Der MARCHFELDKANAL RADWEG: durch Österreichs Gemüsekammer

Entlang des Marchfeldkanal Radwegs 65 Kilometer durch die Gemüsefelder des Marchfelds bis zu den Barockschlössern am Ostrand Österreichs: ein schöner flacher Tagesradler


Schloss Hof und die Gegend entlang der March kenne ich – schließlich stamme ich aus dem Weinviertel. Aber quer durch das Marchfeld bin ich noch nie geradelt. Zeit also für eine Erkundungs-Radtour am Marchfeldkanal Radweg durch Österreichs Korn- und Gemüsekammer.

Aus-Geradelt ins Marchfeld: Am Radweg zwischen Wien und Schloss Hof
1. der Marchfeldkanal Radweg
2. die Highlights auf einen Blick
3. die Route
4. Karte vom Marchfeldkanal Radweg
5. von Wien nach Schloss Hof: die Strecke

meine Tipps für den Marchfeldkanal Radweg. Anreise, Rückreise, alternativer Einstieg, Einkehrmöglichkeiten am Weg

Im Gemüsegarten Österreichs

Das Marchfeld, Österreichs größte Beckenlandschaft, ist nicht nur Kornkammer und Gemüsegarten Österreichs, sondern stillt vor allem den Hunger der Wiener Großstadt. Das pannonische, sonnenreiche Klima begünstigt die Kultivierung von Gemüse – neben dem Marchfelder Spargel werden vorrangig Zwiebel, Erbsen und Karotten angebaut. Seit den 40er Jahren sind hier Österreichs Fabriken für Tiefkühlgemüse angesiedelt.

Nicht nur optimal fürs Gemüse, sondern auch optimal für Schlachten sind die weiten Felder: 1278 begründete hier Rudolf I. nach der Schlacht gegen Ottokar von Böhmen das Habsburgerreich, 1809 siegte Napoleon in der Schlacht bei Wagram.

Allerdings: Die weiten Flächen für den Getreide- und Gemüseanbau hatten mit einem Problem zu kämpfen – vor allem nachdem auch nach dem Krieg immer mehr Weizen, Zuckerrüben und Gemüse angebaut wurde. Der steigende Wasserverbrauch schrie nach künstlicher Bewässerung. Woher nehmen, wenn das Grundwasser nicht ausreicht?

Um der drohenden Versteppung zu entgehen, wurde in den 90er Jahren ein Kanalsystem errichtet, das für Wasserzufuhr aus der Donau sorgte. 6.0000l fließen hier seitdem pro Sekunde in das 100km lange Kanalsystem. Dem man das Künstliche allerdings nicht anmerkt, da sowohl der Marchfeldkanal als auch die weiterführenden Bäche als Naherholungszone naturnah gestaltet wurden.

Gemüsefeld

1. der Marchfeldkanal Radweg

Auf den ersten Blick käme man beim Vorbeiradeln gar nicht auf die Idee, dass man sich hier am größten künstlichen Gewässernetz Österreichs befindet. Die naturnahe Gestaltung als Naherholungszone lässt Ursprünglichkeit vermuten, Tiere und Pflanzen haben sich angesiedelt, sogar die Gewässerqualität von Rußbach und Stempfelbach haben sich seit der Errichtung des Kanalsystems verbessert.

Das Marchfeld als GRÖSSTE Beckenlandschaft mit dem GRÖSSTEN künstlichen Gewässernetz Österreichs – wir befinden uns im Reich der Superlative. Aber ein Superlativ geht noch: Ins Marchfeld führte der ERSTE ÖSTERREICHISCHE RADWEG überhaupt, und zwar schon im Jahre 1899!

Welche Route dieser damals genommen hat, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Die heutige Unterteilung in „Themenabschnitte“ war damals aber sicherlich noch kein Thema.

Der Marchfeldkanal Radweg ist einer meiner Top 10 Radwege Niederösterreichs.

2. die Highlights des Marchfeldkanal Radwegs auf einen Blick

  • die 65 Kilometer von Wien bis nach Schlosshof führen gemütlich durch die Marchfelder Feldlandschaft – auf flachen, manchmal geschotterten Wegen
  • in Wien ist der Marchfeldkanal-Radweg noch überlaufen (auch viele Spaziergänger sind unterwegs), ab der Stadtgrenze führt der Weg nur selten durch bewohntes Gebiet, vereinzelt ist mal ein älterer Herr auf seinem Rad unterwegs
  • der Weg ist hervorragend ausgeschildert, viele Schautafeln und sogar ein Gemüsequiz sorgen für Abwechslung
  • am Ziel locken die Barockschlösser Niederweiden und Schloss Hof sowie die Grenze zur Slowakei („Fahrrad-Brücke der Freiheit“ gleich hinter Schloss Hof)
  • ein perfekter Tagesradler: Einstieg in den Radweg in Wien, Rückfahrt per Zug über Marchegg (oder, wer verlängern möchte, über Hainburg oder Bratislava)

3. die Route

Der Marchfeldkanal Radweg ist perfekt ausgeschildert und informiert in fünf Abschnitten über den Bau des Kanals („Marchfeldkanal“), die Schlacht am Wagram („Napoleon“), die Gemüsekultur des Marchfelds („Spargel & Co“), Kultur im Marchfeld („Natur und Kunst“) sowie die barocken Schlösser an Österreichs Ostgrenze („Marchfeldschlösser“).

4. Karte vom Marchfeldkanal Radweg

Marchfeldkanal Radweg Karte
(c) www.marchfeldkanal.at

5. von Wien nach Schloss Hof: die Strecke


Einstieg in Wien

Wir reisen mit dem Zug bis Wien Floridsdorf an und fahren von dort auf die Donauinsel. An Badenixen vorbei radeln wir am Donauradweg zum Startpunkt des Marchfeldkanal Radwegs, der sich in Langenzersdorf – also schon in Niederösterreich – befindet. Beim Einlaufwerk der Neuen Donau zweigen wir vom Donauradweg ab, das erste Stück des Marchfeldkanal Radwegs verläuft noch parallel zur Donau, den Leopoldsberg haben wir dabei im Blick.

Mal links, mal rechts vorbei geht’s entlang an ehemaligen Donauarmen.

Was uns sehr gut gefällt: Die Holzbogenbrücken, über die wir geführt werden. Insgesamt sinds bis zur Stadtgrenze 23 Brücken, die ein harmonisches und architektonisch interessantes Ambiente schaffen.

Marchfeldkanal Holzbogenbrücke

Von der Stadtgrenze bis nach Deutsch-Wagram

Nach knapp 10 Kilometern verläuft der Marchfeldkanal Radweg in der unendlichen Weite des Marchfelds. Wüsste man es nicht, würde man auf den ersten Blick nicht vermuten, dass man entlang eines künstlichen Bachs entlangfährt: Die Uferböschungen wurden naturnah bepflanzt, die Umwandlung in ein Naherholungsgebiet ist gelungen: Wir streifen beim Vorbeifahren die Heckenrosen am Weg, riechen den süßen Duft des Holunders, lauschen dem Vogelgezwitscher aus den Windschutzgürteln, den aufgescheuchten Rebhühnern und den Lercherln am blauen Frühlingshimmel. Und bewundern Margeriten und Kornblumen und die eifrigen Bienen an den Feldrändern, an denen wir vorbeiradeln.

Wir kommen an Karotten, Erbsen und Erdäpfeln vorbei. Die jungen Pflänzchen stehen hier in Reih und Glied auf den Gemüseäckern.

Bis Deutsch-Wagram bleiben wir am Marchfeld-Kanal, der dort in den Rußbach mündet. Eisenbahnfreunde können hier einen Abstecher ins Eisenbahnmuseum machen.


Wo Napoleon gesiegt hat

In Parbasdorf kommen wir am Napoleondenkmal vorbei. Hier hat der große Feldherr die Schlacht bei Wagram gewonnen.

Marchfeldkanalradweg

Wir sind jetzt direkt im Gemüseland. Die ersten Ab-Hof-Produzenten locken am Wegesrand mit ihren Schildern, nach Markgrafneusiedl würde ein Abstecher nach Glinzendorf führen (den Biohof Adamah kennt man).

Der Rußbach, an dem wir seit Deutsch-Wagram entlanggefahren sind, muss nun einen Teil seines Wassers opfern, denn hier zweigt der Obersiebenbrunner Kanal ab, der das Wasser weiter bis zum Stempfelbach leitet. Wir werden bis kurz vor Schloss Hof weiter am Rußbach bleiben.

Kurz vor Leopoldsdorf verlässt der Radweg kurz den Rußbach. Wir haben Glück: 10 Minuten nachdem wir überlegt haben, mal einen Abstecher „ins Gemüse“ zu wagen, taucht punktgenau ein Schild für uns auf, das uns den Weg zur Leopoldsdorfer Konditorei weist. Perfekt…..Und herrliches Erdbeereis haben sie auch noch.

Café am Marchfeldkanal Radweg

Gestärkt nach der Kaffeepause geht’s weiter. Nachdem wir wieder ein kurzes Stück am Rußbach entlanggefahren sind – jetzt mit Altbaumbestand am Bachlauf, den Rußbach gibt’s ja schon länger – machen wir einen Schlenkerer rund ums Trappenschutzgebiet Haringsee. Die Großtrappe, der schwerste flugunfähige Vogel der Welt, hat hier eines ihrer letzten Rückzugsgebiete.

Man könnte auch nach Eckartsau hinunterbrechen, um sich die Residenz des letzten Kaisers, das Jagdschloss Eckartsau, anzusehen. Oder in den Nationalpark Donau-Auen einzufahren. Wir bleiben aber am Weg, und kurz nach Engelhartstetten verlassen wir den Rußbach in Richtung Niederweiden und Schloss Hof.


Am barocken Ostrand von Österreich

Hier überqueren wir den Stempfelbach. Links lassen wir das Jagdschloss Niederweiden hinter uns liegen und radeln nach Schloss Hof weiter. Der einstige Landsitz von Prinz Eugen hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: nach Maria Theresia (bzw. Franz Stefan von Lothringen) wurde das Sommerschloss auch von Wehrmacht und Roter Armee in Besitz genommen.

Vor einigen Jahren wurde das Schloss der Barockfürsten revitalisiert. Der Meierhof mit Tier-, Nasch-, Kräuter und Marmeladengarten sowie die Orangerie sind Publikumsmagnete und sowohl im Sommer als auch zur Adventszeit beliebt.

Für uns geht’s weiter zum Marchegger Bahnhof, wo uns der Zug wieder retour nach Wien bringt.

gut zu wissen: meine Tipps für den Marchfeldkanal Radweg

  • der Marchfeldkanal Radweg ist sehr gut an andere Radwege angebunden: in Wien z.B. an den Eurovelo 9 und den Donauradweg, in Schlosshof an den Kamp-Thaya-March-Radweg, bei Hainburg wieder an den Donauradweg
  • alternativer Einstieg : das erste Stück hat uns nicht nachhaltig begeistert, man könnte auch an der „Schwarzen Lacke“ in den Radweg einsteigen – einem seit Jahrzehnten ausgetrockneten Donauarm
  • Rückfahrt : wir sind mit dem Zug vom Bahnhof Marchegg retour gefahren (S80); man kann aber auch z.B. in Hainburg (S7) oder Bratislava (S80) in den Zug einsteigen; mehrere Orte an S1, S7 und v.a. S80 sind auch für kürzere Etappen anfahrbar
  • wählt man die Rückfahr-Variante über Bratislava, hat man neuerdings auch die Möglichkeit, über die neue völkerverbindende „Fahrradbrücke der Freiheit“ – direkt hinter Schloss Hof – über die March zu fahren; über den Eurovelo 13, den Iron Curtain Radweg, kommt man direkt nach Bratislava
  • etwas nördlich des Marchfeldkanal-Radwegs verläuft übrigens Österreichs einzige Flugsandzone ; zwischen Untersiebenbrunn und Gänserndorf, das Europaschutzgebiet „Pannonische Sanddünen“
  • Einkehrmöglichkeiten gibt’s bis auf Wien und unsere Konditorei in Leopoldsdorf nicht direkt am Weg, man muss in die Orte hineinfahren um zu den Heurigen zu gelangen; alle Essens-Stops sind in der Radkarte eingezeichnet
  • Achtung: es gibt eine aktuelle Umleitung zwischen Haringsee und Engelhartstetten, aktuelle Infos hier

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