Am TRAISENTALRADWEG von Mariazell bis St. Pölten (inkl. Mariazellerbahn)

87 Kilometer „Autobahn“ vom steirischen Mariazell über das Mostviertler Alpenvorland bis nach St. Pölten: die Highlights und unsere Tipps für den Traisentalradweg


Die Mariazellerbahn hatten wir schon sehr lange auf unserer To-Do-Liste stehen. Unser Radtag auf dem Traisentalradweg war perfekter Anlass für die beschauliche Zugfahrt nach Mariazell.

Flott gings danach wieder retour nach St. Pölten, denn die 87 Kilometer durchs Alpenvorland und entlang der Traisen erradelten sich auf großen Teilen der Strecke ganz von selbst. Very fein!

Aus-Geradelt am Traisentalradweg: 87 Kilometer zwischen Mariazell und St. Pölten

Unterwegs am Pilgerradweg – oder einer kleinen „Radler-Autobahn“

Der Traisentalradweg wird auch Pilgerradweg genannt: führt er doch an der der Mariazeller Basilika, dem Lilienfelder Zisterzienser-Stift sowie dem St. Pöltner Dom vorbei. (Und auch Stift Herzogenburg und Göttweig liegen so gut wie am Weg, wenn man die Route bis zur Donau hinauf verlängert). Noch dazu trifft man am Traisentalradweg des Öfteren auf den „Wiener Wallfahrerweg“, eine der Pilgerrouten nach Mariazell.

Wir waren auf unserem Radtag dem Himmel allerdings anders nahe: bei der himmlisch schönen Anfahrt mit der Mariazellerbahn.

Und haben uns fast ein bisschen wie beim Skifahren gefühlt: der „Lift“ (in diesem Fall die Mariazellerbahn) bringt uns hinauf, und nach einer kurzen anstrengenden Steigung gehts unerwartet in einer „lang gezogenen Autobahn“ hinunter. Wir sind ewig einfach nur gerollt…..kennt man das nicht von diversen Talabfahrten in St. Anton & Co?

1. der Traisentalradweg

Eigentlich gibt’s am Traisentalradweg ganze 111 Kilometer zu radeln, denn die Route führt bis hinauf zur Mündung der Traisen in die Donau. Was allerdings anreisetechnisch nicht so einfach ist. Daher haben wir uns entschieden, nur bis nach St. Pölten zu fahren und dafür die komfortable Anreise per Bahn zu nutzen. Immerhin ergibt das auch 87 Kilometer

Kurios: ein ganz schönes Stück führt der Radweg gar nicht an der Traisen entlang! Viel eher geht’s anfangs entlang an der Walster, bis ein kurzer – aber auch anstrengender – Anstieg auf das Gscheid erfolgt.

Erst ab Kilometer 38 stößt die Unrechttraisen dazu, und die „richtige“ Traisen (also den Zusammenfluss beider Quellflüsse) lernen wir auch erst kurz vor Lilienfeld kennen.

Der Traisentalradweg ist einer meiner Top 10 Radwege Niederösterreichs.

2. die Highlights

  • Für einen Flussradweg ist das erste Stück recht untypisch (es fehlt der Fluss…). Dafür gibt’s zu Beginn richtiges Wanderfeeling rund um den Hubertussee. Das kurze Stück danach lieben auch Motorradfahrer, ab da radelt man nur mehr auf „Hintaus“-Strasserl durch diverse Orte.
  • Perfekt für Genussradler: bis auf eine Ausnahme geht’s ständig bergab – Autobahnfeeling pur! Wir haben sogar fast ein schlechtes Gewissen bekommen, weil wir ewig – wirklich ewig lange – nicht in die Pedale treten mussten.
  • Die 87 Kilometer relativieren sich dadurch: noch nie ist mir ein knapper „90er“ so kurz vorgekommen!
  • Auch mit Kindern perfekt: will man die anstrengende Steigung aufs Gscheid umgehen, kann man abkürzen und den Radweg erst ab Kernhof beginnen (Anreise per Radtramper siehe Tipps). Danach rollt es sich fast von alleine und die Strecke ist mit 57 Kilometern auch gut für Kinder zu schaffen.
  • Das letzte Stück vor St. Pölten führt gechillt an der Traisen entlang, die sich hier schon recht träge in breitem Flussbett präsentiert.
  • Auch wichtig: Rast- bzw. Einkehrplätze sind gut auf die Strecke aufgeteilt, hie und da lädt auch direkt am Weg ein kleiner Radlerstop zur Pause ein. Und: es gibt genügend Trinkwasserbrunnen auf der Strecke (auf der Karte eingezeichnet).

3. die Route (inkl. Karte)

Wir sind den Traisentalradweg wie so viele andere Flussradwege verkehrt“ gefahren: von Mariazell bis St. Pölten. Und liegen damit im Trend. Es ist für uns einfach der natürlichere Wegverlauf.

Den wunderschönen Radtag durften wir gleich morgens mit der Mariazellerbahn beginnen.


Traisentalradweg Karte

Karte

Die Karte kann hier bestellt oder downgeloadet werden.

4. die Anreise mit der Mariazellerbahn

Die Mariazellerbahn haben wir als „Lift“ genutzt, der die 600 Höhenmeter nach Mariazell für uns ganz gemütlich überwindet. Heißen die neuen Garnituren doch nicht umsonst „Himmelstreppe“.

Mariazellerbahn

Das Ganze auf stolzen 85 Kilometern und durch 21 Tunnel – oder guten zweieinhalb Stunden Fahrzeit.

Seit 114 Jahren bringt die längste Schmalspurbahn Österreichs Pilger nach Mariazell. Nach Kirchberg an der Pielach und Laubenbachmühle beginnt die Bergstrecke nach Mariazell durch zahlreiche Schleifen und Serpentinen sowie den 2,3 Kilometer langen Gösingtunnel.

Fahrkarten für die Mariazellerbahn können hier gekauft werden, inkl. Reservierungen für Sitzplätze und Räder. Beides ist zu empfehlen: die „Himmelstreppe“ war bei unserem Radtag ziemlich ausgebucht, noch dazu sind die Radstellplätze begrenzt (10 Plätze pro Fahrt).
Kosten: € 18,40,- (bzw. € 11,- mit ÖBB Vorteilscard; div. andere Ermäßigungen), weiters € 2,- für die Sitzplatzreservierung und € 5,- für den Radstellplatz.

5. Traisentalradweg Etappe 1: von Mariazell nach St. Aegyd


Pilger & Lebkuchen: von Mariazell bis zum Hubertussee (13 Kilometer)

Nach guten zweieinhalb Stunden Fahrt sind wir angekommen am bedeutendsten Wallfahrtsort Österreichs. Die Museumstramway, die am Nebengleis Wanderer zum Erlaufsee bringt, lassen wir diesmal aus. Verlockend wärs schon!

Museumstramway Mariazell Erlaufsee

Vom Bahnhof radeln wir hinein ins Zentrum. Kaffee und Lebkuchenherzen lassen wir heute sein und lassen den Hauptplatz in Richtung Kreuzberg links (bzw. eher rechts) liegen. Das „Luckerte Kreuz“ verrät, dass wir einen der zahlreichen Pilgerwege nach Mariazell kreuzen (nämlich den Wiener Wallfahrerweg).

  • Traisentalradweg Mariazell
  • Traisentalradweg Mariazell
  • Traisentalradweg Mariazell
  • Traisentalradweg Mariazell

Aber dann: im Schuss geht’s die Kehren des Kreuzbergs hinunter. Wobei Achtung: wir dürfen die Abbiegung nach links in den Rechengraben nicht verpassen! Am Schotterweg radeln wir nun am rauschenden Wasser in der kleinen Au der Walster entlang. Linkerhand zieht ein überdimensioniertes Kriegerdenkmal vorbei, rechts ein Kaiser-Standbild auf einem Felsvorsprung.


vom Hubertussee rauf aufs Gscheid (10 Kilometer)

Schön malerisch liegt der Hubertussee da. Hier wollen alle hin: Radler wie wir, Motorradfahrer und auch die Pilger auf dem Wiener Wallfahrerweg lassen sich die „Wuchtln“ bei der Wuchtlwirtin schmecken.

Wir lassen die Buchteln für diesmal sein, denn: auf vollen Magen fährt sichs schlecht. Und schließlich liegt der einzig mühsame Anstieg kurz vor uns.

Gleich nach der Wuchtlwirtin verlassen wir das Steirische und radeln im Niederösterreichischen ein. Zwischen Wald und Bach, und manchmal Wiese, kommen wir zu einer langgezogenen Kurve. Links würde es nach Annaberg gehen, wir aber orientieren uns nach rechts und plagen uns über mehrere Kehren aufs Gscheid hinauf. Etwa 120 Höhenmeter sinds, die wir auf diesem kurzen Stück bewältigen müssen. Kein Wunder, warums von diesem Anstieg keine Fotos gibt…

Ein letzter Mini-Anstieg noch bis zum Alpengasthof an der Landesstraße, wo wir uns nach der Plackerei einen Saft bzw. ein Bier verdient haben.


runtergerollt auf der Autobahn (14 Kilometer)

So einen Hinweis – oder besser gesagt so ein Warnschild für Radler – habe ich noch selten wegen einer „Abfahrt“ gesehen! Aber diese Talstrecke hats in sich: auf zwei Kilometern kommen die Bremsen ordentlich zum Zug!

Traisentalradweg Anstieg Gscheid

Gottseidank wurde der Radweg neben der Straße angebracht, um möglichen Kollisionen einen Riegel vorzuschieben. Nur auf den Radler-Gegenverkehr muss aufgepasst werden: die meisten „lieben“ hier ihr Rad und „schieben“ hinauf.

Danach rollen wir auf weiteren zwei Kilometern bis Kernhof aus. Insgesamt haben wir auf dieser Talabfahrt ganze 300 Höhenmeter hinter uns gebracht! Die Hinaufplackerei aufs Gscheid hat sich definitiv ausgezahlt!

Unten angelangt würde eine kleine Radlertankstelle – die „Kernhofer Würstlalm – neben dem Campingplatz zu einem Stop einladen.

Ab Kernhof ist der Traisentalradweg kindertauglich, denn noch immer rollen wir ganz von alleine dahin. Kindern müsste man sogar das Bremsen einschärfen.

Wir lassen Kameltheater mit Alpentierpark und Weißem Zoo hinter uns und radeln weiter in Richtung St. Aegyd. Auch den nächsten Stop am Wegesrand müssen wir eine Absage erteilen: Eis und Jause werden wir uns im Strudelhof das nächste Mal abholen.

St. Aegyd Radweg

6. Traisentalradweg Etappe 2: von St. Aegyd nach Lilienfeld


St. Aegyd: die Traisen stößt dazu (18 Kilometer)

In St. Aegyd stoßen wir endlich auf den namensgebenden Fluss des Traisentalradwegs. Wobei: eigentlich stoßen wir „nur“ auf die Unrechttraisen, einen der beiden Quellflüsse.

St. Aegyd ist fahrradfreundliche Gemeinde und nordisches Skizentrum – ein naturnahes Plätzchen mitten in den Voralpen. So naturnah, dass wir bei der Bahnüberquerung sogar ein Reh entdecken – und das mitten im Ort!

Nach St. Aegyd queren wir die Bahntrasse beim Eisenwerk und radeln bis Hohenberg – vorbei an einigen Wehren – an der Straße entlang.

  • St. Aegyd Traisen Radweg Wehr
  • St. Aegyd Traisen Radweg Wehr
  • St. Aegyd Traisen Radweg Wehr
  • St. Aegyd Traisen Radweg Wehr
  • St. Aegyd Traisen Radweg Wehr
  • St. Aegyd Traisen Radweg Wehr

Und tatsächlich müssen wir nun auch wieder zu Treten beginnen (aber auch nur gelegentlich: bis Lilienfeld geht’s trotzdem immer nur leicht bergab).

Hohenberg hat einen Hingucker-Stop hingestellt – klar, als Kreativdorf (samt Kreativschule!) erwarten wir das fast. An der Radler-Telefonzelle (mit Rad-Prospekten) muss man aber auch wirklich stehenbleiben. Der Trinkwasserbrunnen kurz darauf lädt ebenfalls zu einem Stop ein.

Hohenberg Telefonzelle Radlerinfo

Hohenberg zieht sich ganz schön in die Länge. Mal links, mal rechts radeln wir zwischen Sägewerk und Kläranlage am Fluss entlang, der durch die Wehren ganz schön seicht und ruhig daherkommt.

Nach so viel „Hohen-Berg“ kommt ganz viel „niedrige Wiese“: Die meiste Zeit tingeln wir nun an Wiesen und Höfen vorbei, im Hintaus an diversen Werken.


und jetzt stößt die „andere“ Traisen dazu (7 Kilometer)

Das nächste Wehr erwartet uns dann in Freiland. Dort, wo der zweite Quellfluss, die „Rechttraisen“ oder „Türnitzer Traisen“ zur Unrechttraisen dazustößt. Die zusammengeführte Traisen überrascht uns nach dem nächsten Wehr mit einem grünlich-moosigen Ton.

  • Freiland Traisen
  • Freiland Traisen
  • Freiland Traisen
  • Freiland Traisen

Der Name der Siedlung hat übrigens nicht mit Hühnern zu tun: 1683 wurden hier die Türken erfolgreich zurückgedrängt, was den Ort zu „Freiland“ machte.

7. Traisentalradweg Etappe 3: von Lilienfeld nach St. Pölten


Lilienfeld: Rast an der Traisen-Strandbar

Nur noch 25 Kilometer fehlen uns bis nach St. Pölten: jetzt haben wir uns eine gemütliche Rast verdient. Auf den Stop im „Salettl“ bei Moti´s Strandbar haben wir uns schon gefreut, denn diese liegt direkt an der Traisen. Gleich gegenüber thront das Zisterzienser-Stift Lilienfeld.

Lilienfeld Salettl Moti´s Strandbar

Nach dem chilligen Rastplatz am Wasser radeln wir weiter im „Hintaus“, wieder einmal vorbei an einem Wehr, einem Badeplatz – und wieder einem Wehr. Innerhalb von vielleicht zwei Kilometern wurde die Traisen hier zweimal aufgestaut – kein Wunder: die Prefa-Werke liegen gleich daneben.


gechilltes Dahinradeln bis nach St. Pölten (25 Kilometer)

Bis nach Traisen geht’s jetzt im Hinterland der Straße weiter, nach dem Traisener Sport- und Tennisplatz stößt die Gölsen von rechts dazu.

Vorbei am Traisentaler Angelsee wechselt der Radweg wieder auf die linke Seite der Traisen. Ein Blick zurück am Trinkwasserbrunnen: herrlichstes Bergpanorama!

Ab hier wird’s auig, schattig – und chillig: am Ufer relaxen Spaziergänger, auf der Traisen bewegen sich Schwäne genauso wenig wie die Traisen selbst: der Fluss ist einfach nur mehr flach und träge.

Einen letzten Chill-Stop im Liegestuhl mit Blick auch Schoss Ochsenburg legen wir an der Radlertränke Ochsenburg ein.

Entlang der „Schottersteinbänke“ vor St. Pölten radeln wir in der Landeshauptstadt ein: „Treppelweg-Feeling“ pur!

  • Traisentalradweg vor St. Pölten
  • Traisentalradweg vor St. Pölten
  • Traisentalradweg vor St. Pölten
  • Traisentalradweg vor St. Pölten
  • St. Pölten

gut zu wissen: meine Tipps für den Traisental Radweg

  • Radtransfer & parken
    Wir sind mit der Mariazellerbahn von St. Pölten nach Mariazell angereist. Infos zu Tickets und Reservierung siehe Punkt 4. Unser Auto haben wir am Bahnhof St. Pölten geparkt.
    Wer verkürzen möchte bzw. den Aufstieg aufs Gscheid vermeiden möchte (vor allem mit Kindern), nimmt den Radtramper bis Kernhof. Im Gegensatz zur Mariazellerbahn kann allerdings kein Platz reserviert werden (Kapazität 50 Räder).
    Als Alternative gibt’s diverse Radtaxis.
  • Radkarte
    Die Karte kann hier bestellt oder downgeloadet werden.
  • wo einkehren
    Am Traisentalradweg gibt’s viele schöne Stops, die in den meisten Fällen auf der Radkarte eingezeichnet sind. Wir haben Rast gemacht am Alpengasthof am Gscheid, im „Salettl“ bei Moti´s Strandbar und der Radlertränke bei Ochsenburg.
    Gerne machen wir beim nächsten Mal einen Stop: bei der Wuchtlwirtin am Hubertussee, der Radlertankstelle vor Kernhof und dem Strudelhof nach Kernhof.
    Perfekt: Trinkwasserbrunnen sind in der Karte eingezeichnet: z.B. vor St. Aegyd, in Hohenberg, Lilienfeld, nach Wilhelmsburg oder bei der Traisenquerung bei Ochsenburg.
  • verlängern
    Die logischste Verlängerung ist natürlich die Fahrt bis zum Ende des Traisentalradwegs (Traisenmündung in die Donau). Theoretisch könnte man am Donauradweg bis Melk fahren und von dort über den Pielachtalradweg nach St. Pölten zurückkehren (aufgrund der Länge bleibts für Genussradler wie mich dabei bei der Theorie).
    In Freiland ist ein kurzer Abstecher entlang der Türnitzer Traisen möglich (Türnitzer Bahnradweg, 18 Kilometer hin/retour inkl. 3 Tunnel).

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