Ausflug ins MARCHFELD: wo Österreichs Geschichte beginnt

Von Alpenfeeling an der Donau, einem riesengroßen Schloss-Hof, Königen und Störchen – und einem Platzerl im Marchfeld, wo das Leben einfach nur schön ist.


Diese Grenztour im Marchfeld führte mich von der südlichsten Staatsgrenze Niederösterreichs bis dorthin, wo im Nordosten Österreichs das Dreiländereck beginnt.

Was mich erwartete: eine Überraschung am Hainburger Braunsberg, die unendlichen Dimensionen von Schloss Hof, das Klappern der Störche in den Marchauen – und neue Entdeckungen direkt an der Grenze.

Ausgeflogen auf Grenztour entlang der March: von alten Königen und Kaisern
1. Hainburg: wo direkt an der Donau Alpenfeeling aufkommt
2. Schloss Hof: wo ein Schloss sich als riesengroßer Gutshof entpuppt
3. Marchegg: wo einst ein König residierte – und jetzt Störche zu Hause sind
4. Angern: wo das Leben an der Grenze „einfach nur schön“ ist
5. Dürnkrut: wo König Ottokar nicht das Glück, sondern sein Ende fand

an der alten Reichsgrenze des Marchfelds

Im Marchfeld hat die Großmacht des Habsburger Reichs nicht nur begonnen – sondern auch geendet. Mit der Schlacht bei Dürnkrut legte Rudolf von Habsburg 1278 den Grundstein für die später weltumspannende Donaumonarchie, das Jagdschloss Eckartsau bot Kaiser Karl 1918 letzte standesgemäße Zuflucht vor dem Exil.

Die March bildet hier am Ostrand Österreichs heute wie früher die natürliche Grenze. Übergänge in die Slowakei sind rar gesät im Grenzsaum zwischen Donau und Thaya. Auf den ersten Blick kein Wunder bei den zahlreichen Augebieten, in denen die March vor sich hinmäandert.


Allerdings: wo man heute auf der „Fahrradbrücke der Freiheit“ hinter Schloss Hof in die Slowakei radeln kann, führte früher sogar eine Straßenbrücke in die zweite Reichshälfte. Und auch in Angern war mehr zu finden als nur eine Fähre über die March. Dass es in Hohenau heute eine fixe Straßenbrücke gibt, ist auch erst seit einigen Jahren selbstverständlich.


die Grenzfahrt entlang der March im Osten Österreichs

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1. Hainburg: wo direkt an der Donau Alpenfeeling aufkommt

erster Stop: im „Hintaus“ von Bratislava

In Berg geht meine Reise entlang der niederösterreichischen Staatsgrenze los. Die bunten Wohntürme der Panelaks von Petržalka, dem einstmaligen Engerau, sind von Berg nur durch einige Felder getrennt. Und auch die Burg von Bratislava kann man von hier gut erkennen.

Gerade als mir einige Gedanken durch den Kopf gehen, wie das wohl früher war, als hier die Grenze zur zweiten Reichshälfte verlief (in Wolfsthal befand sich das k.k. Grenzzollamt), komme ich an einem Schild vorbei, das einen Hainburger Supermarkt auf der „Pressburger Reichsstraße“ ankündigt.


ein kurzes Stück Donau-Grenze – und viel Mittelalter

Nun bin ich an der Hainburger Pforte angekommen – zwischen Braunsberg, Hundsheimer Bergen und der Donau, die hier ein kurzes Stück die Grenze zur Slowakei bildet, bevor sie von der March abgelöst wird.

Hainburg ist ein geschichtsträchtiger Ort – und bereits im Nibelungenlied verewigt: „zu Heimburg….blieben sie über Nacht“.

Das mittelalterliche Städtchen hat seine Stadtbefestigung – eine der ältesten und am besten erhaltenen in ganz Europa – dem Lösegeld Richard Löwenherz´ zu verdanken. 1240 errichtet, wurde diese später noch von König Ottokar II. verstärkt (bevor dieser kurz darauf bei der Schlacht am Marchfeld sein Reich an Leopold abtrat).

Drei Tore sowie 15 Türme sind noch in der 2,5 Kilometer langen Stadtmauer erhalten geblieben. Das Ungartor liegt ziemlich beschaulich im Osten des Stadtkerns – was was man vom Wienertor nicht behaupten kann.


Direkt durch das größte mittelalterliche Stadttor Europas führt die Bundesstraße zwischen den Twin Cities Wien und Bratislava. Alle, die durch Hainburg wollen, müssen hier durch.

Hoch oben im Wiener Tor – in dem von König Ottokar verstärkten Aufsatz – kann man heute noch die Kanonenkugeln der Türken aus 1683 erkennen. Im Tor selbst ist das Stadtmuseum untergebracht.

Direkt an der Hauptstraße – aber dennoch schön beschaulich – liegt auch der Hauptplatz, der alleine durch sein nettes Eisgeschäft einen Besuch verdient hat. Sofern man nicht gleich einen der Heurigen ansteuert.

Architektur-Aficionados pilgern zur evangelischen Kirche, mit der sich einer der Stararchitekten von Coop Himmelb(l)au ein futuristisches Denkmal in seiner Heimatstadt gesetzt hat.


gefühlt kurz mitten in den Alpen

Und zwar nicht am schon von weitem sichtbaren Schlossberg, wo die Burgruine aus dem 11. Jahrhundert thront.

Hainburg Schlossberg

Sondern am Braunsberg, einem Felsenhügel, der hier optisch so gar nicht ins Umland passt. Ich komme mir wie in den Alpen vor, und wahrlich ist der Braunsberg auch vegetationsmäßig eine Ausnahme im Umland von Donau und March.

Hainburg Braunsberg

Den Gipfel auf 345 Meter erklimmen außer mir noch einige Mountainbiker, und sogar die Fahrschule hat sich den „Berg“ als Übungsterrain auserkoren (wo soll man sonst eine „Serpentinen-Fahrt“ in der Umgebung üben).

Der Blick über die – vermeintliche – Alpenwiese streift den inmitten Hainburgs liegenden Burgberg und die sich breit in die Hainburger Pforte schlängelnde Donau. Und hinter der Donau beginnt ab Devín – mit 515 Metern sogar der höhere Felskogel – die March ihre Aufgabe als Grenzfluss.

  • Hainburg Braunsberg
  • Hainburg Braunsberg
  • Hainburg Braunsberg
  • Hainburg Braunsberg
  • Hainburg Braunsberg

Oben am Braunsberg sind außerdem noch die Überreste der Wallburg, einer von den Römern zerstörten keltischen Siedlung, eingezeichnet. Und ein Gedenkstein der Karpatendeutschen Landsmannschaft erinnert an die Vertriebenen aus dem Pressburger-, Hauer- und Zipserland. Dahinter ist gut Bratislava erkennbar.


mehr zur Ruine Devín

Bratislava Ausflug

Die Burgruine habe ich mir bei meinem Besuch in Bratislava angesehen: meine Tipps für einen Bratislava Ausflug

was man noch rund um Hainburg entdecken kann

  • das Legionslager von Carnuntum
  • das Nationalparkzentrum der Donauauen im Schloss Orth
  • das Jagdschloss Eckartsau
  • das Haydn-Geburtshaus in Rohrau

2. Schloss Hof: wo ein Schloss sich als riesengroßer Gutshof entpuppt

Nicht weit nördlich von Devín wartet ein bombastisches Stück Geschichte direkt an der Grenze. Von der Bundesstraße geht es noch ein ordentliches Stück nach Osten, bis der riesige Gutshof einen markanten Grenzpunkt setzt.

Schloss Hof

Schloss Hof kenne ich von früheren Besuchen, dieses mal wollte ich mir die Radfahrerbrücke ansehen, die seit einigen Jahren wieder einen Grenzübertritt in die Slowakei ermöglicht.

Ein „kurzer Spaziergang“ sollte es sein, einmal um das Schloss-Areal herum. Ein kleiner Gewaltmarsch wurde dann daraus. Auch eine Möglichkeit zu realisieren, dass Schloss Hof nicht umsonst „Klein-Versailles“ genannt wurde. Oder was es heißt, die größte Landschlossanlage Österreichs zu umrunden…


ein Lustschloss der Superlative

Ursprünglich Grenzfeste, wurde Schloss Hof unter Maria Theresia zum Lustschloss ausgebaut. Tagelange Feste mit Wasserspielen aller Art begeisterten die illustre Gästeschar des 18. Jahrhunderts. Ab Josef II. gings bergab, die Lage am Eisernen Vorhang tat ihr Übriges. Seit der Revitalisierung erstrahlt das Hof wieder in neuem Glanz – Feste, Ausstellungen, und auch Wasserspiele inklusive.

Grenze March Schloss Hof

aber eigentlich ein riesiger Gutshof

Wenn man einmal die gesamte Anlage abspaziert hat, kommt man unweigerlich zum Schluss: Schloss Hof ist viel mehr! Neben dem Schloss sowie den ebenso barocken Gartenanlagen auf 7 Terrassen zeigt das Areal auf den über 500 Hektar vor allem Gutscharakter. Neben Bäckerhof und Kräutergarten ziehen hinten die Ponys ihre Runden, weiters komme ich an mehreren für eine ordentliche Bewirtschaftung notwendigen landwirtschaftlichen Geräten vorbei. Und wenn man Glück hat, erwischt man abends ein Reh, das zwischen Schloss und Besucherparkplatz zwischen den Bäumen herumhuscht. Von Eichhörnchen gar nicht zu sprechen…


eine neue Brücke – aber eigentlich eine alte

Nach dem elendslangen Hatscher entlang der Schlossmauer gelange ich zur Rückseite des Schlossareals mit dem bekannten schmiedeeisernen Tor. Von hier lässt sich der Thebener Kogel mit der Burgruine Devín bestens erkennen – aber auch Devínska Nová Ves, das direkt hinter der Grenze liegt.

  • Thebener Kogel Devín
  • Grenze March Schloss Hof
  • Grenze March Schloss Hof
  • Grenze March Schloss Hof
  • Grenze March Schloss Hof
  • Grenze March Schloss Hof

Der Weg führt allerdings weiter – in direkter Linie auf einem Damm in Richtung March und somit Grenze. Dass hier früher ein Weg nach Theben führte, kann man sich auf dem Damm gut vorstellen.


Die Radfahrerbrücke ist bei meinem Besuch gerade gesperrt. Warum? Diesmal ist nicht Covid-19, sondern die Natur schuld. Das Hochwasser verhindert den Weg auf die gegenüberliegende Seite, aber bis zur Brücke darf man gehen, und damit auch bis zum morastigen Auwald, aus dessen Schilf ein durchgehendes Konzert aus unzähligen „uuh-uuh-uuhs“ erklingt. Die Rotbauchunke hat sich also auch in diesem Stück der Marchauen, zwischen Schloss Hof und Devínksa Nová Ves, niedergelassen.

(Nachtrag: ich bin erst später schlau aus der Brückensperrung geworden. Nicht das Hochwasser war schuld, sondern ein LKW, der die Radfahrerbrücke überquert hatte und bei den Pollern auf slowakischer Seite hängengeblieben war. Nach einer Statik-Überprüfung wurde die Brücke wieder freigegeben. Sachen gibt´s….)


Der Weg zum nächsten Schloss führt mich wieder zurück – vorbei am Schwesternschloss Niederweiden, das direkt an der Bundesstraße liegt.

Schloss Niederweiden

In Schloss Hof sind nicht nur die Räumlichkeiten samt aktueller Ausstellungen zu besichtigen. Auch die Terrassengärten sowie Kräutergarten, Töpferei, Orangerie und Handwerksstuben laden zu einem Besuch ein. Für Kinder locken Streichelzoo, Ponyreitbahn und Hängemattengarten. Mit dem „weißen Pfau“ ist Schloss Hof auch kulinarisch gut aufgestellt. Mehr zu den Angeboten hier.
Schloss Niederweiden dient ebenso als Veranstaltungsort, aktuell zu einer Sisi-Sonderausstellung.
Der Weg zur Fahrradbrücke über die March führt vom Besucherparkplatz um das Schlossareal herum und dann auf dem Marchdamm weiter – dafür etwa eine Dreiviertelstunde Gehzeit einrechnen. Man kann das Auto aber auch hinter dem Schlossareal abstellen.
Eine alternative Anreisemöglichkeit nach Schloss Hof ist der Marchfeldkanalweg.

3. Marchegg: wo einst ein König residierte – und jetzt Störche zu Hause sind

Marchegg, der Name sagts: hier macht zuerst die March ein „Eck“, danach beschreibt die B49 fast direkt an der March einen Knick nach links.

Zuerst komme ich bei meiner Grenzfahrt allerdings am separaten Ortsteil Marchegg-Bahnhof vorbei. Bis zum ersten Weltkrieg legte hier dreimal pro Woche der Orient-Express einen Stop ein. Heute fährt der Zug nicht von Paris nach Istanbul, sondern von Wien nach Bratislava.


eine Stadt die einiges vor hatte

Heutzutage als größte Storchenkolonie Österreichs bekannt, war Marchegg bei seiner Gründung durch Ottokar II. eine der größten Städte Europas. Die Stadt legte der Böhmenkönig als Grenzsicherung allerdings etwas zu groß an. Innerhalb der Stadtmauern wäre Platz für 10.000 Einwohner gewesen, heute lebt nicht einmal ein Drittel davon in der alten Königsstadt – allerdings nicht nur innerhalb der Stadtmauern.

Apropos: von der Stadtmauer sind heute noch drei Seiten, vom Wienertor in Richtung Angern ein seitlicher Rundturm erhalten.


erster Hingucker: das Schloss

Die ehemalige Wasserburg wurde gleichzeitig mit der Stadtgründung im 13. Jahrhundert errichtet und im 18. Jahrhundert vom Adelsgeschlecht der Pálffys barockisiert. Im Moment wird es für die Landesausstellung 2022 hübsch gemacht und ist daher nicht zu besichtigen. Wobei das Gebäude im alten Schönbrunnergelb so einen wunderschön verwunschenen Anblick abgibt, dass man es gar nicht verändert wissen möchte! Mit den Störchen, die oben auf einem der Kamine thronen, kann die Optik sowieso nicht mehr getoppt werden.

  • Schloss Marchegg
  • Schloss Marchegg
  • Marchegg Störche

Das Schlossgarten des „Märchenschlosses“ bietet auch ein herrliches Umfeld für Kinder: am Kinderspielplatz beim angrenzenden Schlossbuffet kann nach Herzenslust getobt werden.


dann: die March-Auen

Wo dann nicht mehr getobt werden darf: im Naturreservat des Schutzgebiets, das der WWF Anfang der 70er Jahre ins Leben rief. Aus den einst 20 haben sich bis heute 50-60 Storchenpaare entwickelt, die rund 150 Jungstörche pro Jahr aufziehen.

Die March-Auen mit ihren Auwäldern, Feuchtwiesen, Tümpeln und Altarmen sind heute Teil des Europaschutzgebiet „March-Thaya-Auen“ und geben gefährdeten Arten wie der Europäischen Sumpfschildkröte oder der Rotbauchunke eine schützende Heimat. Das „uuh-uuh-uuh“ der Unke habe ich bereits in den Marchauen hinter Schloss Hof kennenlernen dürfen. Jetzt höre ich es wieder, gepaart mit dem Quaken „normaler“ Frösche und dem Klappern der Störche. Und natürlich dem Surren von Millionen von Gelsen…


als Krönung: die neuen „Könige“

Der Weg zur Storchenkolonie ist bei meinem Besuch überflutet, daher kann ich leider nicht die Eichen sehen, auf denen gleich mehrere Storchenpaare brüten. Immerhin handelt es sich in Marchegg um die größte baumbrütende Kolonie ganz Mitteleuropas! Die Störche fühlen sich in den abgestorbenen Eichen der Marchauen wohl, und in den Feuchtwiesen darunter hüpft das eine oder andere Futtertier herum.

Dennoch kann ich die „Könige der Lüfte“ – zumindest sind sie das hier in Marchegg – beobachten. Bis zur Brücke zu den Marchauen kann ich gehen, ein Storchenpaar finde ich noch in der Au selbst, ein weiteres wie gesagt am Schloss selbst. Und direkt über dem Schlossbuffet füttert eine Storchenmutter (oder ist es der Papa?) gerade sein Junges. Ich bin nahe genug, um sogar zu hören, wie das Junge um Futter bettelt.

Marchegg Störche

Der Weg zu den Störchen führt über eine Brücke in die Marchauen. Nicht nur Störche können bei einem Rundgang (2 Kilometer) entdeckt werden – weitere Wege führen zu einer Biberhütte (7 Kilometer) bzw. zu einer Unken-Plattform (4 Kilometer). Achtung – nach starken Regenfällen kann der Weg überflutet sein.
Im Storchenhaus erfährt man Näheres zu Meister Adebar – und kann über die Live-Cam die Brutpflege aus nächster Nähe beobachten.


weiter geht’s entlang der Marchschlingen

Die Marchschlingen ziehen sich bis Zwerndorf weiter, im Naturreservat „Untere Marchauen“ mäandert die March hin und her. Nach Flussbegradigungen Anfang des 20. Jahrhunderts (die March wurde um 10 Kilometer verkürzt) sowie in den 70er Jahren (durch die neue Grenzziehung konnte Österreich seine Fläche sogar vergrößern!), wird die March heute wieder renaturiert.


Baumgarten an der March kennt man von der Gas-Verteilerstation – von der ich beim Durchfahren allerdings nichts bemerke. Wo ich jedoch einen Stop machen muss: am „Kaiserstein“ – einem Jubiläumsdenkmal für Kaiser Franz Joseph, das nach Baumgarten mitten in den Kreisverkehr gepflanzt wurde. Ein Bild für meine Serie der witzigsten Kreisverkehre Österreichs…

witziger Kreisverkehr Österreich

mehr zum Erdöl im Weinviertel

Erdöl Weinviertel

Meiner alten Heimat rund um die Erdölpumpen von Gänserndorf, Zistersdorf und Neusiedl/Zaya habe ich einen eigenen Besuch abgestattet: Weinviertel Erdöl

In Zwerndorf bin ich wieder neugierig und fahre direkt bis zur March. Eine kleine Erholungs-Siedlung wurde hier direkt an den Marchdamm und somit an die Grenze gebaut

Marchauen Zwerndorf

Nach den breiten Marchauen führt die Straße jetzt bis Dürnkrut wieder näher an der March – und somit der Grenze – entlang.

4. Angern: wo das Leben an der Grenze „einfach nur schön“ ist

Eigentlich eine Schande im 21. Jahrhundert und in Zeiten der offenen Grenzen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs: die nächste Möglichkeit nach Hainburg, mit dem Auto die Grenze zu passieren, liegt in Angern. Allerdings auch nur, wenn kein Hochwasser herrscht – denn beim Angerner Grenzübergang handelt es sich „nur“ um eine Autofähre.

Wie in Schloss Hof gab es auch hier schon eine Straßenverbindung: zwischen Angern und dem slowakischen Záhorská Ves konnte man früher auf einer Holzbrücke reisen. 2014 wurde eine neue Brücke von über 70% der Angerner abgelehnt. Heute sitzen die Angerner und ihre slowakischen Nachbarn allerdings gemeinsam dort zusammen, „wo die Welt schön ist“.

Nämlich beim Jausenstüberl direkt an der Fähre, das aufgrund seiner modernen Architektur sogar den Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich eingeheimst hat. Und beim leutseligen Wirt, der seine Schmankerln nicht ganz unoriginell anpreist: Das „4-Gang-Menü“ (Faschiertes, Erdäpfelsalat, Senf & Zwiebel) ist schon um 600 Cent zu haben.

Grenze Osten Österreich Angern Fähre

Das Leben ist schön“ liegt direkt an der Fähre.
Die Autofähre wird von der Gemeinde Záhorská Ves betrieben, Preise lt. Anschlagtafel (aus 2012): PKW € 2,-, Fußgänger € 1,-, Räder kostenlos.
Das Thema Grenzbrücke steht noch im Raum, Gespräche für eine Trasse südlich des Ortskerns laufen.


ein kurzer Blick auf die Nordbahn

Den nächsten Stop in Mannersdorf – die Rochuskapelle, bzw. im Volksmund als „Wutzelburg“ bekannt, wäre sicher einen Stop wert gewesen – lege ich erst in Stillfried ein. Und zwar nicht im Urzeit-Museum, das der Besiedlung von Stillfried in vorgeschichtlichen Zeiten gewidmet ist.

Sondern beim Bahnhof von Stillfried. Hier verrät noch eine Glocke den ankommenden Zug, und die Gleise überquert man über eine Holzbrücke. Ein Stück Bahngeschichte in modernen Zeiten. Andererseits: die Stillfrieder sind im Gegensatz zu vielen anderen Weinviertler Gemeinden wenigstens noch an eine Bahnlinie angebunden…!

Nordbahn Stillfried

5. Dürnkrut: wo König Ottokar nicht das Glück, sondern sein Ende fand

Bevor ich dem Ursprung österreichischer Geschichte – besser gesagt Habsburger Geschichte – meine Referenz erweisen kann, muss zuerst noch im Ort Dürnkrut Halt gemacht werden. Denn auch hier gibt’s Geschichtliches zu erfahren: das Schloss diente einst als Feldspital der Schlachten von Aspern und Wagram 1809.

Aber dann ist es soweit: Am „Kruterfeld“ zwischen Dürnkrut und Jedenspeigen (dort, wo die March eine „Beuge“ macht), wird dem Beginn der österreichischen Großmacht gedacht. Die zur Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen dazugehörigen Ritterfiguren kann man bereits in Dürnkrut nicht übersehen, in Jedenspeigen weisen gleich beide Ortseinfahrten auf die historische Bedeutung dieses Landfleckens hin.

Am 26. August 1278 war es, als Rudolf von Habsburg das zahlenmäßig überlegene Heer von Ottokar II. durch gutes Taktieren besiegte. Die Schlacht gegen den Böhmenkönig war nicht nur ein örtlicher „Markstein“, sondern legte den Grundstein für die erfolgreiche Geschichte der Habsburger. Und zusätzlich ging die Auseinandersetzung als eine der größten Ritterschlachten (30.000 auf Rudolfs Seite, 42.000 auf Ottokars Seite) in die Geschichte ein.

Gedenkstein Schlacht bei Dürnkrut und Jedenpeigen

Die nächste Station meiner Grenztour wird mich zur Geschichte einer weiteren Dynastie führen: dem Land der Liechtensteiner an der Grenze im Nordosten Österreichs.

Grenze Osten Österreich

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