uns wieder dem Grenzübergang. Alte Gleise erinnern daran, dass hier einst eine Bahnverbindung bestand, die heute nur noch Geschichte ist. Auch der verschwundene Friedhof von Schönlind, einem Ortsteil der ehemaligen Pfarre Heiligkreuz, erzählt von den tiefgreifenden Veränderungen im Grenzraum. Aus dieser Pfarre stammte auch der Geschändete Heiland, den wir zuvor in der Stiftsbasilika Waldsassen gesehen haben.


Entlang der alten Bahntrasse geht es schließlich zurück nach Eger. Wer die Tour in die andere Richtung verlängern möchte, kann von hier aus auch zur Wallfahrtskirche Maria Loreto weiterfahren und die Strecke bis nach Marienbad fortsetzen (siehe meine Radtour von Cheb nach Marienbad)..

Doch für heute endet unsere Runde dort, wo wir gestartet sind: am Marktplatz von Cheb – mit vielen Eindrücken einer Grenzlandschaft, deren Geschichte bis heute sichtbar geblieben ist.
Gut zu wissen: meine Tipps für Cheb in Westböhmen
Räder können bei der tschechischen Bahn geliehen werden. In Tschechien beliebt – und auch sehr praktisch – ist der Routenplaner von Mapy, der neben der Route auch Infos zu den Sehenswürdigkeiten am Eger Radweg (oder weiteren Ausflugszielen) anzeigt.
Wer mit dem Auto anreist: Parktipps für Eger gibt es hier.
Wo übernachten in Cheb
Ausgangspunkt für alle Radtouren war das Hotel Barbarossa* in Eger (Cheb), ein bodenständiges Haus mit schlichtem Komfort, das mit allem ausgestattet ist, was für einen Aufenthalt nötig ist. Für Radler ist vor allem die Penzion Na Svahu* zu empfehlen, die einen eigenen Unterstellplatz für Räder besitzt.
*Affiliate Link. Für eine Buchung über diesen Link (die Kosten bleiben natürlich gleich!) erhalte ich eine kleine Provision, die 1:1 in die Betreuung meines Blogs fließt. Danke für deine Unterstützung!
Herzlichen Dank an die Region Karlsbad für die Einladung zu diesem schönen Aufenthalt im tschechischen Bäderdreieck! (Werbung)
Weitere schöne Orte in Tschechien
- Eine Rundtour durch EGER in Tschechien: und ein Ausflug ins historische Egerland
Als Ausflugsziel unterschätzt, aber definitiv sehr sehenswert: Eger in Tschechien im Dreiländereck mit Bayern und Sachsen. (Werbung) - MARIENBAD: ein Sehenswürdigkeiten-Rundgang durch die grüne Kurstadt
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