Sommerfrische am SEMMERING: 8 etwas andere Tour-Vorschläge

Welche Touren man auf Semmering Ausflug erleben kann: von Zug- und Schienentouren, Luxus- und Karl-Touren – und dem berühmten 20-Schilling-Blick.


Jeder Ostösterreicher kennt den Semmering vom Skifahren. Wer ist nicht schon einmal am Zauberberg gewedelt? Aber nicht nur Ski-Touren kann man am Semmering unternehmen. Auch andere Touren kann man zur Sommerfrische am Semmering erleben.

Der Kurort in bester Höhenlage verzaubert noch heute mit dem Charme der Belle Epoque. Ein echter Sehnsuchtsort. Ich habe mich auf die Spuren der alten Semmering Hotels, der Semmeringbahn und weiteren Ausflugszielen rundherum gemacht.

Ausgeflogen am Semmering: wo man nicht nur im Winter seine Runden drehen kann
1. Zug-Tour: natürlich per Bahn anreisen
2. Luxus-Tour: vergangenen Glamour aufspüren
3. Karl-Tour: den wichtigsten Pionieren Referenz erweisen
4. 20-Schilling-Tour: Kindheitserinnerungen aufkommen lassen
5. Gleis-Tour: Viadukte von oben und unten bewundern
6. Waggon-Tour: alte Loks bestaunen
7. Vino-Tour: bis nach Triest reisen
8. Genuss-Tour: den Semmering Ausflug mit Kindheitserinnerungen abrunden

Semmering Sommerfrische: Eintauchen in längst vergangene Zeiten

Der Semmering-Zauber weckt Begierden. Auch heute noch. Der Anblick auf Südbahnhotel, Panhans oder Kurhaus übt einen unwiderstehlichen Zauber aus. Man wird neugierig, möchte hin, will entdecken. Dem Verfall ein Stückchen zusehen. In eine längst vergangene Zeit eintauchen. Und die Eleganz der Jahrhundertwende wieder auferstehen lassen.

Neben den Semmering Hotels lockt auch die alte Südbahn, die sich in unzähligen Kehren durch die Adlitzgräben und vorbei an Pollereswand und Co durch den Semmering schmiegt. Wer möchte mal nicht den Blick auf den berühmten 20-Schilling-Blick geworfen haben – oder durch einen der berühmten Viadukte durchspaziert sein?

Aber wo sind wir hier überhaupt? Was ist der Semmering nun genau – sprechen wir von einem Ort, einem Berg – oder beidem?


Semmering: der Ort

Der Luftkurort Semmering liegt – gut in die umgebende Bergwelt eingebettet – nur eine Autostunde von Wien entfernt. Nah genug als lohnendes Ausflugsziel heute. Aber auch um die Jahrhundertwende nah genug als Kurort und Sommerfrische für Erzherzöge, Literaten und die Oberen Zehntausend.

Nach der Hochblüte zu Beginn des 20. Jahrhunderts läutete der Beginn des Automobilzeitalters den Verfall ein: die Sehnsuchtsorte der Wiener waren ein Stück weiter südlich gerutscht.


Semmering: der Pass

Eigentlich ist er nicht hoch, der Semmeringpass, der am östlichen Rand der Alpen das Wiener Becken mit der Mur-Mürz-Furche – bzw. Niederösterreich mit der Steiermark verbindet. Steht man auf der Passhöhe, befindet man sich auf gerade mal 984 Metern.

Grenzlandhütte Semmering

Heute reist man über die Schnellstraße S6 oder per Zug an – oder gemütlich über die alte Serpentinenstraße.

In früheren Zeiten stellte die Überwindung des Passes die Menschen vor große Herausforderungen, musste man doch den Weg durch die Schluchten der Adlitzgräben wählen.

Der Semmeringpass war als Handelsweg nach Triest von großer Bedeutung. Kaiser Karl VI ließ daher 1728 eine Straße über den Pass erbauen.

1. Zug-Tour: natürlich per Bahn anreisen

Der Ausbau der Semmeringstraße wurde allerdings nie komplett vervollständigt. Denn in der Mitte des 19. Jahrhunderts trat die Bahn ihren Eroberungsfeldzug an. Und brachte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zahlreiche Sommerfrischler auf die Passhöhe.

Wir haben uns die Semmeringbahn bei einem anderen Semmering Ausflug genauer angesehen – von oben und auch von unten. Und sind auch per Zug zum Semmering angereist. Unsere Reise IN der Semmeringbahn und NEBEN der Semmeringbahn gibt’s hier zum Nachlesen.

Viadukt Unterer Adlitzgraben Semmeringbahn

2. Luxus-Tour: vergangenen Glamour aufspüren

Die Südbahn holte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts neues Publikum an den Semmering. Reisen voll Niveau und Luxus war nun angesagt, und die Grand Hotels am Semmering taten ihr Übriges.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs funktionierte die Luxuspartie am Semmering. Danach war Schluss, heute erfreuen wir uns am morbiden Charme vergangener Zeiten und an ehemaligen Grand Hotels, die zwischen Verfall und Nachnutzung changieren.

Was mir bei unserem Semmering Ausflug aufgefallen ist: die vier großen Semmering Hotels stehen sich als Sichtachsen Gegenpole gegenüber.


vom Südbahnhotel zum Kurhaus: wo zumindest der Kultursommer lebt

Das erste der Grand Hotels am Semmering wurde von der Südbahngesellschaft 1882 auf genau 1.000 Metern Seehöhe erbaut. Erst der 1901-1903 errichtete Zweitbau machte das Südbahnhotel zu einem der führenden Luxushotels Europas. Und zu dem, was wir heute kennen: Einem beeindruckenden Bau im Stil des Späthistorismus mit grünen Zwiebeltürmchen, Kiosk und Wetterhäuschen, Belle Etage, Salons und Zimmern in Eiche und Kirsch. 1932 wurde sogar ein Hallenbad eingebaut.

Im Zweiten Weltkrieg musste das Südbahnhotel als Lazarett dienen, die 60er Jahre bedeuteten das Ende des Hotels.

  • Südbahnhotel heute
  • Südbahnhotel heute
  • Südbahnhotel heute
  • Südbahnhotel heute
  • Südbahnhotel heute
  • Südbahnhotel heute
  • Südbahnhotel heute

Das Kurhaus wurde 1909 als viertes der Luxushotels errichtet und darf sich noch heute in perfekter Sichtachse zum Südbahnhotel der sonnigen Lage am Wolfsbergkogel erfreuen. Im Kurhaus zog die Moderne ein – nicht nur im Gerüst (erster Stahlbetongroßbau Österreichs), sondern auch an der Fassade und im Interieur. Das Haus wurde als Mix aus Kuranstalt und Luxushotel genutzt: in (weißem) Frühstückssaal, aber auch im Lese- und Musikzimmer. Ein (Kur)haus für Künstler und Literaten wie Schnitzler, Reinhardt & Co.

Das Kurhaus wurde im Krieg ebenso als Wehrmachtlazarett, und danach als Quartier für die sowjetische Besatzungsmacht genutzt.

  • Kurhaus Semmering
  • Kurhaus Semmering

Beide Semmering Grand Hotels dürfen im Sommer – auf den Spuren ehemaliger Kurgäste wie Stefan Zweig – als Spielstätte des Kultur.Sommer.Semmering dienen. Als Konzept für das Südbahnhotel wird eine Zukunft als Residenz oder Veranstaltungsort diskutiert. Das Kurhaus wird als „Grand Semmering“ revitalisiert.


vom Panhans zum Sporthotel: wo sich neue Eigentümer austoben

Sechs Jahre nach dem Südbahnhotel wurde von Vinzenz Panhans, dem Koch desselben, die große Konkurrenz in Form des Panhans eröffnet. Nach der Erweiterung auf 400 Zimmer (und eine 300 Meter lange Fassade) durch die Wiener Ringstraße Architekten Helmer & Fellner festigte das Haus seine Bedeutung als eines der größten Hotels Europas. Der Untergang folgte in den 60er Jahren.

  • Sommerfrische Semmering
  • Panhans Grand Hotel Semmering
  • Panhans Grand Hotel Semmering
  • Semmering Blick auf Panhans

Hingucker neben dem Panhans: das kleine Kirchlein in Südbahnhotel-Optik.

Kirche Semmering neben Panhans

Das ehemalige Artis-Hotel reiht sich zwar nicht in die ehemaligen Grand Hotels am Semmering ein. Denn das Vierte der großen Häuser war als „Erzherzog Johann“ auf der Passhöhe zu finden (und, da 1945 abgebrannt, nicht mit dem heutigen Hotel zu verwechseln).

Aber dennoch legt sich das heutige Sporthotel so imposant in den Gegenhang zum Panhans, dass man den kleinen Umweg von der Passhöhe gern in Kauf nimmt. Und dafür mit dem Blick auf das Panhans belohnt wird.

Sporthotel Semmering

Im Panhans befinden sich heute die Tourismusschulen Semmering. Das Hotel ist – wie auch das Sporthotel – im Besitz der Panhans Holding rund um Viktor Babushchak (dem auch die Zauberberg Lifte gehören) und soll angeblich im Winter 2020 öffnen. Im Sporthotel kann man auch einen – wenn auch nicht ganz Sommerfrische-stilgerechten – Kaffee einnehmen.


wie man die Hotel- und Villenrunde am Semmering am Besten dreht

Der Semmering fasziniert gerade aufgrund seiner eigentümlichen Architektur – dem an Tiroler und Schweizer Bauernhäusern angelehnten Villenstil. Nicht nur die Grand Hotels, auch die kleinen Hotels und privaten Villen – allen voran das unübersehbare Silbererschlössl – sind einen Rundgang wert.

Wer an den schönen Villen und Grand Hotels, an der Passhöhe und am Bahnhof, sowie am 20-Schilling-Blick und dem Fleischmannviadukt vorbeispazieren möchte, ist mit dem „Zauberblicke Weg“ gut aufgehoben (Punkt 2, 3 und 4).

Der über 11 Kilometer lange Rundgang kann auch zu einem kleineren Spaziergang abgekürzt werden, bei dem von der Passhöhe auf der Hochstraße am Panhans vorbei bis zum Südbahnhotel spaziert, und von dort über die Villenstraße und Südbahnstraße zum Bahnhof zurück zur Passhöhe. Von dort ist es nur ein kurzer Abstecher bis zum Sporthotel.

Semmering Ausflug Zauberblicke Tour

3. Karl-Tour: den wichtigsten Pionieren Referenz erweisen

Auf der Passhöhe finden wir auch den „ersten Karl“ der beiden Semmering-Pioniere. Kaiser Karl VI war es, der 1728 die Straße über den Semmeringpass in nur 48 Tagen vollenden ließ. Und als Erster auf dieser am 21. Juni samt Gattin und Hofstaat nach Triest unterwegs war.

Zum Dank für die Bezwingung des furchtbaren Passes gedachten ihm die österreichischen Stände mit dem Carolus Denkmal.


Am Bahnhof dann das zweite Karl-Denkmal. Und zwar diesmal für den zweiten Pionier, der den Semmering befahrbar machte. Allerdings dieses mal nicht auf Rädern, sondern auf Schienen.

Wir bewundern das Denkmal für Carl Ritter von Ghega, der sich mit dem Bau der Semmeringbahn zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag in nur sechs Jahren in den Ritterstand katapultierte.

Bahnhof Semmering Carl Ritter von Ghega Denkmal

Am Bahnhof befindet sich ein kleines Infozentrum zum Bau der Semmeringbahn.

An der Passhöhe befindet sich übrigens auch ein Original Bauernhaus aus Mürzzuschlag: im Seewirtshaus aus 1666 kann man auch heute noch einkehren. Und einem weiteren Pionier wird ebenso an der Passhöhe gedacht: nicht dem ersten Be-Fahrer der Passstraße, sondern dem ersten Über-Flieger: dem Flugpionier Eduard Nittner.
Carl Ritter von Ghega ist auch ein kleines Museum am Bahnwanderweg gewidmet.

4. 20-Schilling-Tour: Kindheitserinnerungen aufkommen lassen beim Semmering Ausflug

Apropos Carl Ritter von Ghega: jeder Ü40-er kennt ihn noch, den alten Zwanziger Schein.

20 Schilling Schein Carl Ritter von Ghega

Und warum sollte man überhaupt zum Semmering fahren, wenn man denn nicht den Blick auf dieses faszinierende Ensemble aus Viadukten und Tunnels, Felswänden und herrlicher Panoramalandschaft werfen möchte?

Wir haben den 20-Schilling-Blick bei unserer Wanderung am Bahnwanderweg in Angriff genommen (siehe nächster Tipp). Aber auch die „Zauberblick Runde“ (siehe Tipps 2) führt am 20-Schilling-Blick vorbei.

Und wer per Auto unterwegs ist, kann auch über Breitenstein zum Kalte Rinne Viadukt fahren und sich diesen von unten ansehen. Oder einen kleinen Spaziergang bei der Pollereswandrunde einlegen – vom Kalte Rinne Viadukt zum Krauselklause–Viadukt und zurück (1,7km).

5. Gleis-Tour : Viadukte von oben und unten bewundern

21 Kilometer waren wir bei einem anderen Semmering Ausflug zu Fuß bis nach Payerbach unterwegs. Und zwar am Bahnwanderweg, der sich (fast) immer an der faszinierenden Bahnstrecke entlang durch herrliche Postkartenlandschaften zieht.

Wir haben Viadukte von oben und von unten inspiziert. Sind beim minutenlangen Warten auf den nächsten unter uns vorbeizischenden Zug zu Trainspottern geworden. Und haben auch die herrlich sympathische Kaffee-Labestelle beim ehemaligen Bahnhofswärterhäuschen genossen.

Bahnwanderweg Semmeringbahn

Unsere Trainspotting-Wanderung am Semmering Bahnwanderweg.

6. Waggon-Tour: alte Loks bestaunen

Nach den Gleisen kommen die Waggons. Was für uns den Abstecher nach Mürzzuschlag bedeutet, um uns das Südbahnmuseum anzusehen.

Denn hier – an einem der ältesten Eisenbahnorte Österreichs (die Zugstrecke nach Graz gabs bereits 1844) – wird in zwei alten Lokomotivhallen Informatives zur Südbahnstrecke nach Triest ausgestellt. Garniert mit einem Rundlok-Schuppen, alten Bahnfahrzeugen – und einem stilvollen k.u.k. Caféwaggon.

  • Südbahnmuseum Semmering
  • Südbahnmuseum Semmering
  • SüSüdbahnmuseumdbahnmuseum
  • Südbahnmuseum Semmering
  • Südbahnmuseum Semmering
  • Südbahnmuseum Semmering

Kleiner Pausen-Tipp für Jugendstil-Ästheten und Unterstützer liebevoll geführter Lokale: Das Café Wien ist eine Alt-Wiener Kaffeehaus-Perle, bei dem wir gerne bei jeglichen Ausfahrten an der S6 einen Zwischenstop einlegen.

Cafe Wien Mürzzuschlag

Das Südbahnmuseum ist nicht nur für Zug-Aficionados ein Erlebnis. Jeder, der auch in die Geschichte der Monarchie (Stichwort Sommerfrische in Triest) eintauchen möchte, ist hier richtig.
Wer mehr über die neuere Geschichte der Semmeringbahn erfahren möchte, kann sich bei den Infoboxen zum Semmering Basistunnel in Mürzzuschlag oder Gloggnitz informieren.
Das Café Wien liegt optimal beim Stadtplatz-Parkplatz im Zentrum von Mürzzuschlag (Toni-Schruf-Gasse 10).

7. Vino-Tour: bis nach Triest reisen

Am anderen Ende des Semmeringpasses lockt nicht das Alt-Wiener Kaffeehaus, sondern der Wein aus Triest. Und zwar im längsten Viadukt der Semmeringbahn.

Im „Vinodukt“ über die Schwarza dürfen Weine von Wien bis Triest verkostet werden. Aber auch den Payerbacher „Gurgelkratzer“ gibt’s zum Kosten.

Das Vinodukt hat Freitags ab 18.30 geöffnet.

8. Genuss-Tour: den Semmering Ausflug mit Kindheitserinnerungen abrunden

Und noch einmal Kulinarisches, und noch einmal Kindheitserinnerungen.

Denn nicht nur wegen dem Ausblick lohnt der Abstecher nach Maria Schutz. Und nicht nur wegen der Wallfahrtskirche am Fuß des Sonnwendsteins. Nein – die Heimreise vom Semmering Ausflug kann man nicht ohne die Klosterkrapfen vom Kirchenwirt antreten….