5 gute Gründe für einen Kurztrip nach TRIEST: meine Sehenswürdigkeiten-Tipps

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Ein Abstecher nach Triest: meine Tipps für einen kurzen Besuch in „Klein-Wien“ (inkl. Café, Bar und Commissario – und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten)


Auf unserem Roadtrip durch den Friaul haben wir auch einen Abstecher in Triest eingelegt. Natürlich hatten wir nicht für alles Zeit, aber die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gingen sich aus. Und auch die „Triestinitá“ konnten wir gut einfangen. Hier unsere Tipps für einen Kurztrip nach Triest.

Ausgeflogen nach Triest: was man in der Stadt der Winde an einem Wochenende tun kann
1. auf Spurensuche der Monarchie gehen – und einen der schönsten Plätze der Welt finden
2. den wahren italienischen Caffé trinken – und zwar dort, wo er herkommt
3. auf Spurensuche der Römer gehen – und ziemlich offensichtliche Spuren finden
4. die Triestinitá erleben – und zwar dort, wo auch Kommissare hingehen
5. und natürlich den Wind erleben

meine Tipps für ein Wochenende in Triest: parken & Öffis

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Friaul Roadtrip

Unser Friaul Roadtrip in der Übersicht: Die gesamte Route, die genauen Grenzen, und Tipps für unterwegs und Unterkunft.

Triest – das „kleine Wien an der Adria“

Warum das „kleine Wien“? Weil Triest, obwohl es die Hauptstadt der Region Friaul-Julisch Venetien ist, nicht friulanisch, sondern österreichisch geprägt ist. Über 500 Jahre war Triest Teil des Habsburger-Reichs. als einziger Hafen der Monarchie durfte es seine Blütezeit im 18. und 19. Jahrhundert erleben.

Nach dem Ende des ersten Weltkriegs rückte „Trieste“ – wie es seit damals auf italienisch heißt ins Abseits: nicht nur wirtschaftlich, sondern auch geographisch.

Nach dem zweiten Weltkrieg lange mit unklarem Status, und erst neun Jahre nach Kriegsende Italien zugesprochen, standen die Triestiner am letzten Zipfel ihres Landes dann nämlich ziemlich alleine da.

Eingezwängt zwischen Meer und Karsthochebene, am Rande von Slowenien (bzw. dem damaligen Ostblock), hat sich der „Sonderstatus“ der ehemaligen UNO Freizone bis heute in den Köpfen der Triestiner erhalten. Grund genug, einen Abstecher in die eigenwillige Stadt einzulegen.


welche Sehenswürdigkeiten sich beim Triest Kurztrip er-gehen lassen

Triest an einem Tag: was man hier tun kann

1. auf Spurensuche der Monarchie gehen – und einen der schönsten Plätze der Welt finden

Das heutige Erscheinungsbild von Triest verdanken wir vor allem Kaiserin Maria Theresia sowie ihrem Sohn, Josef II. Zumindest dort, wo wir durchmarschieren. Vom Zentralbahnhof an der Piazza della Libertá kommend (wir haben unser Auto an der Viale Miramare bei Barcola abgestellt, siehe Tipps), durchqueren wir die Neustadt, das „Borgo Teresiano“, das unter Maria Theresia angelegt wurde.

Und hier siehts tatsächlich aus wie in einem kleinen Wien, und nicht wie in Venedig (so wie das rundherum der Fall ist: Muggia ist venezianisch, auch Piran).

Wo sich Wien noch verewigt hat: Im Reichtum des alt-österreichischer Handelshafen, der sich heute in den „k und k“ Palästen, in den Versicherungsgebäuden und Reedereien zeigt.

Übrigens: Nicht nur die Kaiserin und ihr Sohn sind hier ein Thema. Auch Kaiser Franz Josef, den die Triestiner liebevoll „Cecco Peppe“ nennen, hat man mit der „Piazza Francesco Giuseppe“, der heutigen Piazza dell únitá d´Italia, ein Denkmal gesetzt.

Auch in der Küche ist die Monarchie spürbar: In Triest können nach Herzenslust Schnitzel, Schweinsbraten und Gulasch sowie Strudel und „Torta Sacher“ bestellt werden. Aber auch Cevapcici – die Grenze ist auch kulinarisch nicht weit.

Spätestens am „Canal Grande“ werden wir bei unserem Triest Kurztrip doch ein bisserl an Venedig erinnert. Bevor sich Triest in den Schutz der Habsburger begeben konnte, gabs noch ein paar Konflikte mit der großen Seemacht auszufechten.

Wir sind kulinarisch der Literatur gefolgt (siehe Tipp 4), aber das nächste Mal werden wir definitiv beim Buffet da Pepi einen Stopp für Schnitzel und Schweinsbraten einlegen.


Und schon sind wir da, an einem der angeblich schönsten Plätze der Welt.

Der Superlativ ist nicht unbegründet. Denn – die „Piazza dell únitá d´Italia“ ist bis zum Meer hin offen. Und mit diesen Eigenschaften der größte Platz in der EU. Nicht nur deswegen nennen ihn die Triestiner wohl Piazza Grande. Der eigentliche, eher sperrige, Name, verdankt sich der etwas schwierigen Identitätsfindung zwischen 1945 und 1954, als die Stadt als UNO Schutzzone Zankapfel zwischen Ost und West war.

Piazza Grande Triest

Für mich ist die Piazza Grande eine Mischung aus Habsburg und Venedig: Die großen Palazzi in klassizistischem Stil erinnern an Wien (sie wurden im 19. Jahrhundert neu errichtet, als der Platz zum Meer hin geöffnet wurde). Die Weite des Platzes, die Tauben und der Meeresduft haben wir in ähnlicher Form schon mal am Markusplatz gesehen. Und auch die zahlreichen Touristen, die im Caffè degli Specchi das Treiben beobachten.

  • Kurztrip Triest
  • Triest Meer
  • Caffè degli Specchi

Das Caffè degli Specchi auf der „Piazza dell únitá d´Italia“ KANN man nicht verfehlen.

2. den wahren italienischen Caffé trinken – und zwar dort, wo er herkommt

Wahrlich, DER ultimative Tipp…. Kaffee trinken. Genau das macht man doch in Italien, genau dafür fahren wir doch von Zeit zu Zeit auf ein Wochenende herunter.

Allerdings: die Triester sollen angeblich doppelt soviel Kaffee wie der Rest Italiens trinken.

Und: Illy stammt aus Triest. Und auch Caffé Hausbrandt. (Der Name sagts. Caffé Hausbrandt wurde Ernesto Hausbrandt, von einem Kommandanten der habsburgischen Handelsmarine bereits 1892 gegründet. Und da stoße ich doch bei Recherche auf einen weiteren Alt-Österreicher, den ungarischen Kaffeehändler Illy. Soviel Habsburg hätte ich beim Kaffee gar nicht vermutet!)

Grund genug also, meinen zweiten Tipp zum Kurztrip Triest dem Kaffee zu widmen.

Zwar wurde das erste Kaffeehaus in Triest erst 65 Jahre später als in Wien gegründet (1748). Doch als wichtigster Kaffee-Einfuhrhafen des Mittelmeers war Triest auch in dieser Hinsicht für das „große Wien“ bedeutsam.

Wir beschließen, den Caffé nicht unter all den Touristen im Caffé degli Specchi zu nehmen, auch wenn der Bezug zu James Joyce (der hier seine Tage verbracht hat) schon reizvoll ist. Sondern flanieren etwas vor an die Meeresfront und genießen dort das Treiben an der Riva del Mandracchio. Ein weiterer (ehemaliger) Bezugspunkt zur Heimat liegt in der Nähe an der Molo Sartorio: Österreichs Nullpunkt.

Kurztrip Triest

Beim Weiterflanieren kommen wir dann auch noch am zweiten wichtigen Caféhaus Triests vorbei, das an die Wiener Kaffeehaustradition erinnert. Das Caffé Tommaseo sieht auch von außen sehr nett aus, scheint nicht überlaufen zu sein, und nachdem wir hier ein paar ältere Damen und keine Touristen sehen, werden wir dann das nächste Mal dort einzukehren.

Caffé Tommaseo
hier wieder ganz Italien: die Vespa vor dem Caffé Tommaseo

Caffé Tommaseo, Piazza Nicoló Tommaseo 4; Tipp: in Triest trinkt man den Kaffee „Nero“ (Espresso), „Capo“ (Espresso macchiato) oder „Caffeelatte“ (Cappuccino) – oder auf über weitere 60 Arten. Mehr zum Kaffee gibt’s in der Universitá del Caffé von Illy

3. auf Spurensuche der Römer gehen – und ziemlich offensichtliche Spuren finden

Vom Tommaseo kann gleich über die Via del Canal Piccolo zur Triester Einkaufsstraße, dem Corso Italia, eingebogen werden. Und damit ists dann auch nicht mehr weit zu den ersten Herrschern über Triest, den alten Römern.

Wir sind überrascht, was uns hier erwartet: Ein nicht wirklich kleines Amphitheater liegt hier mitten unter Wohnhäusern am Rande des Stadthügels San Giusto ausgebreitet! Aber auch hier zahlt sich die Recherche aus, so schön ist die Story dann doch nicht ganz: Bis 1938 waren die Ruinen unter Stadtmauer und Häusern verborgen. Die Häuser mussten unter Mussolini schwinden, um die Verbindung des faschistischen Reichs zu seinen römischen Ursprüngen für die Welt sichtbar zu machen. Man muss sagen, das ist ihm gelungen.

  • Amphitheater Triest
  • Amphitheater Triest

Das Amphitheater befindet sich unterhalb des Stadthügels San Guisto in der Via del Teatro Romano

4. die Triestinitá erleben – und zwar dort, wo auch Kommissare hingehen

Das netteste Platzerl, das wir in Triest gefunden haben (abgesehen davon dass wir das Tommaseo nicht von innen gesehen haben), darf ich dem Mann (der Leseratte) an meiner Seite verdanken. Denn dort, wo Commissario Laurentini hingeht, mussten wir auch hin. Ein echter Geheimtipp also. (Oder doch nicht?) Anscheinend weiß dieser Commissario, wos gut ist. Und auch sein Erfinder Veit Heinichen.

Die „Gran Malabar“ auf der Piazza San Giovanni dürfte aber nicht nur Ziel für Literatur-Touristen wie uns sein, sondern scheint auch ein Treffpunkt der Triestiner zu sein. Das Stehachterl wird am Stehtisch eingenommen, durchgereicht durchs Fenster wie im Buffet. Wir allerdings bleiben kulinarisch in Italien und lassen uns (sehr gute) Tramezzini schmecken.

Gran Malabar
die Gran Malabar: ein Treffpunkt für Literaten – und uns

Wo wir schon bei Literatur sind: In Triest hat James Joyce den Ulysses geschrieben, Hemingway war hier, Italo Svevo ein Kind der Stadt, und Rilke sowie Twain schrieben im nahen Schloss von Duino.

Die Gran Malabar findet man auf der Piazza San Giovanni 6.

5. die (fast) wichtigste Sehenswürdigkeit: den Wind erleben beim Kurztrip nach Triest

Eigentlich würde dieser „Tipp“ an den Beginn gehören. Denn die erste Begegnung mit Triest war eindeutig der Wind. Wobei hier Wind nicht gleich Wind ist. Es gibt gleich mehrere, von Bora, Mistral und Scirocco hat man schon gehört. Und die sind für das Wetter in Triest zuständig.

Kurztrip Triest

Aber auch für die Segler, denn was tut man schon in einer windreichen Stadt am Meer?

Jedes Jahr findet hier die „Barcolana“ statt – mit über 2.000 Yachten die größte Segelregatta der Welt. Eine Woche dauert das Spektakel, das sich bei Bora auch von einer wilden Seite zeigen kann, Crashes und Kenterungen inklusive.

Der Name kommt vom angrenzenden Barcolana, von dem wir gekommen sind und von wo wir unsere Reise in den Karst und die weiteren grenznahen Weingebiete fortsetzen werden.

welche Sehenswürdigkeiten man noch beim Triest Kurztrip entdecken kann

  • in den Karst auf über 300m hinauf nach Opicina fahren: die bekannte Tram (Europas älteste) ist aktuell nicht in Betrieb, aber auch mit dem Bus Nr. 2 kommt man hinauf (man kann auch am weißen Obelisken aussteigen)
  • von Opicina kann man entlang des Karstabbruchs am Napoleonweg ins Dörfchen Prosecco und auch zur Wallfahrtskirche Monte Grisa (die „Betonpyramide“) wandern, Bus 42 bringt einen von dort wieder hinunter nach Triest
  • Bus 42 fährt auch zur Grotta Gigante, einer der größten Höhle Europas
  • wir haben den Karst mit dem Auto erkundet bzw. sind auch an der Küstenstraße entlang gefahren, vorbei an Schloss Miramare und Duino; auch die Weingebiete an der slowenisch/italienischen Grenze haben wir auf unserem Friaul Roadtrip erkundet
  • in der Nähe locken auch Muggia und Piran mit venezianischer Geschichte
  • was man sonst an der oberen italienischen Adria tun kann: meine Geheimtipps
  • gut zu wissen: unsere Tipps für einen Kurztrip nach Triest

    • wo parken: Unser Auto stehengelassen haben wir auf der Viale Miramare auf Höhe des Yachthafens in Barcola (ziemlich unterhalb des Faro della Vittoria), und das gratis. Bus Nr. 6 fährt direkt (viertelstündlich) zur Piazza della Libertá am Hauptbahnhof, der Weg ins Stadtzentrum führt durchs Borgo Teresiano. Bus-Tickets gibt’s in der Trafik. Wer hineinfahren möchte, kann versuchen einen gebührenfreien Platz an der Viale Miramare zu erwischen. Günstig geht’s auch an der Molo IV für € 1,-/h.
      Eine Parkplatzübersicht gibt’s auch hier.
    • öffentliche Verkehrsmittel: alle Buslinien
    • der Wind war wirklich das erste, was wir von Triest mitbekommen haben. Die Windjacke mitzunehmen schadet also nicht!

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